Hintergrund

Das 2-Milliarden-Kaschmir-Label

Via Condotti, Madison Avenue, Bahnhofstrasse: Kleidershopping bei Loro Piana ist nicht ganz günstig. Auch der französische LVMH-Konzern hat sich den Kauf des italienischen Modehauses einiges kosten lassen.

Für Luxusartikel geben Leute gern Geld aus: Foto aus dem Loro-Piana-Katalog.

Für Luxusartikel geben Leute gern Geld aus: Foto aus dem Loro-Piana-Katalog. Bild: Facebook

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

1290 Franken blättert man bei Loro Piana für eine Cardigan-Strickjacke hin. Ein Damenmantel geht für 3860 Franken über den Tisch, und eine Männerbadehose kostet 350 Franken: Nein, die Mode beim italienischen Traditionshaus und Kaschmirspezialisten ist nichts für Menschen mit knappem Budget. Sondern für Kunden, die im Fachjargon gern als «High Net Worth Individuals» bezeichnet werden und somit die Basis fürs «Absolute Luxury»-Segment in der Konsumgüterindustrie bilden. Und dieses Segment wächst rapid.

Bereits während der Eurokrise hat die Luxusbranche eine erstaunliche Resistenz an den Tag gelegt. Weltweit wollen sich immer mehr Menschen nicht nur mit Luxusartikeln zufrieden geben, sondern verlangen das Beste vom Besten. Diese Tendenz dürfte der Hauptgrund für die jüngste Akquisition des französischen Konzerns LVMH sein. Wie gestern bekannt wurde, beteiligt sich der 67-Milliarden-Euro-Gigant zu 80 Prozent an Loro Piana. Kaufpreis für den Anteil am Label sind stolze 2 Milliarden Euro – ein Preis, den der Markt für gerechtfertigt hält. An der Börse legte LVMH bis zum Mittag um knapp 3 Prozent zu.

Die Jagd nach Exklusivität

Analysten loben den Deal. Das Modehaus Loro Piana, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1812 zurückreichen, vertreibt seine Edel-Produkte in 130 Boutiquen an den weltweit teuersten Standorten. Auch an der Zürcher Bahnhofstrasse ist Loro Piana präsent. Gegen 100 Millionen Euro Vorsteuergewinn schrieb Loro Piana 2012: Über das Verkaufs- und Marketing-Know-how von LVMH soll diese Zahl künftig auf ein Vielfaches steigen. Lange Zeit war Loro Piana auf Kaschmirprodukte spezialisiert; heute produziert und verkauft man sämtliche Accessoires, die das Herz des reichen Seglers, Golfers oder Polospielers begehrt.

Nach dem Kauf durch LVMH sollen die Familie Sergio und Pier Luigi Loro Piana noch mit 20 Prozent an dem Unternehmen beteiligt sein und ihre Positionen im Management behalten. Für die Glaubwürdigkeit der Marke dürfte dies ein Schlüsselfaktor sein: Während stärker popularisierte Labels wie Louis Vuitton an Exklusivität verlieren, geniessen behutsam aufgebaute Traditionsmarken die Gunst der Konsumenten. Als weltgrösste Luxusmarke hat LVMH in den vergangenen Jahren schon wiederholt in Italien zugekauft, darunter 2011 den Juwelier Bulgari für 3,7 Milliarden Euro.

Erstellt: 09.07.2013, 13:31 Uhr

Artikel zum Thema

Boom bei Schweizer Uhren ist vorbei

Hongkong und China, zwei der wichtigsten Absatzmärkte, entwickeln sich seit drei Quartalen rückläufig. Auch in Europa deutet wenig auf Aufschwung hin. Die Branche muss sich auf härtere Zeiten einstellen. Mehr...

Gefängnisstrafe für Dolce und Gabbana

Ihre Marke steht für Luxus, doch nun droht Dolce und Gabbana eine weniger glamouröse Welt: Wegen Steuerhinterziehung hat ein Gericht die Designer zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Mehr...

«Smartphone ist das Accessoire des 21. Jahrhunderts»

Interview Vertu-Konzernchef Perry Oosting sieht in Edel-Smartphones den einzigen Weg, um dem Technologie-Wettrüsten zu entkommen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Blogs

Mamablog Ach, diese Instagram-Muttis!

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...