Denner kommt nicht zur Ruhe

Der Discounter entlässt mehrere Topmanager. Die Umsetzung des neuen Ladenkonzepts verzögert sich.

Das neue Design wird ein weiteres Jahr lang getestet: Denner-Filiale in Thalwil.

Das neue Design wird ein weiteres Jahr lang getestet: Denner-Filiale in Thalwil. Bild: Reto Oeschger

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Beim Discounter Denner herrscht auf der Management-Ebene Unruhe. Die überraschende Trennung von Wein- und Getränkechef Christoph Bürki nach weniger als einem Jahr, welche die «NZZ am Sonntag» publik gemacht hat, steht offenbar in einem grösseren Zusammenhang. Wie Recherchen des TA zeigen, musste Bürki den Discounter zusammen mit zwei anderen Topmanagern verlassen. Alle drei waren von Denner-Chef Mario Irminger geholt worden, um ein sogenanntes Category Management auf die Beine zu stellen. Die drei Manager wären hierarchisch über den Einkäufern angesiedelt gewesen, die für den Einkauf der einzelnen Warengruppen zuständig sind.

Auch Satelliten-Chef muss gehen

Wie unternehmensnahe Quellen unabhängig voneinander bestätigen, hat Denner dieses Konzept nun fallen gelassen, bevor es überhaupt richtig eingeführt war. Eine wesentliche Rolle dürfte dabei Andreas Siegmann gespielt haben, seit Anfang Oktober letzten Jahres Verkaufschef von Denner. Der 44-jährige Deutsche, der auf dem Online-Netzwerk Xing Kontakte sucht, die ihm «helfen, die neue Heimat und den Markt Schweiz schnellstmöglich und im Detail zu verstehen», hatte bis 2008 über 15 Jahre lang beim deutschen Discounter Aldi gearbeitet – zuletzt als Verkaufsleiter in den USA und Geschäftsführer in Grossbritannien. Seither hatte er als Managing Director für die Schweizer Reisebürokette STA Travel Deutschland, Österreich und die Schweiz betreut. Denner äussere sich nicht zu personellen und organisatorischen Änderungen, teilt Sprecherin Grazia Grassi mit.

Siegmann dürfte auch bei der Absetzung von Bernhard Gabathuler, die der «SonntagsBlick» Ende Dezember publik gemacht hatte, die Hand mit im Spiel gehabt haben. Der 54-Jährige war seit acht Jahren Chef über die 320 selbstständigen Denner-Satelliten; seine Frau betreibt selber einen davon. Denner bestätigt den Wechsel des Leiters der Satellitensparte des Discounters. Am 1. Januar hat der 40-jährige Simon Rünzler die Leitung der Satelliten übernommen; er arbeitet seit der Integration der Pick-Pay-Filialen im Jahr 2005 bei Denner.

Auf der operativen Ebene wollte Denner 2013 ursprünglich das neue Ladendesign umsetzen, das seit 2011 in Thalwil und weiteren Pilotläden getestet wird. Denner hat seither verschiedene Varianten getestet, will sich aber anscheinend noch nicht festlegen. «Wir haben 2012 fünf Pilotfilialen erfolgreich umgesetzt, weitere zehn Testfilialen folgen dieses Jahr», sagt Sprecherin Grassi. Ziel sei, 2014 die Läden landesweit umzubauen. Damit wird das definitive Konzept erst mit einem Jahr Verspätung umgesetzt.

Nescafé neu aus Deutschland

Mit Parallelimporten will Denner den Druck auf die Markenhersteller weiterhin hochhalten. Nicht zum ersten Mal bekommt dies auch Nestlé Schweiz zu spüren. Denner kauft das 200-Gramm-Glas Nescafé Gold in Deutschland ein und verkauft es nun für 11.90 Franken statt für 13.95.

Doch kaum ein Kunde weiss, was Denner weiss: «Der importierte Nescafé wird nicht wie das derzeitige Produkt in der Schweiz hergestellt, sondern in Deutschland.» Zu deutschen Löhnen und deutschen Kosten.

Erstellt: 08.01.2013, 07:51 Uhr

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