Denner greift Basler Kunden in die Taschen

Im Einkaufscenter Stücki in Basel verschärfte der Discounter die Kontrollen. Anscheinend gehen gewisse Langfinger im Denner besonders gewitzt vor.

Muss sich unter Umständen in die Tasche blicken lassen: Eine Migros-Kundin mit Denner-Sack.

Muss sich unter Umständen in die Tasche blicken lassen: Eine Migros-Kundin mit Denner-Sack. Bild: Keystone

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Wer bei Denner im Basler Einkaufscenter Stücki mit gefüllten Taschen einkaufen geht, muss sich seit einigen Wochen an der Kasse unangenehme Kontrollen gefallen lassen. Das Verkaufspersonal greift entweder selbst in die Taschen oder weist die Kunden an, den Inhalt aufs Laufband zu legen. Da das Personal nicht in allen Fällen zwischen den Produkten des in Nachbarschaft liegenden Grossverteilers Migros zu unterscheiden weiss, folgen gegebenenfalls sogar bohrende Fragen, wo zum Beispiel der halbe Liter Apfelschorle denn eingekauft worden sei.

Auf Nachfrage der «Basler Zeitung» sagt ein Verkäufer, dass Vorgesetzte dem Personal die Anweisung erteilt hätten, die Taschen der Kunden genau zu kontrollieren. Wer dieser Anweisung nicht Folge leiste, habe selbst Konsequenzen zu gegenwärtigen, da kontrolliert werde, ob die Kundenkontrollen tatsächlich auch durchgeführt würden. «Wer da nicht mitmacht», sagt der Angestellte, «ist selber schuld und riskiert seinen Job.»

Mehr Langfinger im Denner

Tatsache sei, dass die Inventurabteilung eine Zunahme der Differenzen festgestellt habe, bestätigt Denner-Sprecher Thomas Kaderli. Im Klartext bedeutet dies nichts anderes, als dass bei Denner im Stücki mehr gestohlen wird. Stücki-Leiter Jan Tanner bestätigt diesen Sachverhalt. «Uns sind die Probleme mit Ladendiebstählen bei Denner bekannt», sagt er. Er beschwichtigt jedoch. Dieser Negativtrend sei «nicht im ganzen Center zu erkennen oder gar zu bestätigen».

Grundsätzlich sei der Shop für seine Fläche zuständig. Bei Kontrollen müssten jedoch die rechtlichen Grundlagen respektiert werden. «Wir sind diesbezüglich mit den Shops im engen Kontakt und sprechen uns bei diesen Themen ab», sagt Tanner.

Wie häufig bei Denner im Stücki Langfinger zugreifen, verrät Kaderli nicht. Er bestätigt aber, dass die kon­zerneigene Sicherheitsabteilung wegen der Zunahme spezielle Schulungen durchgeführt und das Personal angewiesen habe, beim Einkassieren genauer hinzuschauen. Immer wieder kommt es beispielsweise vor, dass in günstige Verpackungen teure Einzelstücke geschmuggelt werden.

«Es kam zu Missverständnissen»

Kaderli dementiert, dass die strikten Massnahmen im Stücki auf alle 800 Filialen ausgeweitet worden sind. Er will sie in dieser Form auch nicht bestätigten und schiebt die Verantwortung dem Personal zu. «Ganz offenbar kam es bei der Schulung zu Missverständnissen», sagt er. «Einige der Angestellten schiessen seitdem über das Ziel hinaus. Wir haben interveniert und das Personal auf den eigentlichen Sinn der Schulungen hingewiesen», betont Kaderli, nachdem bereits Beschwerden beim Kundendienst eingetroffen seien. Nur bei begründetem Diebstahlverdacht werde bei Denner jemand angehalten und untersucht.

Grundsätzlich stellt Kaderli bei Ladendiebstählen eine zunehmende Professionalisierung fest. Nicht nur im grossen Stil, wenn ausserhalb der Geschäftszeiten in Läden eingebrochen werde, stehe ausser Zweifel, dass Berufsdiebe am Werk seien. Um ihnen auf die Schliche zu kommen, müsse die Sicherheitsabteilung des Unternehmens immer innovativer werden, sagt er. Details über neue technische Methoden wollte er nicht bekannt geben. Er bestätigt jedoch, dass auch mobile, gut ausgerüstete Teams im Einsatz stünden.

Zurückhaltend mit Videoaufnahmen

Kein Thema ist bei Denner eine Abgabepflicht von bereits gefüllten Einkaufstaschen vor dem Betreten des Ladens. Dafür sei der Aufwand zu gross, sagt er. Zurückhaltend geht Denner auch mit den gemachten Videoaufnahmen um. Diese werden nur in Absprache mit der Staatsanwaltschaft im Verlauf eines Verfahrens genutzt.

Wie oft Langfinger in der Schweiz zulangen, wird vom Bund zwar statistisch erfasst. Da verschiedene Kantone jedoch vereinfachte Verfahren kennen, mit denen die Delikte direkt über die Justiz abgewickelt werden können, gilt die Statistik nicht als aussagekräftig. Immerhin lag 2013 die Aufklärungsquote bei stattlichen 83,3 Prozent. Insgesamt 10 369 Personen wurden zur Rechenschaft gezogen.

Erstellt: 05.08.2014, 11:50 Uhr

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