Das Geschäft mit Edlem liegt ihnen im Blut

Beim Luzerner Uhren- und Schmuckunternehmen Gübelin ist Veränderung angesagt: Thomas Gübelin übergibt Ende Jahr an die sechste Generation.

Seit sechs Generationen in Familienhänden: Ende Jahr übergibt Thomas Gübelin das Geschäft seinem Sohn Raphael Gübelin.

Seit sechs Generationen in Familienhänden: Ende Jahr übergibt Thomas Gübelin das Geschäft seinem Sohn Raphael Gübelin.

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Familienunternehmen, die von der sechsten Generation geführt werden, sind so rar wie seltene Edelsteine. Die Uhren- und Schmuckfirma Gübelin, 1854 in Luzern gegründet, ist bald eine solche Rarität. Thomas Gübelin, 62, übergibt Ende Jahr die Führung an Sohn Raphael, 33, und Tochter Sara, 36.

Dass es überhaupt zu einer sechsten Generation kommt, war für Vater Thomas, der die Leitung 1988 von seinem Vater Walter übernommen hatte, immer nur eine von vielen Möglichkeiten. «Das war nie ein Muss.» Aber er habe sich von seinen Kindern gewünscht, dass sie ihm rechtzeitig mitteilen würden, wenn sie an einem Einstieg nicht interessiert wären. «Dann hätte ich einen CEO holen oder den Verkauf planen können.» Doch beide hätten Interesse gezeigt – Tochter Sara bereits vor zehn Jahren. Seither habe sie vom Verkauf über den Einkauf zur Kommunikation und Organisation von Events schon vieles gemacht.

«Die Jungen waren bereit»

Sohn Raphael hat im Internat Zuoz im Engadin die Matura abgeschlossen; es sei streng gewesen, aber auch «eine super Zeit». Als Trainee bei einer Bank realisierte er aber bald, dass seine Englischkenntnisse zu wünschen übrig liessen. In Boston in den USA lernte der junge Luzerner nicht nur die Sprache, sondern auch seine Frau kennen. Er blieb hängen, studierte dort, und als der Pharmakonzern Novartis in den USA ein Forschungs- und Entwicklungszentrum aus dem Boden stampfte, war der junge Gübelin dabei. Nach fast fünf Jahren als Controller verliess er vor drei Jahren Novartis und kehrte nach Luzern zurück.

Des Patrons Nachfolgekonzept wurde über den Haufen geworfen. «Eigentlich wollte ich erst 2013 mit 65 von der operativen Bühne abtreten und bis 70 den Verwaltungsrat präsidieren. Doch vor anderthalb Jahren merkte ich, dass die Jungen bereit waren. Auch Raphael hat sich viel rascher als erwartet ins operative Geschäft eingearbeitet.»

«Täglicher Kontakt mit den Kunden ist wichtig»

Zurück aus den USA, wurde dieser damit beauftragt, das interne Risikomanagement zu analysieren. Das hatte ihn in jede Abteilung gebracht und in kurzer Zeit mit der Firma vertraut gemacht. Da wurde Vater Gübelin klar: Er musste möglichst rasch abgeben. Er macht keinen Hehl daraus, dass ihm das nicht leicht fällt. Aber noch schlimmer wäre es gewesen, sich als Bremser zu fühlen. «Es gibt genug ältere Semester, die nicht loslassen können und immer noch alles in der Firma bestimmen müssen. Meine Kinder sind ausgebildet und haben die nötigen Fähigkeiten, ich habe Vertrauen in die Jungmannschaft.» Der Seniorchef philosophiert noch etwas über Nachfolgeregelungen und kommt zum Schluss: «Ja, ich bin bereit.» Das Präsidium des Verwaltungsrats bleibt ihm ja.

Die Jungen ergänzen sich gut. Während sich Raphael um Management- und Finanzfragen kümmern wird, bleibt Schwester Sara an der Verkaufsfront. «Sie hat das richtige Gespür dafür und macht das super», sagt Gübelin junior. Er sieht eine grosse Gefahr darin, dass das Management führt, ohne zu wissen, was im Verkauf abgeht. «Sara steht täglich im Kontakt mit Kunden, das ist uns enorm wichtig.» Wenn etwa eine vom Verwaltungsrat beschlossene Schulung beim Personal nicht die gewünschte Wirkung habe, sehe sie das sofort. Neben ihren operativen Tätigkeiten sind Tochter und Sohn Gübelin beide auch Mitglied des Verwaltungsrats.

Tradition und Innovation

Raphael Gübelin will an der Tradition des Hauses festhalten, eine grundlegende Neuausrichtung ist nicht geplant. «Einen völlig anderen Weg einzuschlagen, wäre ein grosser Fehler.» Doch er will die Firma weiterbringen. Schmuckproduktion sei ein uraltes Gewerbe. Auch ein Traditionsunternehmen wie Gübelin könne aber nicht einfach auf den Lorbeeren ausruhen und die Schweizer Qualität hervorheben. «Wir sind in der Schweiz und produzieren sehr gerne hier. Aber: Wir müssen auch die Innovation fördern.» Da gebe es viele Ansatzpunkte: Wie muss ein guter Verschluss sein? Wie muss eine Kette liegen? Eine gute Designidee reiche nicht, man müsse sie auch umsetzen können.

Gübelin verdient sein Geld mit Uhren sowie Schmuck und Edelsteinen. Punkto Umsatz und Rendite seien diese Bereiche ebenbürtig, Zahlen nennt das Familienunternehmen keine. Insgesamt sei das Geschäft sehr stabil, Modetrends tauchten nur selten auf. «Vor fünf Jahren glaubte man, Rotgold würde sich durchsetzen», schaltet sich Gübelin senior ins Gespräch ein. «Doch das haben wir bis heute nicht gesehen.» Es gebe zwar wesentlich mehr Uhren und Schmuck in Rotgold, aber Weiss- und Gelbgold seien immer noch um ein Vielfaches gefragter. Was der Verkäufer in ihm natürlich bedauert: «Hätte Rotgold eingeschlagen, hätten wir viel mehr verkauft. Zur Rotgolduhr passt nur Rotgoldschmuck, das hätte die Verkäufe beflügelt.»

Schweizer sind wichtigste Kundegruppe

Um ein bestehendes Geschäft noch besser vor Ort abzuholen, eröffnet Gübelin diesen Herbst in Hongkong eine Niederlassung seines gemmologischen Labors, das am Hauptsitz in Luzern Zertifikate für Edelsteine schreibt. Im Verkauf hingegen gibt es keinen Expansionsbedarf. Mit acht Standorten, verteilt auf die ganze Schweiz, sei man gut bedient. «Ich könnte auch noch nach Zermatt oder Grindelwald, aber ich will lieber die bestehenden Filialen stärken und exklusiver positionieren», sagt Gübelin junior.

Chinesen, Inder, Asiaten generell sind für Gübelin wichtige Kunden. Heute könnten Chinesen auch in Shanghai viele Uhrenmarken kaufen. Doch der Drang, sie im Herkunftsland zu erwerben, sei zum Glück gross. Die Nummer eins sind und bleiben jedoch die Schweizer Kunden. «Das wird sich auch nicht so rasch ändern und gibt unserem Geschäft Stabilität», glaubt Raphael Gübelin. Asiaten seien allerdings markenbewusster als Europäer, deshalb wolle man Gübelin als Schmuckmarke festigen. «Wir kaufen selber Edelsteine ein und haben so die ganze Wertschöpfungskette im Haus, was uns eine gewisse Stärke gibt.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.09.2010, 23:04 Uhr

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