Credit Suisse im Kriechgang zu den Konzernzielen

Die Grossbank kommt beim Umbau ihres Geschäfts schleppend voran. Besonders die Investmentbank schneidet mässig ab – auch, weil hier die Lohnsumme im Gegensatz zur Vermögensverwaltung nicht sank.


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Neununddreissig Seiten umfasst das PDF-Dokument, in dem die Credit Suisse ihre Zahlen zum ersten Quartal darlegt. Ein neuer Rekord für die Medienmitteilungen, die bisher weniger als halb so lang waren. Die CS veröffentlicht ihre Quartalsmedlungen künftig ohne sofortigen Geschäftsbericht, gibt sich aber grosse Mühe, trotzdem im Detail nachzuweisen, wie die Einschätzung ihres Konzernchefs Brady Dougan zustande kommt. Dieser spricht von einer «guten Leistung» seiner Bank, von «positiven Entwicklungen» und «Fortschritten bei der Umsetzung der Strategie».

Die gute Nachricht aus Dougans Sicht ist: In der Vermögensverwaltung vermochte die Credit Suisse unter dem Strich tatsächlich ihr Ergebnis zu verbessern. Hier beginnt das Kostenprogramm der Grossbank zu greifen. Im Vergleich zur selben Periode im Jahr 2013 gab die Bank im ersten Quartal 2014 rund 200 Millionen Franken weniger aus. Bei gleichbleibenden Erträgen resultierte so ein höherer Gewinn. Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis, eine Schlüsselkennzahl, sank von 72 auf 68 Prozent und kam damit dem angepeilten Ziel von 65 Prozent näher.

Zusätzliche Gelder von Ultrareichen

Ein weiterer Bonus im Private Banking sind die überraschend hohen Neugeldzuflüsse von reichen Kunden. 10,6 Milliarden Franken zog das Private Banking an Land, den Löwenanteil davon in den Regionen Schweiz sowie Asien-Pazifik. Vor einem Jahr hatte man rund die Hälfte verbucht. Zwar verzeichnet die CS nach wie vor Abflüsse aus dem grenzüberschreitenden Europa-Geschäft, doch die Credit Suisse hat Teile dieses Bereichs ohnehin als «nicht strategisch» definiert. Messen lassen will sich die Bank an ihrem «strategischen» Geschäft, wozu unter anderem die Betreuung von Ultrareichen zählt. Unter dieser Kundengruppe vermochte die Bank zusätzliche Gelder anzuziehen.

Im Investmentbanking tritt die Bank an Ort. Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr von 67 auf 76 Prozent und überschritt damit den Zielwert von 70 Prozent, den die CS hier definiert hat. Eine höhere Kennzahl ist ein ungünstiger Geschäftsindikator. Zurückzuführen ist das Resultat teils auf das widrige Marktumfeld, das besonders den Anleihenhandel, aber auch den Aktienhandel beeinträchtigte. Nicht für die CS spricht, dass der Ertragsrückgang bei ihr sogar noch höher ausfällt als bei US-Grossbanken, die bereits vergangene Woche ihre Zahlen publizierten.

Der Ertrag im Investmentbanking verringerte sich um eine halbe Milliarde Franken – demgegenüber ging der Geschäftsaufwand nur unmerklich zurück. Die Lohnkosten für die Investmentbanker stiegen im Vergleich zum Vorjahr sogar. Will die CS ihre Investmentbank profitabler machen, so wird sich auch bei den Gehältern in diesem Bereich etwas ändern müssen. Gemäss der CS haben die höheren Lohnkosten auch mit einer Systemumstellung zu tun und fallen deshalb saisonbedingt höher aus. Trotzdem bleibt die Feststellung, dass die «strategischen» Einheiten der CS im Investmentbanking unter dem Strich schlechter abschnitten als im Vorjahr.

Börse reagiert negativ

Zu denken gibt weiter, dass die risikogewichteten Aktiven in den «strategischen» Bereichen der Bank im Vergleich zum Vorquartal anstiegen. Eigentliches Anliegen wäre eine Reduktion dieser Grösse. Vom Ziel, die risikogewichteten Aktiven gruppenweit auf 250 Milliarden Dollar zu bringen, hat sich die Bank in den letzten drei Monaten entfernt: Ende Jahr standen 266 Milliarden Dollar in den Büchern, heute sind es 280 Milliarden Dollar. Regulatorische Veränderungen vermögen diesen Anstieg nur teilweise zu erklären. Die Leverage Ratio, also die ungewichtete Kapitalquote der CS, steht nach Ablauf des ersten Quartals unverändert bei 3,7 Prozent. Vom vorläufigen Zielwert von 4,0 Prozent ist die Bank weiterhin entfernt.

An der Börse sackten die Aktien der Credit Suisse heute Morgen ab. Eine halbe Stunde nach Beginn des Börsenhandels standen die Titel mit 2,4 Prozent im Minus, während der Gesamtmarkt rund 0,4 Prozent über dem Vortagesschluss notierte. Analysten der Bank Vontobel reagierten auf die heutigen Zahlen mit einer Senkung ihrer Gewinnschätzung für die CS. Brady Dougans «positive Entwicklungen» widerspiegeln sich nicht Börsenkurs: Für einen Stimmungsumschwung wird künftig die Zahlenqualität – und nicht die Quantität an erläuternden Text- und Tabellenseiten – ausschlaggebend sein.

Erstellt: 16.04.2014, 10:29 Uhr

Setzt auf die Investmentbank: CS-Konzernchef Brady Dougan.

New Yorker Bankaufsicht erhöht den Druck

In den Steuerermittlungen gegen die Credit Suisse hat die Finanzmarktaufsicht des US-Bundesstaats New York den Druck erhöht. Das New York State Department of Financial Services forderte einem Insider zufolge in der vergangenen Woche von der Bank die Personalunterlagen des früheren Leiters der New Yorker Niederlassung an.

Unter anderem soll die Bank E-Mails, Spesenabrechnungen und auch die Computer-Festplatte des Mannes herausgeben, wie eine mit der Sache vertraute Person am Dienstagabend sagte. Die Bank erklärte in New York, sie arbeite mit den Behörden zusammen. Die New Yorker Behörde geht einem Insider zufolge der Frage nach, ob die Credit Suisse im Zusammenhang mit für Steuerhinterziehung eingerichteten Scheinfirmen falsche Angaben gemacht hat.

Das amerikanische Justizministerium ermittelt seit 2011 gegen Credit Suisse und rund ein Dutzend weitere Banken wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung für reiche Amerikaner. Das Finanzinstitut hat für eine mögliche Strafe im Rahmen eines Vergleichsverfahrens 895 Millionen Franken (rund 730 Millionen Euro) zurückgelegt.

Gegen den Manager, den die New Yorker Aufsicht nun ins Visier genommen hat, laufen bereits Ermittlungen. Er ist einer der sieben Angestellten der Credit Suisse, gegen die 2011 Verfahren wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung eingeleitet wurden. (Reuters)

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