Der Bonus stirbt zuletzt

Die Millionen kommen vor der Moral: Wenn die Schweizer Banker etwas durch die grosse Finanzkrise retten werden, dann wohl ihre viel kritisierten Erfolgsbeteiligungen.

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Vertraut man den Leserbriefen, Online-Foren und Strassenumfragen, so ist Volkes Stimmung klar: Es reicht - die Millionenboni für Banker sind ein Skandal. Die Top-Banker können dennoch beruhigt sein: Eine Salär-Revolution droht ihnen kaum. UBS-Präsident Peter Kurer räumte gestern in der Fernsehsendung «10 vor 10» zwar ein, die Boni und Löhne in seiner Firma würden «generell kleiner»; doch zweistellige Millionenboni seien weiterhin denkbar – selbst in seiner angeschlagenenen Bank mit Staatsunterstützung. Er könne solche Summen im Investmentbanking und bei den Hedge-Funds «nicht absolut ausschliessen».

Auch die Politiker haben die Nase voll. Sie begleiten das Hilfspaket für die UBS mit Aufrufen zur Mässigung; mit der Aufforderung ans UBS-Management, Boni aus vergangenen Jahren zurückzuzahlen (so FDP-Chef Fulvio Pelli); oder mit dem Ruf nach staatlich festgelegten Obergrenzen für Bankerlöhne (so Gewerkschaftsökonom Daniel Lampart). Und regelmässig kritisiert wird, dass der Bund zu wenig rigoros in die Saläre eingriff, als er der UBS zu Hilfe eilte. Denn die Regierungen in Deutschland und Grossbritannien stellten klar, dass sie notleidende Banken zwar stützen, dass dann aber ihre Manager auch nur noch ein bestimmtes Maximalsalär erwarten dürfen. Aber in der Schweiz blieben Bundesrat und Nationalbank da eher vage. Sie rangen der UBS lediglich «die Anwendung von internationalen Standards» bei den Löhnen ab.

Diese Standards, so UBS-Chef Peter Kurer gestern an der Telefonkonferenz, müssten mit der Eidgenössischen Bankenkommission abgesprochen werden und «mit den an internationalen Foren festgelegten Regeln übereinstimmen».

Kein Wort zur Höhe der Gehälter

Konkret heisst das nicht viel. Wie die Nachfrage ergibt, soll sich die UBS einfach an einen Kodex halten, der vom Institute of International Finance erarbeitet wurde – einem Branchenverband also, der unter anderem die UBS zu seinen Mitgliedern zählt. Das Regelwerk wurde im Juli unter Federführung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erarbeitet, und es enthält Prinzipien, die zuvor keineswegs selbstverständlich waren in der Finanzbranche: Zum Beispiel, dass die Lohnanreize die Banker nicht zu riskantem Verhalten verführen sollen. Oder dass die Salärsysteme auch den langfristigen Interessen der Unternehmen dienen müssen. Aber kein Wort zur Höhe der Saläre und Boni – weder absolut noch im Verhältnis zu anderen Branchen noch im internen Vergleich.

Peter Kurer antwortete gestern also völlig korrekt: Zweistellige Millionenboni bleiben denkbar. Die UBS, so das Argument, steht in einem internationalen Konkurrenzkampf, bei dem sie - beispielsweise - in New York Topbanker abwerben muss (oder derzeit: wo sie vor allem Topbanker an die Konkurrenz zu verlieren droht). Und in New York beispielsweise winken die Headhunter immer noch mit den erwähnten Millionenboni.

Der Ball liegt beim Gesetzgeber

Bei der Bankenkommission EBK, welche nach dem gestrigen Abkommen für die Überwachung der UBS-Saläre zuständig ist, sieht man denn auch wenig Handlungsspielraum: «Die EBK wird die Entlöhnungssysteme der Banken generell überprüfen und Standards definieren», so Kommissions-Sprecher Tobias Lux. Dies könne aber nicht losgelöst von den internationalen Bestrebungen geschehen: «Es ist ein internationaler Arbeitsmarkt. Eine reine Schweizer Lösung wäre schwierig, weil dies die Schweizer Banken benachteiligen könnte».

Ähnlich argumentiert in Bern Peter Siegenthaler, der Chef der Finanzverwaltung: Man habe nicht von der UBS allein Sonderauflagen bei den Boni fordern können; wenn schon, müssten solche Zwänge allen Banken auferlegt werden. Er hoffe, so Siegenthaler, dass der Gesetzgeber hier eine Regelung schaffe.

Der Ball liegt also bei der Politik, oder genauer: bei der internationalen Politik. Denn solange sich keine flächendeckenden Obergrenzen durchsetzen, bleiben helvetische Lohnregeln ohnehin wirkungslos. Womit die Entwicklung eben auch vom guten Willen der Banker abhängt. Gestern verkündete die Spitze der Deutschen Bank, auf ihre Boni zu verzichten. Aber in der derzeitigen Stimmung wurde selbst dies angezweifelt, und umgehend ernteten Josef Ackermann und seine Kollegen Kritik von Gewerkschaftern und Sozialdemokraten: Es könnte ja nur ein fauler Trick sein, um die Staatseingriffe abzuwenden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.10.2008, 14:52 Uhr

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