Coop verscherbelt ausgelistete Ware – Migros entscheidet bis Mittwoch

Sinken die Preise von Markenartikeln, muss die Migros auch die Preise eigener Produkte senken. Das lässt die Marge schmelzen. Die Migros betrifft dies stärker, weil sie viel mehr Eigenmarken verkauft als Coop.

«Nein zu den Profiteuren des Wechselkurses»: Markenprodukte gibts bei Coop (hier in Crissier) zum halben Preis.

«Nein zu den Profiteuren des Wechselkurses»: Markenprodukte gibts bei Coop (hier in Crissier) zum halben Preis. Bild: Keystone

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Weil L’Oréal, Ferrero und Mars Währungsgewinne zurückbehalten, nimmt Coop 95 Produkte dieser Konzerne aus den Regalen. Was noch an Lager ist, wird zum halben Preis verscherbelt. L’Oréal nimmt dieses Vorgehen erstaunt zur Kenntnis. «Wir haben unsere Rabatte deutlich erhöht», erklärt Sprecherin Danielle Bryner. Bei Ferrero und Mars in Zug war infolge eines Feiertags keine Stellungnahme erhältlich.

Die Migros hatte ihren Lieferanten bis vergangenen Freitag Zeit eingeräumt, auf die Forderung nach Preissenkungen zu reagieren. Sie will nun bis Mittwoch entscheiden, ob sie ebenfalls Markenartikel aus den Regalen nimmt. «Die Auslistung ist nur die letzte Option, lieber bieten wir den Kunden tiefere Preise», sagt Sprecher Urs Peter Naef.

Hat die Migros mit ihren Forderungen nach Preissenkungen bei den Multis Erfolg, bringt sie sich jedoch selber unter Zugzwang. Denn während Coop 55 Prozent Eigenmarken im Sortiment hat, sind es bei der Migros ganze 90 Prozent, und diese kosten heute schon in gewissen Bereichen fast gleich viel wie Markenartikel. Werden diese billiger, muss die Migros auch bei den Produkten der eigenen Industrie über die Bücher.

Sun Look fast so teuer wie Nivea

Beispiel Sonnenschutz: Die Sun Lotion von Nivea mit Schutzfaktor 30 kostet Fr. 7.96 pro 100 Milliliter. Dieselbe Menge der Migros-Eigenmarke Sun Look ist mit Fr. 7.25 nur unwesentlich günstiger. «Sollte Nivea die Preise senken, müsste auch der Preis für Sun Look angepasst werden», bestätigt Naef. Das wiederum hätte Auswirkungen auf die nächste Preisebene bis hinunter zu M-Budget. «Jedes Mal verringert sich die Marge, am Schluss bleibt auch weniger Geld fürs Personal», gibt Naef zu bedenken.

Die Migros hat es geschafft, in vielen Bereichen die eigenen Marken qualitativ hochwertig zu positionieren. Laut Marktkennern hat sie mit diesen in der Schweiz hergestellten Produkten auch hohe Margen. Diese geraten nun in Gefahr.

Wie hoch ihre Margen anscheinend sind, zeigen Konkurrenzprodukte der Landi-Läden, die ebenfalls in der Schweiz hergestellt werden. Für 100 Milliliter Sonnenmilch 30 der Eigenmarke Beauté Suisse verlangt Landi Fr. 3.25 – 45 Prozent des Migros-Preises.

Mehr Eigenmarken

Im Kampf gegen die Macht der multinationalen Konzerne droht auch Coop-Chef Hansueli Loosli schon mal mit dem Ausbau des Anteils der Eigenmarken, wie vergangene Woche in der deutschen «Lebensmittelzeitung» – einem Fachblatt, das auch die Industrie liest. «Markenartikler müssten aufpassen, dass sie sich bei steigender Preisdifferenz zu Eigenlabels und dem Ausland nicht aus dem Markt drücken», sagte er.

Auch Spar hat laut Sprecherin Silvia Manser vereinzelt Artikel rausgeworfen, weil man sich mit dem Hersteller nicht einigen konnte. «Bei Leader-Artikeln finden wir das aber wenig konsumentenfreundlich.» Und die Dorfläden von Volg überlegen sich, aus dem Coop-Entscheid Konsequenzen zu ziehen. «Wir können uns vorstellen, gewisse Produkte auszulisten», zitierte die Agentur SDA Sprecher Reinhard Wolfensberger.

Bei Denner hingegen kommt eine Auslistung derzeit nicht infrage. Lieber erhöht der zur Migros gehörende Discounter mit selbst finanzierten Preissenkungen den Druck auf die Konzerne, mit denen man «hart verhandelt». Zudem erhöhte Denner die Parallelimporte, etwa von Nivea Creme in der Dose, Always und Gillette Mach 3.

Neue Wege geht der Möbelhändler Schubiger: Ab 23. August verkauft er alle Möbel aus dem EU-Raum zu den in Deutschland gültigen Euro-Preisen – in Franken zum offiziellen Tageskurs.

Erstellt: 16.08.2011, 06:12 Uhr

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