Das Prepaid-Paradox

Die meisten Kunden würden Geld sparen beim Telefonieren mit dem Handy per Vorauskasse. Dass sie es nicht tun, hat ein paar gewichtige Gründe.

Für viele Nutzer wäre Prepaid die günstigere Wahl: Jugendliche mit ihrem Handy.

Für viele Nutzer wäre Prepaid die günstigere Wahl: Jugendliche mit ihrem Handy. Bild: Keystone

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Einmal mehr erbringt Comparis den Beweis, dass die meisten Handy-Abonnenten besser ein Prepaid-Angebot in Anspruch nehmen würden. Wer beim mobilen Surfen im Internet nur 500 Megabyte Daten verbraucht und nicht lange Gespräche führt, kommt mit Prepaid günstiger. Bei Sunrise liegt die Schwelle beim Telefonieren bei 1,5 Stunden, bei Orange bei 1 Stunde. Bei Swisscom lohnt sich ein normales Abo laut Comparis erst, wenn der Kunde monatlich mehr als 3,5 Stunden telefoniert.

Bei den Prepaid-Angeboten ist einiges in Bewegung. Etwa durch eine Preisoffensive von Sunrise. Zum einen beim eigenen Angebot, zum anderen bei Aldi mobile, das ebenfalls von Sunrise bereitgestellt wird.

Doch die Kunden scheint das nicht gross zu kümmern. Die Entwicklung der Prepaid-Anschlüsse sieht alles andere als dynamisch aus. Bei Swisscom ist die Zahl der Prepaid-Kunden seit drei Jahren rückläufig. Der Höhepunkt wurde im Jahr 2011 erreicht mit 2,25 Millionen Prepaid-Kunden. Über die darauffolgenden Jahre sank die Zahl kontinuierlich. Allerdings ist der Rückgang im letzten Quartal zum Stillstand gekommen. Die Zahl der Prepaid-Kunden verharrte wie bereits im vorhergehenden Quartal bei 2'165'000 Kunden.

Dieselbe Tendenz zeigt sich bei Orange. Bei Sunrise nahmen die Prepaid-Kundenzahlen im letzten Jahr sprunghaft zu (siehe Grafik). Hintergrund ist die Übernahme der Anbieter Lebara und Ortel mobile im Sommer 2013. Seither sind die Zahlen stagnierend bis leicht rückläufig.

Pauschal gegen Prepaid

Bei der Swisscom erklärt man die Entwicklung mit den neuen Pauschalangeboten. Vorher war die bessere Kostenkontrolle ein Argument, das für Prepaid sprach. Mit Pauschalabos fällt dieses weg. «Wir gehen dennoch davon aus, dass Prepaid-Angebote weiterhin gefragt bleiben. Von Wenignutzern oder für Zweithandys», sagt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze.

Bei Sunrise ist mit der Einführung der Abos mit der Bezeichnung «Freedom» ohne Mindestlaufzeit ein weiteres Argument gegen Prepaid auf den Markt gekommen. Telekom-Experte Ralf Beyeler von Comparis fasst das Prepaid-Phänomen wie folgt zusammen: «Schweizer kaufen grundsätzlich gerne auf Rechnung ein, das zeigt sich auch in anderen Gebieten. Klar werden sie auch mit einem subventionierten Gerät geködert. Und die Anbieter versuchen, die Kunden im Laden dazu zu bewegen, ein Abo abzuschliessen. Dies ist für die Anbieter lukrativer und es ist für den Kunden schwieriger, später den Anbieter zu wechseln.»

Migros mit billiger Quasi-Flatrate

Gestern hat die Migros ein neues M-Budget-Mobilabo vorgestellt, das den Druck auf Prepaid-Angebote weiter verstärkt. Für 29 Franken pro Monat sind 500 Minuten telefonieren, 500 SMS und 1 Gigabyte Daten enthalten.

Comparis-Experte Beyeler geht davon aus, dass dieser Schritt eine neue Preisrunde auslösen wird: Das ist auf jeden Fall eine Kampfansage von Swisscom, die hinter dem M-Budget-Abo steckt. Sunrise und die anderen Anbieter werden reagieren müssen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2014, 18:27 Uhr

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