Hintergrund

Der Chef schwärmte noch, als erste Kunden schon Sturm liefen

Eine technische Panne legte das mobile Internet der Swisscom lahm. Zu den technischen kamen kommunikative Fehler.

«Wir sind sehr stolz»: Carsten Schloter.

«Wir sind sehr stolz»: Carsten Schloter. Bild: Keystone

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Carsten Schloter sagte es zweimal an diesem Morgen. Das erste Mal gegenüber den Journalisten, etwa um 8.30 Uhr. Das zweite Mal gegenüber den Analysten, knapp eine Stunde später: «Wir sind sehr stolz.» Stolz auf das Resultat eines Tests der Zeitschrift «Connect», welcher der Swisscom attestierte, das beste Mobilfunknetz der Schweiz zu besitzen.

«Smartphones funktionieren mehrheitlich»

Zu diesem Zeitpunkt klingelten bei der Swisscom-Hotline bereits die ersten Handykunden Sturm. Um 7.30 Uhr konnten die Ersten mit ihren Smartphones keine E-Mails mehr empfangen und nicht aufs Internet zugreifen.

Erst Stunden nachdem der Chef von seinem Netz geschwärmt hatte, informierte die Swisscom zum ersten Mal über die Probleme – allerdings widersprüchlich, zum Teil gar falsch. Via Twitter schrieb sie kurz vor 11 Uhr, der mobile Datenverkehr sei verlangsamt, teilweise unterbrochen. Auf Facebook lautete die Nachricht: «Seit heute 10 Uhr sind Internetverbindungen auf dem Mobilfunknetz nicht möglich.» Den Medien berichtete ein Swisscom-Sprecher bloss von Unterbrüchen: «Smartphones (...) funktionieren mehrheitlich.»

Auch die SBB hat Probleme

Tatsächlich waren bis zum frühen Nachmittag praktisch alle 5,8 Millionen Handykunden der Swisscom vom Internet abgeschnitten – mit Ausnahme weniger Glückspilze. Allerdings nutzen lange nicht alle Kunden ihr Handy für den Zugriff aufs Internet. Auch wer via Laptop übers SwisscomNetz surfte, hatte keine Chance, ebenso die 40 000 Besitzer eines iPads.

Probleme hatten auch Firmen wie die SBB: Die Lesegeräte ihrer Kontrolleure waren ausser Gefecht, Fahrplan- und Gleisänderungen mussten via Telefon abgefragt werden. Auch drahtlose Kreditkartenterminals – etwa in Restaurants – funktionierten nicht mehr.

«Unglücklich kommuniziert»

Laut der Swisscom war ein Problem mit dem langsameren der beiden Datennetze (GPRS/Edge) Auslöser der Panne. Um das Problem zu beheben, musste die Swisscom die Datenbank neu starten, in der die Zugangsinformationen der Handynutzer gespeichert sind. Ohne sie verwehrt einem das Netz den Zugriff. Dieser Neustart ging offenbar schief – was das Problem verschärfte.

Die Panne ist für die Swisscom aus mehreren Gründen peinlich: zum einen, weil sie «unglücklich kommuniziert» hat, wie Sprecher Carsten Roetz zugibt. «Wir waren uns nicht von Anfang an des Ausmasses bewusst. Unklar war auch, wie schnell wir das Problem beheben können.» Das habe damit zu tun, dass sich die Lage im Laufe des Morgens verschärft habe. Information via SMS, wie das viele erboste Kunden im Internet forderten, sei unmöglich gewesen: «Es hätte Stunden gedauert, bis alle Nachrichten angekommen wären», so Roetz.

Zum anderen war das Timing miserabel. Derzeit läuft eine grosse Werbekampagne, mit der die Swisscom auf ihren ersten Rang beim «Connect»-Test aufmerksam macht («Das beste Netz der Schweiz»). Zudem fiel die Panne mit der Publikation der Quartalszahlen zusammen – die überraschend gut ausgefallen sind. Die Aktie legte – unbeeindruckt von der Störung – um 2 Prozent zu.

Neuer Fastweb-Chef

Neben den guten Zahlen – der Umsatz legte aufgrund der guten Geschäfte in der Schweiz von Januar bis September um 0,6 Prozent zu – sorgte die Ernennung eines neuen Fastweb-Chefs für Aufsehen. Schloter musste die Position im April ad interim übernehmen, um in der Geldwäschereiaffäre um die italienische Tochterfirma der Zwangsverwaltung zu entgehen. Grund: Gegen den bisherigen Fastweb-Chef Stefano Parisi wurde ermittelt.

Ursprünglich hätte Parisi den Job wieder übernehmen sollen, nachdem er entlastet worden wäre. Das dauert nun aber länger als erwartet. «Das war für das Unternehmen nicht mehr tragbar», so Carsten Schloter.

Darum wird der Posten jetzt definitiv besetzt – mit dem bisherigen operativen Leiter Alberto Calcagno. Auch dessen Name wird im Zusammenhang mit den Untersuchungen genannt, allerdings nur am Rande und aufgrund einer Unterschrift, die er von Amtes wegen unter ein Dokument gesetzt hat.

Erstellt: 10.11.2010, 10:31 Uhr

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