Coop und Migros verbannen umstrittenen Unkrautvernichter

Ein angeblich krebserregender Stoff in Herbiziden soll bei Coop aus den Regalen getilgt werden. Die Migros zieht sogleich nach – obwohl der Bund den Stoff als unbedenklich einstuft.

Die WHO findet Glyphosat schädigend, der Bund unbedenklich: Die Logos der beiden Grossverteiler Migros und Coop in Gossau. (17.05.2010)

Die WHO findet Glyphosat schädigend, der Bund unbedenklich: Die Logos der beiden Grossverteiler Migros und Coop in Gossau. (17.05.2010) Bild: Patrick B. Krämer/Keystone

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Nachdem die WHO das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend eingestuft hat, nehmen die Grossverteiler Coop und Migros Produkte, die den Stoff enthalten, vorsorglich aus dem Sortiment. Der Glyphosat-Einsatz wird seit längerem von Umwelt- und Drittwelt-Organisationen kritisiert.

Zwar betrachte das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft Glyphosat weiter als unbedenklich, teilte Coop mit. Der Stoff sei für den Hobbybereich zugelassen. Dennoch habe sich Coop entschieden, per sofort alle entsprechenden Produkte aus den Regalen der Supermärkte und der Bau Hobby-Märkte zu nehmen.

Migros will diesen Schritt kommender Woche nachvollziehen, wie ein Sprecher des Konzerns einen Bericht der Konsumentensendung «Espresso» von Radio SRF bestätigte. Ursprünglich hatte Migros erst für 2016 geplant, die umstrittenen Produkte nicht mehr zu verkaufen.

«Widersprüchliche» Studien

Die wissenschaftlichen Studien zur Wirkung des Herbizids auf den Menschen seien «widersprüchlich», schreibt Coop. Bisher seien keine Glyphosat-Konzentrate, sondern «nur sehr stark verdünnte, gebrauchsfertige Produkte» verkauft worden. Diese seien bis zu 48 Mal niedriger dosiert als in der Landwirtschaft gebräuchliche Produkte.

Coop will sich stattdessen gemäss Mitteilung für «alternative Herbizid-Lösungen» einsetzen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hatte Ende März in Aussicht gestellt, den Bericht der WHO zum umstrittenen Herbizid und eventuell daraus resultierende Schritte zu prüfen.

Das erstmals in den 1970er-Jahren von Monsanto vermarktete Glyphosat ist heute weltweit das am meisten eingesetzte Spritzmittel gegen Unkraut. Auch in der Schweiz wird es rege benutzt. Die Einstufung als krebserregend nahm die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO vor, konkret in die zweithöchste von fünf Kategorien. (rsz/sda)

Erstellt: 19.05.2015, 19:45 Uhr

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