Hintergrund

Das Geschäft mit dem Wickelfisch

Der Wickelfisch ist Kult: Immer mehr Schwimmer lassen sich mit dem Badesack durch Schweizer Gewässer treiben. Viele Firmen haben ihn als Werbeträger entdeckt .

Kein Schwimmen ohne: Der Wickelfisch gehört bei den Rheinschwimmern zur Standardausrüstung.

Kein Schwimmen ohne: Der Wickelfisch gehört bei den Rheinschwimmern zur Standardausrüstung. Bild: PD

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Lila- und pinkfarbene, grüne und hellblaue, rote, dunkelblaue und orange Farbtupfer treiben in den Armen von Schwimmern den Rhein hinunter. «Ich glaube, ich kann jetzt schon sagen, dass 2013 der Fisch wieder mal ausverkauft sein wird», freut sich Tilo Ahmels, der Erfinder des Wickelfischs.

Über die vergangenen Jahre hat sich der Schwimmsack schweizweit zum Kultobjekt entwickelt. Das freut den 46-Jährigen sehr, denn der Start vor elf Jahren war eher holprig. Als er den Badesack 2002 zusammen mit den Industriellen Werken Basel entwickelt und in steifem Orange auf den Markt gebracht hatte, gab es nur geringe Resonanz. «Ich war erst einmal enttäuscht», erinnert sich Ahmels. Mit dem Hitzesommer 2003 kam dann der Durchbruch. Und seither hält der Erfolg an. Auf den grossen Wickelfisch folgte vor vier Jahren der kleine Fisch für die Wertsachen – dieses Jahr hat Ahmels bereits Menschen gesichtet, die sich nur mit diesem den Rhein hinuntertreiben lassen. «Ich finde es toll, dass der Kleine auch allein eingesetzt wird», sagt der Ostdeutsche, für den Schwimmen im Rhein einen Ausdruck von Lebensqualität bedeutet.

Persönlicher Aufdruck

Unterdessen hat Tilo Ahmels rund zwanzig Abnehmer für den Wickelfisch, der inzwischen in Ripstop-Nylon her­gestellt wird. Unter ihnen figurieren ­Namen wie Manor, Thalia oder die ­Industriellen Werke Basel (IWB). Während Manor in diesem Jahr zum ersten Mal eine schwarz-weisse Edition mit einem Baselstab lanciert hat, sind die IWB ihrem Ursprungssack in Orange treu geblieben.

In den letzten Jahren haben zudem verschiedene Unternehmen den Wickelfisch als Werbeträger entdeckt – so etwa Globetrotter, Securitas oder Basel Tourismus. Andere, wie etwa das Unternehmen Mitte, verkaufen den wasserdichten Sack mit ihrem persönlichen Logoaufdruck in ihren eigens gewählten Erkennungsfarben, zum Beispiel in Dunkelrot.

Die Bestellmengen der Firmen bewegen sich zwischen drei- und vierstelligen Auflagen. «Dank all dieser Kunden kann ich die Stückzahl erhöhen, ohne ein grosses Risiko einzugehen», sagt Ahmels. Auf die Frage, ob er den Fisch denn für sämtliche Logos zur Verfügung stellen würde, antwortet der Erfinder prompt: «Zigaretten- oder Alkoholwerbung würde ich zum Beispiel nicht auf den Schwimmsack drucken lassen. Das passt einfach nicht.»

Der letzte Auftrag zum Sommeranfang brachte den Wickelfisch-Erfinder ziemlich ins Schwitzen. Ein grosses Pharmaunternehmen wollte die wasserdichte Tasche mit einem ganz speziellen Wiedererkennungseffekt und lieferte die Grafik einer abstrahierten Doppelhelix – für den Hersteller des Fisches eine echte Herausforderung. «25 Druckplatten waren nötig, um die Vorlage im Offset-Verfahren auf den Sack zu drucken», erzählt Ahmels. Doch die Arbeit habe sich gelohnt, das Ergebnis sei sehr schön und die Auftraggeber seien zufrieden.

Eine Mischung aus Stolz und Stress

Flaniert der kreative Kopf am Rhein­ufer und sieht all die Wickel­fische im Wasser treiben, macht sich in seinem Innern eine Mischung aus Stolz und Stress breit. «Ich fühle mich irgendwie verantwortlich für alle, die den Fisch benutzen», sagt Ahmels. ­Deshalb nimmt er auch immer wieder kleinere Anpassungen vor. So hat die neueste Wickelfisch-Generation einen Gurt mit einem Klettverschluss, der bei starkem Zug aufgeht und so für mehr Sicherheit sorgt.

Über Erfolgszahlen will der Designer, dessen Liebling der rote Wickelfisch ist, nicht reden. Tatsache ist, dass bereits Ende Sommer neue Bestellungen für das nächste Jahr ins Haus flattern. «Die Firmen kommen von allein auf mich zu. Um selber Anfragen zu machen, habe ich mit all meinen Projekten schlicht keine Zeit», sagt er. Auch in Übersee findet der praktische Schwimmsack Anklang. Über das Internet erhält Ahmels immer wieder Anfragen aus den Vereinigten Staaten oder gar Australien.

Mit dem Wickelfisch hat der Erfinder definitiv den Geist der Zeit getroffen. Und wer weiss, vielleicht findet der Sack ja dereinst seinen Platz im Museum: als Objekt, das den Sommer für viele Basler noch schöner macht, als er eh schon ist. (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.08.2013, 10:19 Uhr

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