Interview

«Das ist ein Schrei der Eifersucht»

Die Swiss fühlt sich benachteiligt gegenüber Fluggesellschaften wie der Emirates. Muss der Staat die Airline unterstützen? Dazu Aviatik-Kenner Kurt Hofmann.

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Die Swiss fordert, dass der Bund eingreift und ein Gleichgewicht zwischen den Flügen von europäischen und Fluggesellschaften aus den Golfregionen schafft. Ist der Wettbewerb so unfair?
Man muss hier sehen, dass die europäischen Fluglinien über viele Jahre hinweg tonangebend waren. Sie haben die Visionen der Golfstaaten im Aviatik-Bereich nicht ernst genommen. Jetzt sind sie wahr geworden. Nicht nur der Asien-Tourismus, in Länder wie Thailand, beflügelt die Umsatzzahlen der arabischen Airlines. Der Kunde ist erfahrener im Reisen als früher und kann im Internet die Preise vergleichen. Er wählt das Angebot, das ihm am meisten zusagt.

Trotzdem: Die Emirates etwa haben viel bessere Rahmenbedingungen. Sie zahlen minime Steuern und weniger Sozialabgaben.
Wenn es in der Schweiz gleich wäre, würde sich die Swiss auch nicht beschweren. Wir leisten uns aber hier in Europa den Luxus, eine Infrastruktur wie den Flughafen Frankfurt nicht 24 Stunden am Tag zu nutzen. Das hat Folgen.

Welche?
Die europäischen Fluggesellschaften sind das Schlusslicht der Branche. In Istanbul und im arabischen Raum geht der Betrieb rund um die Uhr. Auch die U-Bahn fährt oft die ganze Nacht und die Taxis an Flughäfen sind preiswert. Da kann Europa nicht mithalten. Die Konkurrenz wird in den nächsten Jahren noch zunehmen. Bald sind viele amerikanische Airlines fertig mit den Restrukturierungsmassnahmen und werden Europa vermehrt und kosteneffektiver anfliegen. Dann wird es für einige Fluggesellschaften hier sehr eng.

Ist es Sache des Bundes, in den Markt mit Massnahmen einzugreifen, wie die Swiss es fordert?
Nein. Das ist ein Schrei der Eifersucht von der Swiss. Natürlich haben sie nicht die Rahmenbedingungen wie die Fluggesellschaften aus den Golfstaaten. Aber auch die Swiss zahlt weniger, wenn sie in Dubai landet. Die Schweizer Politik hingegen hat schon viel früher den Fehler gemacht, die Fluggesellschaft nicht zu unterstützen. Das hätte in Form von weniger gesetzlichen Bestimmungen passieren sollen.

Wird mit einer Regulierung der Verkehrszahlen in die Wahlfreiheit der Konsumenten eingegriffen?
Ja. Der Konsument ist mündig. Wenn er lieber mit einer A380 nach Dubai fliegt, dann soll er das so wählen können. Das muss so bleiben.

Gehen die günstigen Preise der Fluggesellschaften aus den Golfstaaten auf die Kosten der Angestellten?
Nein. Die Piloten und Flugbegleiter verdienen nach internationalen Standards. Zudem können sie gratis wohnen und auch die Kinderbetreuung ist inklusive. Klar, die Ladearbeiter auf den Flughäfen verdienen nicht so gut wie in Europa. Aber die Jobs sind sehr begehrt. Die Flughäfen und Fluggesellschaften sind gute Arbeitgeber.

Für das gleiche Geld bekommt man bei der Emirates viel mehr Komfort und Luxus als bei der Swiss. Muss man ein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich für den Komfort und nicht für die nationale Fluglinie entscheidet?
Um Himmels Willen nein! Die Zeiten des schlechten Gewissens sind vorbei. Es ist ein internationales Geschäft, das von globalen Kunden lebt. Zudem haben es die Europäer schlicht verpasst, den Service zeitgerecht der Konkurrenz anzugleichen.

Kann der Preiskampf auf die Sicherheit schlagen?
Nein. Letztes Jahr war eines der sichersten Jahre der privaten Luftfahrt. In Europa sind alle Flieger sehr sicher. Auch die aus den Golfstaaten. Diese sind zudem dauernd in Betrieb und dadurch werden sie ständig gewartet. Das erhöht die Sicherheit. Dann gibt die Emirates jedes Flugzeug nach 11 Jahren weg. So hat sie eine der jüngsten Flotten. Das erklärt auch die enormen Bestellungen. Sie dienen nicht nur der Expansion, sondern auch als Ersatz. Die Wartung ist sehr wichtig, die europäischen Airlines sparen dort zwar, doch indem der Bereich nach Asien ausgelagert wird. Dort ist ein grosser Service an einer Maschine bei gleicher Qualität viel günstiger.

Erstellt: 09.01.2014, 12:47 Uhr

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Zur Person

Kurt Hofmann arbeitet als freiberuflicher Luftfahrt-Journalist und leitet eines der führenden österreichischen Redaktionsbüros für Presseartikel zum Thema Luftverkehr.(Bild: Hofmann Aviation & Consulting)

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