Porträt

Das System Suter

Ob Crossair, «Basler Zeitung» oder Hello: Das Geschäftsmodell von Moritz Suter ist immer das gleiche: Der Pilot steuert Ziele an, Freunde beschaffen das nötige Kleingeld.

Bekannt als guter Kommunikator mit grosser Überzeugungskraft: Moritz Suter.

Bekannt als guter Kommunikator mit grosser Überzeugungskraft: Moritz Suter. Bild: Keystone

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Es war einer seiner zuletzt selten gewordenen Auftritte vor Publikum, die Rede im grossen Hörsaal der Universität Basel. Am Anlass der Vereinigung der Basler Ökonomen hatten sich Prominente aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft eingefunden. Moritz Suter schwelgte in beschönigten Crossair-Zeiten, hielt die Zeitung «Der Sonntag» fest.

Verständlich. Suter hat stets die Erfolgsgeschichte «seiner» Crossair vor Augen: das kostenbewusste, schlank aufgestellte Unternehmen, das der schwerfälligen Swissair zeigte, wie das Geschäft zu betreiben war. Nur blendet der frühere Swissair-Pilot oft aus, dass die Crossair just dieser Swissair einen Teil ihres Erfolgs verdankte. Die «fliegende Bank», wie sie damals genannt wurde, besass dank diverser Zukäufe eine komfortable Mehrheit an Suters Airline und liess diese einen Teil des hart umkämpften Europa-Geschäfts betreiben. Kostenbewusst.

Vorwurf Grössenwahn

Den Vorwurf des Grössenwahns, den Suter der Swissair immer wieder machte, muss er sich nun selber gefallen lassen. Nachdem die Hello-Flotte als Folge der Finanzkrise 2009 halbiert worden war, wurden die Kapazitäten bereits 2010 wieder hochgefahren. Seit Frühling 2011 waren vier Airbusse A320 im Einsatz. Die fast 700 Sitzplätze zu füllen, ist für eine Schweizer Charterairline kein Spaziergang, ist sich die Branche einig.

Bemerkenswert ist Suters Karriere als Aviatikpionier dennoch. 1943 als Sohn eines Musikprofessors in Basel geboren, verlässt Moritz das Gymi ohne Matura. Den Traum vom Linienpiloten finanziert ihm sein Grossvater. Wie sein späterer Weggefährte bei der Crossair, André Dosé, sammelt er erste Erfahrungen als Pilot beim Besprühen von Feldern mit Pflanzenschutzmitteln. Nach wenigen Jahren als Pilot bei der Swissair gründet er 1975 mit 65'000 Franken die Business Flyers Basel, die spätere Crossair.

Mit Charme zu Millionen

Die Kapitalerhöhungen, die das rasante Wachstum nötig machen, kann Suter nicht alleine stemmen: Wie später bei Hello und bei der «Basler Zeitung» setzt er auf sein privates Umfeld – und später wie gesagt auf die Swissair. Der Charmeur hat Überzeugungskraft und Charisma: Er schafft es, Investoren dazu zu bringen, Millionen in alles andere als risikolose Unterfangen zu stecken. Das war bei der Crossair so, es war bei Hello so, und es war bei der BaZ so.

Oft bleibt ein Teil von Suters Geldgebern dabei anonym. Bei der BaZ rätselte man lange, wer dem zwar gut gestellten, aber nicht wirklich reichen Suter das Geld für den Kauf geliehen hatte.

Bei Hello war es im Dezember 2010 zu einer Erhöhung des Kapitals von 8 auf 22,1 Millionen Franken gekommen. Die Investoren blieben in Deckung, bis der «Sonntag» den Solothurner Medizinaltechnikunternehmer Hugo Mathys als Investor outete und der TA enthüllte, dass auch die Familie von Alt-Bundesrat Blocher ihre Hände mit im Spiel hatte.

Crossair-Abstürze

Absolute Tiefpunkte von Suters Karriere waren sicher die zwei Abstürze von Crossair-Maschinen 2000 und 2001, die insgesamt 34 Menschenleben kosteten. Man warf Suter eine dem Spardruck geopferte Sicherheitskultur vor. Für den Absturz bei Bassersdorf musste er vors Bundesstrafgericht. Doch die Anklage wegen fahrlässiger Tötung blieb folgenlos. Es sei nicht erwiesen, dass in der Firma eine Angstkultur geherrscht habe, hatte das Gericht damals festgehalten. Dem als Kostentrimmer bekannten, aber durchaus empfindsamen Suter gingen beide Vorfälle nahe. Kurz nach dem ersten Absturz, jenem in Nassenwil, gestand Suter, viel geweint zu haben. Der gute Kommunikator war auch als Trauernder fassbar, man nahm ihm das Leid ab. Der tragische Unfall war erst noch kurz vor dem 25-Jahr-Jubiläum der Crossair passiert, ein Fest mit 1500 geladenen Gästen hatte man geplant. Daraus wurde nichts.

