Denner sagt Nein zum Mindestlohn

Der Discounter Denner rät seinen Angestellten, die Mindestlohninitiative abzulehnen, da diese für einige Dorfläden «existenzbedrohend» sei.

Abstimmungsempfehlung für die Angestellten: Denner erklärt per E-Mail die Mindestlohn-Initiative.

Abstimmungsempfehlung für die Angestellten: Denner erklärt per E-Mail die Mindestlohn-Initiative. Bild: Keystone

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Als noch Patron Karl Schweri bei Denner das Sagen hatte, war man es sich gewohnt, dass der Detailhändler respektive sein umtriebiger Chef in der Schweizer Politik mitmischten. Doch spätestens seit der Übernahme durch die Migros-Gruppe wurde es ruhiger um den Discounter. Bis letzte Woche. Da erhielten sämtliche Denner-Angestellten Post von Geschäftsführer Mario Irminger. ­Betreff: Abstimmung über die Mindestlohninitiative vom 18. Mai 2014. Im E-Mail waren neben einer Zusammenfassung, worum es in der Vorlage geht, auch Argumente, warum diese abzulehnen sei. Für einige Dorfläden könne die Annahme der Initiative «existenzbedrohend» sein, und Denner sei daran interessiert, dass «auch abgelegene Gebiete mit Lebensmitteln» versorgt würden.

Auf eine Abstimmungsparole und eine ausformulierte Aufforderung verzichtet der Discounter im Schreiben zwar. Auf Anfrage betont Mediensprecher Thomas Kaderli, es handle sich nicht um eine Abstimmungsempfehlung, sondern um eine «Information». Trotzdem wird unmissverständlich klar, was das Unternehmen seinen Angestellten nahelegt. Im letzten Absatz wird den Mitarbeitenden die Angst vor einem ­Abstimmungs-Nein genommen: Denner werde auch in Zukunft – unabhängig vom Ausgang des Urnengangs – seine «Verantwortung als Arbeitgeber wahrnehmen» und die tiefen Einkommen stärken. Die Migros-Tochter verweist zudem darauf, dass der eigene Mindestlohn mit rund 52 000 Franken pro Jahr die Forderung der Initianten erfülle.

Satellitenfilialen als Auslöser

Auslöser für das Schreiben sind die gut 300 Satellitenfilialen, die als Franchisenehmer auf eigene Rechnung wirtschaften. Diese sind nicht an den Mindestlohn gebunden, der in den übrigen 467 Denner-Filialen gilt. «Die grosse Mehrheit der Satelliten erfüllt die Mindestlohnforderung schon heute», sagt Kaderli dazu.

Der Mutterkonzern Migros will sich zur Vorlage oder zur Abstimmungsempfehlung von Denner nicht äussern. Es sei in der Migros-Gruppe zwar nicht üblich, dass Unternehmen politisch Stellung nähmen, sagt Mediensprecherin Monika Weibel; Tochterfirmen wie Denner «können jedoch selbst entscheiden, was sie ihren Mitarbeitenden kommunizieren».

Erstellt: 15.05.2014, 02:55 Uhr

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