Das sind die Trends im Fitnessmarkt

Das Geschäft mit Krafttraining und Cardio wächst in der Schweiz. Kleine Betreiber geraten unter Druck.

Gesundheitsorientiertes Training zielt darauf ab, Wohlstandskrankheiten wie Rückenschmerzen zu lindern: Gruppe beim Indoor-Cycling-Workout.

Gesundheitsorientiertes Training zielt darauf ab, Wohlstandskrankheiten wie Rückenschmerzen zu lindern: Gruppe beim Indoor-Cycling-Workout. Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

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Zu den beliebten Vorsätzen im neuen Jahr gehört es, Pfunde zu verlieren und mehr für die eigene Gesundheit zu tun. Immer mehr Schweizer treiben dafür in den landesweit rund 1200 Fitnesscentern den Puls hoch oder stemmen Gewichte. Heutzutage ist bereits jeder neunte Einwohner Kunde in einem Studio. Vor vier Jahren war es noch jeder elfte Schweizer. Das zeigt der aktuelle Branchenreport des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenterverbandes.

Im europäischen Vergleich liegt die Schweiz mit dieser Durchdringung in den Top fünf. Sie bleibt aber hinter Ländern wie Grossbritannien und Deutschland zurück, so eine Studie der Beratungsfirma Deloitte.

Das Gesundheitsbewusstsein steigt

Mit der wachsenden Kundschaft nimmt die Zahl der hiesigen Fitnessstudios zu. 330 neue Center haben seit dem Jahr 2015 die Türen geöffnet, das ist ein Plus von einem Drittel. «Es herrscht ein regelrechter Verdrängungswettbewerb», sagt Claude Ammann, Co-Präsident des Fitnessverbands. Die Gefahr eines Überangebots sieht er eher im Kraftsportbereich und weniger bei Dienstleistungen für die Gesundheit.

Der Grund: Die über 50-Jährigen entwickeln ein steigendes Gesundheitsbewusstsein, was die Anbieter zuversichtlich stimmt. Eine klare Mehrheit der Betreiber betrachtet deshalb diese Kundschaft im besten Alter als wichtigste Zielgruppe in naher Zukunft.

In der Regel handelt es sich bei den sogenannten «best agers» um Personen, die fest im Berufsleben verankert sind. Sie verfügen über ein sicheres Einkommen und hohe Kaufkraft. Und sie sind bereit, für eine kompetente Betreuung im Fitnessstudio zu bezahlen. «Für diese Personen stehen Beweglichkeit sowie Aktivität im Vordergrund und nicht das Sixpack», sagt Ammann.

Wohin entwickelt sich die Fitnessindustrie?

Um die Kundschaft bei Laune zu halten, ist die Fitnessindustrie jedoch gefordert. Es gilt, neue Trends rechtzeitig zu erkennen und darauf einzugehen. Verbandsmitglieder und Experten sind für den Report befragt worden, welches für sie die bedeutenden Tendenzen sind.

Erstmals schätzen die Branchenkenner das sogenannte funktionelle Training als wichtigeren Trend ein als das gesundheitsorientierte Training. Beim funktionellen Training wird nicht nur eine Muskelgruppe isoliert wie beim Gerätetraining trainiert, sondern der ganze Körper. Das gesundheitsorientierte Training zielt darauf ab, Wohlstandskrankheiten wie Rückenschmerzen zu verhindern oder zumindest zu lindern.

Ein zweiter Trend sind Kooperationen von Fitnessclubs mit externen Partnern. Diese Art von Zusammenarbeit hat seit 2015 weiter zugenommen. Als wichtigste Verbündete nennen die Firmen Physiotherapeuten, Ärzte und Krankenkassen. «Für Fitnessunternehmer kann es ein Wettbewerbsvorteil sein, ein Netzwerk aufzubauen und Partner von den eigenen Kompetenzen zu überzeugen», sagt Ammann. Er selbst macht es vor. Ammann ist Geschäftsführer des Gesundheitscenters Physio in Fit im solothurnischen Zuchwil, dem Physiotherapeuten und eine Arztpraxis angeschlossen sind.

Schliesslich zeichnen sich längere Trainingszeiten ab. Im Zeitraum von 2013 bis 2015 hatte sich innerhalb der Branche mehrheitlich die Überzeugung durchgesetzt, wonach die Trainingseinheiten wegen der knappen Zeitbudgets der Kunden kürzer werden müssen. Die Rede war von Übungen, die höchstens 30 bis 45 Minuten dauern.

Nun ist eine Wende in Sicht. Für Ammann hat das mit der steigenden Bereitschaft der Kunden zu tun, bei Erfolgserlebnissen mehr Zeit fürs Training aufzuwenden: «Wenn es beispielsweise im Rücken nicht mehr zieht und zwickt, ist das eine Motivation weiterzumachen.»

256 Millionen für die Detailhändler

Klare Aussagen gibt es allerdings auch zu Negativtrends. So bereitet den unabhängigen Fitnessfirmen der Preiskampf am meisten Sorgen. Sie machen fast drei Viertel aller Betreiber aus und sind hauptsächlich Einzelunternehmen. Ihre Kritik richtet sich vor allem an branchenfremde Akteure, die in den boomenden Fitnessmarkt drängen.

So kaufte die Migros im Mai 2017 alle Studios der Genfer Silhouette Wellness SA. Hinzu kommen ihre Fitnessparks, die ebenfalls in der ganzen Schweiz verteilt sind. Wie dem Branchenreport zu entnehmen ist, betreibt der orange Riese über 120 Anlagen. Das macht ihn zum grössten Fitnessanbieter des Landes. Coop hat im Frühling 2016 eine Mehrheit an der St. Galler Kette Update Fitness übernommen.

Gemäss Branchenkennern ist es für die kleinen Dienstleister schwierig, mit den Grössenvorteilen der Ketten mitzuhalten. Der Druck auf die Margen steige. Die grossen Konkurrenten erwirtschaften zusammen 256 Millionen Franken. Das ist bei einem gesamten Umsatz des Fitnessmarkts von 916 Millionen Franken fast ein Drittel.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 07.01.2019, 14:47 Uhr

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