Als Pionier nach Osteuropa

Der Unfall in Nassenwil machte Suter auch aus einem anderen Grund besonders betroffen: Er hatte die Crew gut gekannt. Der moldauische Pilot hatte zuvor die Aufnahmeprüfung bei der Crossair bestanden, Suter hatte ihn beim Nachtessen dazu kennen gelernt. «Ein sensibler, anständiger Mensch», sagte er der «Schweizer Illustrierten».

Zu Moldau hatte Suter schon zuvor eine besondere Beziehung. Ende der Neunzigerjahre hatte die Crossair eine Kooperation mit der damals noch staatlichen Air Moldavia begonnen und ihr unter anderem eine Maschine vermietet. Im Gegenzug rekrutierte die Crossair dort Piloten. Heute ist Suter Aktionär der privatisierten Moldavian Airlines. Mit im Aktionärsboot sitzt der Zürcher Wirtschaftsanwalt Georg Wiederkehr, ein alter Weggefährte aus Crossair-Zeiten und Bruder von Alfred Wiederkehr. Dieser ist ebenfalls Wirtschaftsanwalt, Ex-Verwaltungsratspräsident der Crossair und Hello-Aktionär. Suters Osteuropa-Engagement hört hier nicht auf: Wie auch Georg Wiederkehr ist der Flugpionier Aktionär und Verwaltungsrat bei Carpatair, der rumänischen Mutter von Moldavian. Es soll ihr gut gehen.

Für Moritz Suter ist zu hoffen, dass der Finanzchef von Carpatair verlässliche Zahlen liefert. Wenn es stimmt, dass der Hello-Finanzchef Suter mit falschen Zahlen getäuscht hatte, wäre seine Rede im Hörsaal der Uni Basel jedenfalls fast prophetisch gewesen. Unter anderem hatte er dort nämlich doziert: «Wenn sich die Menschen nicht mit der Unternehmung identifizieren, in der sie arbeiten, nützt alles Geld nichts.» Wie wahr. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.10.2012, 10:18 Uhr

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Moritz Suter: Der Crossair-Mann

Moritz Suter: Der Crossair-Mann Crossair, Basler Zeitung und die Chartergesellschaft Hello: Moritz Suters Unternehmerkarriere ist von Hochs und Tiefs gekennzeichnet.

Betroffene Passagiere

Ersatzflüge gibt es noch nicht für alle

Die Hello-Flugzeuge stehen seit Sonntag am Boden. Betroffen vom Grounding sind rund 3000 Passagiere – die allesamt über Reiseveranstalter ihre Flüge gebucht haben. Hello hat keine Direktkunden. Am stärksten trifft es Hotelplan mit 2500 Betroffenen. Der Veranstalter hat bereits für alle Flüge ab Zürich bis und mit dem 31. Oktober Ersatzlösungen gefunden. Die Passagiere fliegen an den geplanten Daten mit Edelweiss Air oder Air Berlin nach Ägypten, auf die Kanarischen Inseln oder nach Zypern. Für die geplanten Ägypten-Flüge ab dem 1. November sowie einen Charterflug ab Januar 2013 nach Finnisch-Lappland (Kittilä) werden noch Lösungen gesucht.

Die Volketswiler ITS Coop Travel sucht noch nach Lösungen, 170 Kunden aus dem ägyptischen Marsa Alam zurückzuholen. Weitere 144 Passagiere wären gestern mit Hello dorthin geflogen. Auch für sie werden Alternativen gesucht. Wer möchte, kann sein Arrangement kostenlos annullieren. Bei Kuoni und Helvetic Tours sind 100 Kunden betroffen. Für rund 20 Passagiere, die gestern von Antalya nach Zürich fliegen sollten, konnte ein Ersatzflug organisiert werden. Für alle anderen sucht man noch nach Lösungen. TUI Suisse flog gestern mit einer Ersatzmaschine nach Antalya. Für die nächsten Tage werden noch Lösungen gesucht. 100 Gäste und fünf Destinationen sind bis Saisonende von der Stilllegung betroffen.

Bund und FC Basel betroffen

Das Grounding trifft auch den Bund: Hello ist eine von mehreren Airlines, die Ausschaffungsflüge durchgeführt hat. Ein wichtiger Partner war Hello auch für den FC Basel, der mit der lokalen Airline zu seinen Europacupspielen zu fliegen pflegte; ein Airbus des Unternehmens ist gar mit dem FCB-Logo versehen. Unter der immer gleichen Flugnummer FHE1893 (in Anlehnung an das Gründungsjahr des Vereins) sollte auch morgen Mittwoch ein Flieger mit Mannschaft, Verantwortlichen und Edelfans an Bord nach Ungarn abheben, wo der FC Basel am Donnerstag gegen den FC Videoton aus Sekesfehervar spielt. Das Aus von Hello zwang den Club, kurzfristig umzuplanen: Hamburg Airways wird den Charterflug übernehmen.

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