Coop und Migros ziehen Bilanz in Bangladesh

Die Katastrophe von Rana Plaza war auch für Schweizer Detailhändler ein Weckruf.

Eine Trauernde nach dem Gebäudeeinsturz im April 2013 in Bangladesh mit 1127 Toten. Foto: Ismail Ferdous (Keystone)

Eine Trauernde nach dem Gebäudeeinsturz im April 2013 in Bangladesh mit 1127 Toten. Foto: Ismail Ferdous (Keystone)

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Auch Coop und Migros lassen Kleider in Bangladesh nähen. Direkt betroffen vom Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes am 24. April 2013 nordwestlich der Hauptstadt Dhaka waren sie jedoch nicht. Mit keiner der fünf Firmen, die im neunstöckigen Gebäude untergebracht waren, pflegten sie Geschäftsbeziehungen.

Nach dem Unglück begannen beide Grossverteiler, die Situation bei ihren Lieferanten zu überprüfen. Dem aus einer europäischen Initiative entstandenen «Bangladesh Accord on Fire and Building Safety» schlossen sie sich nicht an. Im Gegensatz zu den Schweizer Unternehmen Charles Vögele, Switcher, Tally Weijl und Vistaprint.

Coop beauftragt externe Auditfirma

Die Argumente von Coop und Migros: das eigene Einkaufsvolumen in Bangladesh sei nur klein, der Accord wegen der ganzen Koordination zwischen allen Teilnehmern schwerfällig und aufgrund der langjährigen stabilen Lieferantenbeziehungen könne man allein sicherstellen, dass die Risiken in den Fabriken minimiert würden. Sogar schneller, flexibler und nachhaltiger.

Coop arbeitet aktuell mit einem Lieferanten aus Bangladesh zusammen. Die Einhaltung von sozialen Arbeitsbedingungen und der Arbeitssicherheit werde regelmässig kontrolliert. Zusätzlich hatte Coop eine externe Auditfirma beauftragt, die Gebäude und den Brandschutz zu überprüfen.

Die Produktionsstätten würden bezüglich Sicherheit gut dastehen, heisst es auf Anfrage. «Bei letzten Audits wurden keine gravierenden Mängel entdeckt. Die Mängel betrafen primär die Sauberkeit der Gebäude und den Unterhalt der elektronischen Anlagen, so zum Beispiel ein kaputtes Lämpchen in einem Exitschild. Ein Grossteil der erforderlichen Massnahmen konnte bereits umgesetzt werden», sagt Coop-Sprecher Ramon Gander.

Migros stellte keine gravierenden Mängel fest

Die Migros bezieht Textilien von vier Produzenten aus Bangladesh. Bei sämtlichen Fabriken sei die Gebäudesicherheit überprüft und keine gravierenden Mängel festgestellt worden, heisst es. Die erste Fabrik prüfte die Migros im Februar 2014, und zwei Monate später wurden dieselben Betriebe durch den Accord kontrolliert. Im November wollen Migros-Verantwortliche nach Bangla-desh reisen, um bei einem zweiten Produzenten den Fortschritt bei der Behebung der Mängel der ersten Überprüfung zu kontrollieren.

Bei den zwei weiteren Produktionsstätten verlässt sich die Migros bis jetzt auf die Resultate der Überprüfung durch den Accord sowie das in den USA initiierte Bündnis «The Alliance for Bangladesh Worker Safety». Dennoch will die Migros die betreffenden Fabriken zu einem späteren Zeitpunkt auch selbst prüfen. «Obwohl die Migros den Accord nicht unterzeichnet hat, nehmen auch wir unsere Verantwortung wahr. Trotz immensem Druck seitens Öffentlichkeit und Medien haben wir uns entschlossen, weiterhin in Bangladesh produzieren zu lassen und uns nicht aus diesem Markt zurückzuziehen. Betrachtet man die rückläufigen Exportzahlen dieses Entwicklungslandes ist dies keine Selbstverständlichkeit», nimmt die Migros auf Anfrage Stellung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2014, 19:37 Uhr

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