Das sind die schlechtesten Regionalbahnen der Schweiz

Eine Erhebung des Bundes zeigt: Die Qualität im Regionalverkehr ist sehr unterschiedlich. Welche Bahnen durchfallen und welche obenaus schwingen.

Nicht nur die Regionalbahnen, auch die ÖV-Busse hat das BAV seiner Qualitätsmessung unter­zogen: Die Forchbahn auf der Strecke zwischen Esslingen und dem Bahnhof Stadelhofen. Bild: Steffen Schmidt / Keystone

Nicht nur die Regionalbahnen, auch die ÖV-Busse hat das BAV seiner Qualitätsmessung unter­zogen: Die Forchbahn auf der Strecke zwischen Esslingen und dem Bahnhof Stadelhofen. Bild: Steffen Schmidt / Keystone

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Die Waldenburgerbahn ist die offiziell schlechteste Regionalbahn der Schweiz. Das zeigt eine vom Bundesamt für Verkehr (BAV) in Auftrag gegebene Qualitätsmessung. Zusätzlich zum Qualitätsbericht hat das Amt gestern auf Anfrage die nach Transportunternehmen aufgeschlüsselten Resultate publiziert.

Die Waldenburgerbahn, die hier am schlechtesten abschneidet, betreibt nur eine einzige Linie. Sie führt vom kleinen Waldenburg im Kanton Baselland nach Liestal. Im Qualitätsranking erhielt das Bähnchen gerade mal 71,5 von 100 Punkten. Es liegt damit deutlich unter dem Mindeststandard, den das Bundesamt bei 89,7 Punkten festgelegt hat.

Der Mindeststandard sei die Qualität, welche die Besteller – also Bund und Kantone – von einem Transportunternehmen erwarteten, schreibt das BAV. Werde dieser Mindeststandard nicht erreicht, könnten die Besteller Verbesserungsmassnahmen fordern. Trete dennoch längerfristig keine Besserung ein, sei eine Ausschreibung der entsprechenden Linien denkbar. Das Unternehmen könnte die Linien also verlieren.

Die Kriterien: Funktionieren Tür und WC-Spülung? Sind die Böden und Fenster sauber? Werden die nächsten Haltestellen angezeigt und sind die Durchsagen verständlich?

Der Waldenburgerbahn wird das wohl nicht mehr passieren. Sie fusionierte vor zwei Jahren mit der Baselland Transport AG, welche nun eine Ge­samt­erneu­e­rung der Bahnlinie nach Waldenburg in Angriff nimmt. Die Qualität dürfte also steigen.

Weshalb eine Bahn gut oder schlecht abschneidet, zeigen die Daten nicht. Das BAV publiziert nur die erreichte Gesamtpunktezahl. Ersichtlich ist aber, welche Kriterien bewertet wurden: etwa ob Tür oder WC-Spülung funktionieren, Böden und Fenster sauber sind, die Sitze Schäden haben, die nächsten Haltestellen und Anschlüsse angezeigt werden oder die Durchsagen verständlich sind. Die Bewertungen vorgenommen haben Testkunden während des vergangenen Jahres.

BLS schlechter als SBB

Die Waldenburgerbahn ist nicht die einzige Bahn, welche bei diesen Kriterien die Mindeststandards des Bundesamts nicht erfüllt. Etwa ein Fünftel der Regionalbahnen erzielt ein Resultat unter dieser Schwelle. Darunter auch die Deutsche Bahn, welche die grenzüberschreitende Regionalverkehrslinie zwischen Schaffhausen und Singen betreibt.

Ein weiteres Fünftel der Bahnen schneidet mittelmässig ab. Sie erreichen zwar den Mindeststandard, nicht aber den sogenannten Akzeptanzwert. Dieser bezeichnet laut BAV jene Qualität, ab der die Erwartungen der Besteller voll und ganz erfüllt seien. In diesem mittleren Bereich findet sich etwa das Berner Unternehmen BLS.

Brisant: Es schneidet damit schlechter ab als die SBB, denen es kürzlich zwei Fernverkehrslinien entrissen hat. Allerdings wurde hier nur die Qualität der Regionalzüge gemessen. Ob die BLS auch bei den Schnellzügen schlechter abschneidet als die SBB, kann nicht beurteilt werden, da sie in den vergangenen Jahren keine Fernverkehrszüge betrieben hat.

20 von 35 untersuchten Regionalbahnen erreichen auch den Akzeptanzwert und schneiden damit gut ab. Darunter die SBB, die Rhätische Bahn, die Südostbahn und der Ostschweizer Bahnbetreiber Thurbo. Die beste Regionalbahn der Schweiz ist aber – wie die schlechteste – eine Kleinstbahn: Die Meiringen-Innertkirchen-Bahn im Berner Oberland erreicht in der Qualitätsmessung 99,4 von 100 möglichen Punkten.

Eigentlich wäre auch die Pünktlichkeit ein Kriterium gewesen. Diese will das BAV ebenfalls erfassen, mittels Daten, welche die Bahnen selbst liefern sollen. Doch einige Bahnen sind dazu technisch noch nicht in der Lage, weshalb die Pünktlichkeit vorerst nicht gemessen wird.

Postauto nur mittelmässig

Nicht nur die Regionalbahnen, auch die Busse des öffentlichen Verkehrs hat das BAV seiner Qualitätsmessung unter­zogen. Der grösste Busbetreiber der Schweiz, Postauto, schneidet dabei mittelmässig ab. Die skandalgeprüfte Posttochter erreicht zwar den Mindeststandard, nicht aber den Akzeptanzwert.

Der beste Busbetreiber der Schweiz stammt aus Deutschland. Es handelt sich dabei um die Südbadenbus GmbH, die bis über die Grenze, etwa nach Basel oder Stein am Rhein SH, fährt. Am schlechtesten schneidet bei der Qualitätsmessung AVJ ab, ein Busbetreiber aus dem Vallée de Joux. Ein ungenügendes Resultat erhalten aber unter anderen auch die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.07.2018, 08:23 Uhr

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