«Das ist gut für die verschlafene Bündner Hotelindustrie»

Amerikaner kaufen das Luxushotel Waldhaus in Flims. Warum sollen die Investoren schaffen, was bislang nicht gelang? Dazu Tourismus-Kenner Andreas Deuber.

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Andreas Deuber, das Parkhotel Waldhaus hat einen neuen Investor gefunden. Überrascht Sie das?
Ich bin nicht überrascht. Das Hotel ist attraktiv. Die Suche nach einem Investor hängt nicht nur von der Qualität des Objektes, sondern auch vom Timing ab. Es gibt ein offenes Zeitfenster, in dem ein neuer Käufer gefunden werden muss. Das ist geglückt, die Verantwortlichen machten einen sehr guten Job.

Käufer ist Z Capital, eine US-Investorengruppe. Die Internationalisierung der Schweizer Hotelindustrie setzt sich jetzt auch in Flims fort. Mit welchen Folgen?
Es gibt kaum eine andere Branche, die internationalisierter und globalisierter ist als die Hotellerie. Das ist gewöhnungsbedürftig, weil es in der Regel umgekehrt verläuft: Die Schweiz ist mehr dafür bekannt, dass sie im Ausland investiert. In der Hotelbranche kaufen Investoren Liegenschaften in der Schweiz.

Das birgt Risiken: etwa eine grössere Abhängigkeit gegenüber Firmen, deren Verantwortliche von einem anderen Kontinent aus operieren.
Klar gibt es Spannungsfelder. Die Investoren müssen sich erst mit den Verhältnissen vor Ort vertraut machen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Waldhaus und der Gemeinde Flims existiert schon Jahre. Gut möglich, dass künftig ein etwas anderer Wind weht. Das ist vielleicht auch gar nicht schlecht. Rechtlich ist das Vorgehen problemlos: Hotels unterliegen als öffentliche Betriebsstätten nicht der Lex Koller. Es braucht also keine Bewilligung für ausländische Investoren.

Es ist kein Geheimnis, dass internationale Grossinvestoren schnell und gewinnorientiert agieren. Besteht in Flims die Gefahr eines Absprungs, sobald die Rendite nicht mehr stimmt?
Z Capital kauft das Hotel für 40 Millionen Franken, es gibt zusätzliche Investitionen in Millionenhöhe. Deshalb glaube ich nicht, dass sich die Firma so schnell wieder zurückzieht. Doch wir müssen uns nichts vormachen: Solche Käufer investieren nicht bis in alle Ewigkeit. Ich rechne mit einem Zeithorizont von mindestens zehn Jahren. Solange braucht es in der Regel, um ein solches Objekt wieder herzurichten und wiederzuverkaufen. Der Investor will mit dem Hotel in die Gewinnzone kommen – die wissen, wie das funktioniert. Das kann der zuweilen etwas verschlafenen Hotelindustrie im Kanton Graubünden nur guttun.

Das frühere Waldhaus-Management ist gescheitert. Weshalb soll dies dem neuen Investor nun gelingen?
Der neue Besitzer möchte vermehrt auch in neue Märkte vordringen: Asien, arabische Länder oder die USA. Ich sehe das als Versprechen für die Zukunft.

Weshalb sollte sich ein reicher Araber ausgerechnet nach Flims begeben? In der Schweiz gibt es schillerndere Orte wie St. Moritz oder Interlaken.
Die Weisse Arena gehört zu den attraktivsten Bergsportregionen Europas und ist unternehmerisch gut geführt. Hinzu kommt das Resort: ein in sich geschlossener Ort, der jeglichen Komfort bietet. Das deckt bereits mehr als 90 Prozent ab, was den Gast interessiert.

Abgesehen davon, hebt sich der Standort aber nicht wesentlich von der Konkurrenz ab?
Ein schönes Naturumfeld ist gegeben und der Anschluss an den Flughafen Zürich ist sehr gut. Das ist aus Sicht der internationalen Ausrichtung ein entscheidender Punkt.

Erstellt: 11.12.2015, 18:06 Uhr

Andreas Deuber ist Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur und Ausbildungsleiter des Institutes für Tourismus und Freizeit. Seine Spezialgebiete in Forschung und Lehre sind Hotellerie und Tourismusimmobilien.

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