Der Aktionärsschützer

Swissair, Credit Suisse, UBS: Bei jedem grossen Wirtschaftsskandal ist Hans-Jacob Heitz mit einer Klage zur Stelle. Diejenige gegen Novartis hat er heute Morgen zur Post gebracht. Wer ist der Mann?

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«Heitz will Bruggisser hinter Gitter bringen», titelte der «Blick». Die Schlagzeile stammt vom 5. November 2001, fünf Wochen nach dem Swissair-Grounding. Für Hans-Jacob Heitz war der Niedergang der nationalen Airline die Initialzündung. Seither kennt man ihn als den Mann, der es mit den ganz Grossen in der Schweizer Wirtschaft aufnimmt. UBS, Credit Suisse, Sulzer, Georg Fischer: Wo immer Manager Millionen verlochten und Verwaltungsräte Verantwortungspflichten vernachlässigten, trat Heitz auf den Plan. Seine neuste Klageschrift richtet sich gegen die Novartis und trägt den Poststempel des 18. Februar 2013.

Ungetreue Geschäftsbesorgung wirft Heitz der Milliardenfirma vor. Seit ein Finanzportal am Freitag über Vasellas goldenen Fallschirm berichtete, sind gerade einmal drei Tage vergangen. «Die Zeit drängt», sagt Heitz, der in Männedorf eine Anwaltskanzlei führt. Übers Wochenende hat er an der Klageschrift gearbeitet. Nach gründlicher Überlegung, wie er sagt: «Das ist kein Hüftschuss.» Gar nicht fein findet der Jurist, dass Vasella als Abschiedsgeschenk 72 Millionen von Novartis erhält. Der schiere Betrag sei aber nicht der Hauptgrund für die Klage, so Heitz. Sondern die Tatsache, dass Novartis in der Vergangenheit versucht hatte, diese Zahl zu verstecken.

Druck auf die Führungsetage

Als «Kleinaktionärsvertreter» wird Heitz in den Medien bezeichnet. Ihn als Einzelkämpfer zu betrachten, sei aber falsch, so Heitz. «Ohne einen Grundstock von Aktionären im Rücken unternehme ich nichts.» Letztmals für Aufsehen hatte Heitz 2011 gesorgt, als er im Vorfeld der UBS-Generalversammlung Aktionärsstimmen für eine Verantwortlichkeitsklage in Sachen US-Subprimehypotheken gesammelt hatte. Das nötige Quorum wurde damals um wenige Stimmen verpasst. Angestachelt durch die Niederlage, ging er diesen Winter erneut auf UBS-Präsident Axel Weber zu – diesmal in Sachen Libor-Manipulationen. Weil kein Grossaktionär bei seiner erneuten Klage gegen Ospel & Co. mitmachen wollte, hat Heitz den Plan inzwischen fallen gelassen.

«Es ist sehr schwierig, in der Schweiz als Aktionär zu seinem Recht zu kommen», sagt der Jurist. Als seinen grössten Erfolg verbucht Heitz die Durchsetzung einer Sonderprüfung im Fall Swissair – «auch wenn im späteren Prozess nicht viel herausgeschaut hat». Auch die Rückzahlung von Teilen der 250 Millionen Franken Pensionsgelder, die ehemalige ABB-Manager 2002 einstrichen, sei im Wesentlichen durch den Druck von Aktionären zustande gekommen. Heitz hatte damals Strafanzeige gegen die beiden Schweden Göran Lindahl und Percy Barnevik deponiert. Der Aktionärsschützer sieht sich auch als treibende Kraft bei den Abgängen der ehemaligen Topmanager Lukas Mühlemann (Credit Suisse) und Rolf Hüppi (Zürich-Versicherung). «Ich muss etwas vom Unternehmen verstehen», sagt Heitz, «sonst reiche ich keine Klage ein.»

Inzucht in Verwaltungsräten

Knochenarbeit und wechselnde Allianzen prägten seine politische Karriere. Treu blieb Heitz seiner politischen Linie, wie er sagt. «Mir schwebt eine liberale Gesellschaftsordnung vor, in der die Eigenverantwortung im Zentrum steht.» Was den Ausgang der Abzockerinitiative betrifft, bleibt Heitz neutral. «Die grossen Hürden liegen bei der Traktandierung von Anträgen», sagt er. Problematisch sei etwa die dreimonatige Sperrfrist für Aktien im Vorfeld einer Generalversammlung.

Oder die Art und Weise, wie Verwaltungsräte gewählt würden. «Das grenzt an Inzucht», sagt Heitz, der es am liebsten sähe, wenn Unternehmen die Mitglieder in ihren Aufsichtsgremien über gewöhnliche Stellenausschreibungen suchen würden. «Die Ernüchterung wird nach der Abstimmung kommen», sagt Heitz im Hinblick auf den 3. März. Heitz und Minder kennen sich aus dem gemeinsamen Engagement im Fall Swissair; 2011 teilten sie sich die Wahlplattform Parteilos.ch.

«Nun hören Sie»

Minder wurde später in den Ständerat gewählt. Trotz unterschiedlichen Akzenten in Sachen Abzocker-Politik zollt Heitz seinem früheren Mitstreiter Respekt: «Er hat den Kampf gegen das Politestablishment wie ein Winkelried aufgenommen.» Im Krieg der Kleinaktionäre gegen die Managerkaste ficht Heitz jedoch sein eigenes Gefecht. Und hofft dabei, dass Novartis bei den Behörden nicht unter «Heimatschutz» steht. Die Staatsanwaltschaft müsse dem Unternehmen jetzt untersagen, an der Generalversammlung vom Freitag ältere Vergütungsberichte mit mündlichen Kommentaren zur Entschädigungssumme zu ergänzen, sagt Heitz. «Jetzt muss Druck aufgebaut werden.»

Trotz seiner Klage gegen die 72-Millionen-Entschädigung hofft der Verwaltungsrichter a. D. nach wie vor auf freiwilliges Einlenken. «Zahlt Daniel Vasella die Entschädigung zurück, so hat sich die Strafanzeige erledigt.» Dass Heitz zu lange im Geschäft ist, um von Menschen wie Vasella echte Reue zu erwarten, versteht sich von selbst. Das Zitat eines unbekannten Autors, das er dem Internetauftritt seiner Kanzlei voranstellt, spricht für sich. «Nun hören Sie die unangenehmen Sachen, die Ihnen der Staatsanwalt da erzählt», heisst es da. «Versuchen Sie doch wenigstens mit einem Auge zu weinen!»

Erstellt: 18.02.2013, 15:28 Uhr

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