Das subversive Taxi

Uber will nicht nur die Taxibranche ausradieren, sondern den ganzen Personentransport umpflügen.

Der ultimative Bösewicht: Wütende Taxifahrer demonstrieren in Barcelona gegen Uber.

Der ultimative Bösewicht: Wütende Taxifahrer demonstrieren in Barcelona gegen Uber. Bild: Keystone

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Für Taxifahrer ist Uber der ultimative Bösewicht. Zwar kann Uber auch als Pionier der neuen Ökonomie des Teilens betrachtet werden – das Unternehmen zerstört Arbeitsplätze, schafft aber eben auch neue, andere Jobs –, doch geht die Rechnung nicht so sauber auf, wie es der Fahrdienst selbst gern wahr­haben möchte. Uber operiert in vielen Städten in rechtlichen Grauzonen, die ihm einen unfairen Startvorteil verschaffen.

Uber-Chef Travis Kalanick ist ein Freund deutlicher Worte. Dafür lieben ihn die ­Risikokapitalgeber in den USA, die das erst vier Jahre alte Unternehmen bereits mit mehr als 18 Milliarden Dollar ­bewerten. «Wir befinden uns in einer politischen Kampagne, und der Kandidat ist Uber», ­beschrieb er kürzlich die Ausgangslage. «Der Gegner ist ein A . . . loch namens Taxi. Niemand liebt ihn. Er ist kein netter ­Bursche, doch ist er so stark in der politischen ­Maschinerie verstrickt, dass ihm viele Leute ­etwas schuldig sind.»

Kalanick ist ein bekennender Anhänger der neo­liberalen Schule, was seinen aggressiven Tonfall ­erklärt. Für ihn stellen Regulierungen und staatliche Vorschriften die Hauptübel der heutigen Wirtschaft dar. Sein Unternehmen ist deshalb in jeder Beziehung als ein subversives Unterfangen zu sehen. Er will nicht nur die Taxibranche ausradieren, sondern den ganzen Personentransport umpflügen. Wie Google sieht Uber deshalb auch in führerlosen, vollautomatisierten ­Autos eine grosse Zukunft.

Dieser ideologische Hintergrund sollte nicht vergessen gehen, selbst wenn die Vorzüge (schnell, ­flexibel, günstig) von Uber offensichtlich sind und das Modell grundsätzlich dem Quasimonopol der Taxis vorzuziehen ist. ­Gerichtsurteile in den USA zeigen aber, dass die Firma bewusst die Vorschriften umgeht, die für Taxis gelten. Dies mit dem Hinweis, Uber sei nur eine Smartphone-­Applikation zum Zweck der Fahrtenvermittlung. ­Dieses Verständnis ist ebenso naiv wie egoistisch. Kunden und Wettbewerbsbehörden werden Uber – wie schon Facebook – zu mehr Verantwortung zwingen müssen.

Erstellt: 03.07.2014, 22:30 Uhr

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