Das neue Geschäft mit der Wolke

Die Deutsche Börse lanciert 2014 eine Plattform für den Handel von Speicher- und Rechenkapazitäten. Dadurch soll ein flexibler und transparenter Markt für Cloud-Computing geschaffen werden.

Hoher Bedarf: Apple-Chef Tim Cook stellte im Oktober 2011 seinen neuen Dienst iCloud vor.

Hoher Bedarf: Apple-Chef Tim Cook stellte im Oktober 2011 seinen neuen Dienst iCloud vor. Bild: David Paul Morris (Bloomberg)

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Der Bedarf an elektronischen Speicher- und Rechenkapazitäten nimmt ständig zu. Das Marktforschungsunternehmen IDC schätzt, dass der weltweite Datenverbrauch in diesem Jahrzehnt um den Faktor 50 zunehmen wird. Bisher verwalten die Nutzer den Grossteil der Daten intern auf eigenen Datenservern. Zunehmend werden auch Dienste von Fremdanbietern in Anspruch genommen. Mithilfe sogenannter Clouds kann Speicher- und Rechenplatz ausgelagert werden. Über ein Netzwerk kann der Nutzer permanent auf die Daten zugreifen. Wer seine E-Mails im Internet abfragt, benutzt beispielsweise eine Cloud. Diese kommen auch immer mehr beim Datenabgleich zwischen mehreren Geräten zum Einsatz.

Ab 2014 soll der Handel mit Speicherplatz auch an der Börse möglich sein. Die Deutsche Börse und der Softwarehersteller Zimory lancieren als Joint Venture die erste anbieterübergreifende Marktplattform für Cloud-Dienstleistungen. Unter dem Namen Deutsche Börse Cloud Exchange soll der Handel mit IT-Ressourcen so einfach sein wie derjenige mit Gold oder Strom. Die Börse gibt die Rahmenbedingungen vor und überwacht den Handel. Im Moment läuft in Zusammenarbeit mit Deutschen Firmen die Testphase.

Laut Frank Herkenhoff von der Deutschen Börse eignet sich die Plattform vor allem für Kunden, die kurzfristig Speicherplatz benötigen oder zu viel davon haben. Bisher wird eine Auslagerung von Daten in der Regel längerfristig bilateral zwischen zwei Firmen geregelt. Die neue Handelsplattform soll diesen Markt flexibler, transparenter und effizienter machen.

Angst vor Datenmissbrauch

Der Sprecher der Deutschen Börse hat Verständnis dafür, dass Firmen vorsichtig sind, wenn es darum geht, Daten auswärts zu speichern. «Vertrauliche, geheime und sehr wichtige Daten werden nur zögerlich in eine Cloud ausgelagert», sagt er. Daneben gäbe es aber eine Vielzahl von Daten, die einfach und günstig gelagert werden müssten. Das grosse Potenzial liege darin, dass viele Datenressourcen nicht richtig ausgelastet oder zu teuer eingekauft würden. Das Geschäft mit den Daten legt auch in der Schweiz zu.

Laut Susanne Tanner von Green.ch, einem der grössten Cloud-Anbieter in der Schweiz, stellt der Preis auf dem Schweizer Markt nicht das ausschlaggebende Verkaufsargument dar: «Schweizer Kunden sind viel eher an einer langfristigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit sowie einem sicheren Datenstandort interessiert als an einem möglichst günstigen Preis.» Deshalb will ein Grossteil der Schweizer Kunden seine Daten am liebsten in der Schweiz lagern. Gemäss einer Befragung von Schweizer Unternehmen aus dem letzten Jahr spielt der Standort für weniger als 10 Prozent überhaupt keine Rolle.

Positive Haltung

Dass die Standortwahl ein zentrales Kriterium für Kunden ist, zeigt sich daran, dass zukünftige Anbieter auf der neuen Handelsplattform angeben müssen, in welcher Ortschaft die Server stehen. Die Standortwahl ist nicht nur von Sicherheitsüberlegungen geprägt. Durch eine geografische Nähe zum Endnutzer können Übertragungsverzögerungen vermieden werden. Diese spielen zum Beispiel bei Live-Anwendungen wie Börsentransaktionen eine Rolle.

Die Schweiz geniesst als Datenspeicherort aufgrund der politischen Stabilität und der guten Infrastruktur einen guten Ruf. Wie aktuell die Standortfrage im Zusammenhang mit den jüngsten NSA-Abhörskandalen ist, bestätigt Susanne Tanner: «In letzter Zeit haben sich bei Green.ch die Fragen bezüglich Datenschutz gehäuft. Gleichzeitig spüren wir eine erhöhte Nachfrage nach Schweizer Cloud Services.» Anders als beispielsweise in den USA zeichnet sich die Schweiz durch restriktive Datenschutzbestimmungen aus, sodass Behörden nicht ohne Weiteres Zugriff auf Daten haben.

Trotz des national verankerten Datenmarktes hat die Deutsche Börse den Eindruck, dass die Handelsplattform auch in der Schweiz auf Interesse stösst. «Wir haben die ersten Gespräche mit Schweizer Interessenten aufgenommen – die Haltung ist positiv», sagt Frank Herkenhoff. Die Firma Green.ch gibt sich jedoch zurückhaltend. Sie wird erst zu einem späteren Zeitpunkt prüfen, ob sie sich an der Cloud-Börse engagieren will. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.07.2013, 06:57 Uhr

Datenspeicher

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