Der Kampf um die Rohstoffe wird härter

Die stark schwankenden Preise von Kakao, Mais und Weizen werden zum Problem. Nun ändern die Nahrungsmittelhersteller ihre Strategie.

Der Preis für Weizen ist in einem Jahr stark gestiegen und danach ebenso stark wieder gefallen.

Der Preis für Weizen ist in einem Jahr stark gestiegen und danach ebenso stark wieder gefallen.

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Der starke Preisanstieg für Rohstoffe hat die Kräfteverhältnisse in der Nahrungsmittelindustrie grundlegend verändert. Am Drücker sind dank der grossen Nachfrage nach Kakao oder Mais für einmal die Produzenten. «Man muss jetzt extrem aufpassen, was man erhält», sagt Heinz Wunderlin vom Importeur Kündig. Ein anderer Einkäufer erzählt, dass «der Kampf um die Lieferung der Rohstoffe eindeutig härter geworden ist». Und Josef Ackermann, der Chef der zu Coop gehörenden Getreidemühle Swissmill, urteilt: «Das System ist verletzlicher geworden.»

Dafür verantwortlich sind stark steigende, aber eben auch stark fallende Preise. Heute schwanken die Preise von Mais und Weizen an einem Tag so viel, wie sie sich in den Neunzigern in einem Jahr bewegt haben. Verlässliche Prognosen über den Geschäftsverlauf zu erstellen, wird unmöglich. Dabei sind die Einkaufspreise für den Geschäftsgang entscheidend: In der Schokoladenindustrie etwa machen Rohstoffe und Verpackung bis zu 90 Prozent der Endkosten aus.

«Das Risiko von Fehlprognosen nimmt zu», sagt ein Einkäufer. Als Folge davon ist das Geschäft kurzfristiger geworden. Früher hat man sich die Waren auf 24 Monate hinaus zu einem fixen Preis gesichert. Das ging gut, solange die Preise stabil blieben oder anstiegen.

Langfristiges Absichern ist unmöglich

Doch wenn die Kurse zu sinken beginnen - wie in letzter Zeit -, sitzt man auf teuer bezahlten Rohstoffen . Die kurzfristig agierende Konkurrenz kauft sofort billiger ein und geht zum Preiskampf über. Dieses Risiko ist zu gross. «Die Branche plant nur noch auf fünf bis zehn Monate hinaus, mehr geht nicht», heisst es bei Lindt & Sprüngli. Auch Cord Meiners, Chefeinkäufer bei Hero, sagt: «Das langfristige Absichern ist schwieriger geworden.» Swissmill kauft ebenfalls kurzfristiger ein.

Ein Kampf um knappe Güter, unberechenbare Akteure und immense Risiken: Nun reagieren die Einkäufer und ändern ihre Strategien:

  • Knowhow reinholen: Einige Firmen merken, dass sie zusätzliches Fachwissen brauchen. Zum Teil holt man sich spezifische Rohstoffberatung von den Banken. Andere, vor allem internationale Konzerne werben Händler ab und stellen diese laut «Financial Times» direkt bei sich ein.

  • Hedgen mit Finanzinstrumenten: Grössere Unternehmen versuchen, die Kosten etwas abschätzbarer zu machen. Hierfür kaufen sie Finanzderivate, die gegen steigende Preise absichern. «Das machen alle in der Schokoladenbranche», sagt der Finanzchef von Lindt & Sprüngli, Dieter Weisskopf. Doch die Versicherung hat ihren Preis. Für kleinere und mittelgrosse Unternehmen ist er zu hoch. Der Suppen- und Nahrungsmittelkonzern Hügli hat Derivate geprüft und als zu teuer eingestuft. Auch der Rohstoffimporteur Kündig mit seinen 50 bis 100 Millionen Franken Umsatz verzichtet darauf. Swissmill ebenso, obschon gerade für Weizen ein internationaler Spotmarkt existiert.

  • Wichtiger geworden ist auch wieder das persönliche Geschäft, der persönliche Kontakt. Die Einkäufer setzen auf altbekannte Zulieferer, wo immer es geht.

  • Vorräte physisch lagern: Als Alternative zu teuren Derivaten eignet sich der klassische physische Vorrat - das «natürliche Hedging», wie es in der Branche heisst. So hat Hügli viel Palmöl und Rindfleischextrakt an Lager. Geschäftsführer Andreas Seibold geht es darum, die eigene Produktion zu garantieren. «Inzwischen kommt es oft vor, dass Lieferanten die Verträge nicht mehr einhalten», sagt er. Verklagen bringe wenig, der Mehraufwand sei zu gross, so Seibold. Wunderlin vom Importeur Kündig erzählt: «Abgeschlossene Verträge gelten an manchen Orten ausserhalb Europas plötzlich nichts mehr.» Und auch Swissmill macht ähnliche Erfahrungen. Besser sei es, die Ware gleich in die Schweiz zu bringen und dann trotz höherer Kosten hier zu lagern, heisst es. «Was man hat, das hat man», sagt ein weiterer Einkäufer.

Thailand, Argentinien, Ukraine: Überall ist es in den letzten 12 Monaten zu Exportstopps gekommen - meist auf Geheiss der Regierung. Kündig ist zur Praxis übergangen, einfach immer bis zur Hälfte mehr zu bestellen als benötigt. So gehe die Rechnung am Ende vielleicht auf. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2008, 08:18 Uhr

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