Der Champions-League-Sieger stand schon vor dem Final fest

Die von Franz Julen geführte Intersport-Gruppe in Bern kassiert kräftig ab.

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Bayern München gegen Borussia Dortmund – diese Affiche ist für Intersport-Chef Franz Julen ein «Traumlos». Nirgendwo macht der in 63 Ländern vertretene Sportartikelhändler so gute Umsätze wie in unserem nördlichen Nachbarland. 28 Prozent des 10,2-Milliarden-Euro-Umsatzes erzielte Intersport letztes Jahr in Deutschland, im Fussball-Segment macht der deutsche Markt sogar gegen 40 Prozent des weltweiten Geschäfts aus.

«Fussballerisch schlägt mein Herz für die Bayern, als Geschäftsmann hoffe ich aber auf einen Sieg von Dortmund», sagt Julen. Weil die Dortmunder erstmals seit 16 Jahren wieder im Final des wichtigsten Klub-Wettbewerbs stünden, gebe es bei den Fans einen «enormen Nachholbedarf». Es wird erwartet, dass 100 000 Dortmund-Fans nach London reisen, nur knapp die Hälfte hat ein Ticket fürs Wembley-Stadion. Die anderen schauen den Match in Pubs oder auf einer der Grossleinwände in Stadionnähe.

Aufs richtige Pferd gesetzt

Weil der grösste Teil der Fans mit der U-Bahn anreist und alle den gleichen Weg zum Stadion nehmen, findet Intersport als offizieller Uefa-Partner ideale Verhältnisse für seine Merchandising-Aktivitäten vor. 220 Leute werden heute Samstag für Intersport im Einsatz sein und 18 Shops im Stadion betreiben. Der weltweit grösste Sportartikelhändler will im Vergleich zum letztjährigen Finale in München um mindestens 20 Prozent zulegen. Branchenkenner rechnen damit, dass Intersport heute in London über 100 000 Artikel verkaufen und so mehr als zwei Millionen Franken Umsatz machen wird.

Als Bestseller erwiesen sich in den letzten Jahren die sogenannten Friendship-Artikel, also Shirts, Schals und Mützen mit Aufdruck der Finalpaarung, des Orts und des Datums. «Seit der WM 2006 in Deutschland ist dieses Geschäft rasant gewachsen», sagt Julen. Der Walliser Marketing-Profi schloss in den letzten Jahren diverse Verträge ab, die Intersport exklusive Produktvermarktungen an Grossevents garantieren. Der Deal mit der Uefa für die Verkäufe im Stadion und den Fanzonen am Champions-League-Final läuft seit 2009 und noch bis 2017.

Julen scheint dabei aufs richtige Pferd gesetzt zu haben. In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der TV-Zuschauer von 56 Millionen auf über 150 Millionen fast verdreifacht. Damit gilt der Champions-League-Final heute als grösstes Ein-Tages-Sportereignis der Welt. In den letzten Tagen hat Julen mit der von einem anderen mächtigen Walliser präsidierten Fifa einen weiteren Deal ausgehandelt: Intersport wird nächstes Jahr bei der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien offizieller Event-Shop sein und 550 Fifa-Corners in 20 Ländern betreiben.

Bayern hat 17,8 Millionen Fans

Intersport spannt aber nicht nur mit den Veranstaltern zusammen, sondern nutzt seine Grösse und sein Distributionsnetz auch für exklusive Produktelancierungen. So werden heute im Final der Bayern-Spieler Javi Martinez und der Dortmunder Sven Bender mit dem neuen Adidas-Schuh «Nitrocharge» auflaufen, den der deutsche Hersteller Anfang Woche lanciert hat. Den Schuh, der als technologisches Wunderwerk für «Kämpfer und viel laufende Mittelfeldmotoren» beworben wird, gibts bis am 17. Juni weltweit ausschliesslich bei Intersport zu kaufen. Julen hofft darauf, in den nächsten Monaten «ein paar Hunderttausend Stück» davon abzusetzen. Wenn heute einem der beiden Spieler mit Nitrocharge an den Füssen etwas Besonderes gelinge, schlage sich dies am Montag unmittelbar in erhöhter Nachfrage in den Läden nieder, sagt er.

Die Marketingwirkung geht weit über Europa hinaus. Bayern München schickt seine Botschaften via Homepage in sieben Sprachen in die ganze Welt hinaus, in China betreibt der Club zwei populäre Blogs, das hauseigene TV-Magazin wird in 90 Länder exportiert. Nach einer Erhebung von Repucom haben die Bayern in den elf wichtigsten europäischen und asiatischen Märkten 17,8 Millionen Fans. Durch Sponsoring und Merchandising nahmen die Münchner in der vergangenen Saison fast 140 Millionen Euro ein. In dieser Saison soll der Absatz der Merchandising-Artikel 50 Prozent über dem Vorjahr liegen. Mehr als 600 000 Bayern-Trikots dürften laut «FAZ» über den Tresen gehen, der Umsatz die 400-Millionen-Euro-Grenze übersteigen.«Vor 20 Jahren war der Fussball auf dem Rasen professionell, im Management atemberaubend amateurhaft», sagt Willy Brockes, Geschäftsführer der Europäischen Sponsoringbörse. «Heute schaffen sich die besten Clubs mit professioneller Markenführung die Basis für anhaltenden Erfolg.» Brockes sieht bei den beiden deutschen Clubs im Vergleich mit Real Madrid oder Manchester United noch viel Luft nach oben, etwa im Bereich Edel-Merchandising (Massanzüge, Uhren oder Kugelschreiber mit Vereinsprägung) oder bei fussballnahen Geschäftsbereichen wie Reiseorganisation und Online-Shopping. «Wir stehen erst am Anfang der Internationalisierung und Kommerzialisierung», sagt der Marketingexperte.

Erstellt: 25.05.2013, 16:31 Uhr

Der 40-Millionen-Euro-Einkauf Javi Martinez steht heute als Markenbotschafter vor 150 Millionen Augenpaaren im Einsatz – davon profitiert auch Intersport. (Bild: AFP )

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