Das Smartphone wird zum Allrounder

Türen öffnen, zahlen, Treuepunkte sammeln: Das soll künftig alles mit einer App der Swisscom möglich sein. Die wichtigsten Fakten.

Das Smartphone als Portemonnaie: Einkauf an einer Coop-Kasse in Zürich. Video: Jan Derrer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was ist Tapit – und was kann es?
Tapit ist eine Art digitales Portemonnaie. Eine App, in der man Kredit- und Kundenkarten, Mitgliederausweise oder ­Zutrittsbadges speichert. Statt der passenden Karte hält man das Handy ans Lesegerät. Das öffnet Türen, bezahlt Einkäufe, sammelt Treuepunkte und speichert Tickets.

Was brauchts, um Tapit zu nutzen?
Der Handyanbieter muss den Dienst anbieten – derzeit tut das erst die Swisscom (die das Produkt entwickelt hat). Sunrise und Orange starten Ende Jahr. Zudem muss das Handy über eine sogenannte NFC-Antenne verfügen – NFC ist ein Funkstandard, der maximal 20 Zentimeter weit reicht und kaum Strom braucht. Zudem wollen die Kreditkartenbetreiber die Geräte zertifizieren. Das ist derzeit bei 13 Handys der Fall – die meisten von Samsung. Insgesamt gibt es in der Schweiz eine Million solcher Handys. iPhones gehören nicht dazu.

Wieso funktioniert der Dienst ausgerechnet auf iPhones nicht?
Die Apple-Handys haben keine NFC-Antennen. Darum muss man sich mit einem Umweg behelfen. An einem solchen arbeitet die Swisscom derzeit und will bis Ende Jahr ein Ergebnis präsentieren. Denkbar ist, dass eine NFC-Antenne in eine Schutzhülle integriert oder zusammen mit der SIM-Karte ins Handy geschoben wird. Mit dem neuen iPhone dürfte das Problem behoben sein: Das für Herbst erwartete iPhone 6 soll laut Kennern über NFC verfügen.

Sind Handyzahlungen sicher?
Laut Mastercard und Visa sind sie genauso sicher wie eine Kartenzahlung. Zwar gibt es bei drahtlosen Transaktionen die Gefahr, dass Kartennummer und Ablaufdatum abgehört werden können. Allerdings kommt man damit nicht weit. Wichtig: Sofern sich der Kunde nicht fahrlässig verhält, liegt das Risiko bei Banken und Kreditkartenfirmen.

Was passiert, wenn das Handy gestohlen wird?
Am besten informiert man zuerst den Handyanbieter, der alle Kreditkarten und Zugangsrechte sperrt. Trotzdem müssen alle Kartenherausgeber zusätzlich separat informiert werden.

Was, wenn die Batterie ausgeht?
Die NFC-Antenne braucht praktisch keinen Strom. Darum lässt sich selbst dann noch bezahlen, wenn das Handy bereits tot ist – mindestens eine Stunde lang. Schwierig wirds erst bei Beträgen über 40 Franken, die man mit Visa bezahlen will. Dort müsste man zur Sicherheit einen PIN-Code auf dem Handy eingeben, was dann nicht mehr geht. Mit Mastercard gibts hingegen kein Problem: Dort gibt man den PIN-Code am Terminal und nicht auf dem Handydisplay ein.

Was kostet das Ganze?
Der Dienst ist gratis. Der Kunde zahlt nur Jahresgebühren für die Karten. Auch die Händler bezahlen nicht mehr als bei einer Kreditkartentransaktion.

Ist mobiles Bezahlen etwas Neues?
Nein. Sunrise-Chef Libor Voncina hat selbst gesagt, dass er bereits 2005 in ­Slowenien die erste Lösung präsentiert habe, mit der das Handy zum Portemonnaie wurde. Auch in Spanien, wo Orange-Chef Johan Andsjö zuletzt war, gab es mehrere solche Dienste. Bislang hatten alle nur mässig Erfolg. Das soll sich mit Tapit ändern: Es ist der erste Standard, bei dem alle Handyanbieter gemeinsame Sache machen.

Es gibt also keine Konkurrenz?
Was kann man aufs Handy laden?
Im Moment gibt es nur die Visa-Karte der Cornèr Bank. Im August kommt die Mastercard der Viseca dazu (Raiffeisen, Bank Coop, Kantonalbanken). Die UBS testet das System zunächst nur. Ab Ende Jahr sollen Firmen, die ihr Zutrittssystem von Siemens beziehen, vom Badge aufs Handy umstellen können. Ebenfalls ab Ende 2014 soll man Superpunkte von Coop mit dem Handy sammeln können.

Gibt es prominente Abwesende?
Ja, etwa die SBB. Sie entwickeln derzeit ein eigenes mobiles Ticketingsystem. Die Swisscom hofft offenbar, dass der Staatsbetrieb noch umschwenkt. Im Tapit-Werbespot zumindest kommt auch das Generalabonnement vor.

Es gibt sogar mehrere Konkurrenzprojekte, etwa vom Börsenkonzern SIX. Kenner gehen davon aus, dass dies mit ein Grund dafür sei, dass die Swisscom den Dienst lanciert, obwohl das Angebot noch dürftig ist. Sie schafft damit Tatsachen und hofft, dass sie so viele Partner findet, dass an ihrem Tapit-System keiner mehr vorbeikommt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.07.2014, 07:03 Uhr

Artikel zum Thema

Bezahlen mit dem Handy: So funktionierts

Der neue Handybezahldienst Tapit hat für die interessierten Nutzer noch zahlreiche Hürden. Wenn man aber mit einem funktionierenden Gerät ausgerüstet ist, ist die Handhabung ziemlich einfach. Mehr...

Wie das Handy zur Kreditkarte wird

Tapit heisst der Dienst, der Schweizerinnen und Schweizern künftig das Bezahlen leichter machen soll. Heute wird er vorgestellt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...