Der Ex-Nati-Star, der in London 1000 Millionen Dollar verwaltet

Fast zehn Jahre nach dem Wechsel ins Finanzgeschäft ist Ramon Vega als selbständiger Vermögensverwalter gefragt. Den Respekt auf dem Büroteppich musste er sich aber erst verdienen.

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Plötzlich steht ein Hüne im Eingang des kleinen Sitzungszimmers: Ramon Vega, bis vor knapp zehn Jahren Fussballprofi in den Topligen der Schweiz, Italiens, Englands und Schottlands, heute Vermögensverwalter mit Büros an der Park Lane, einer der nobelsten Adressen Londons. Seit drei Jahren hat seine Firma Vega Swiss Asset Management die Lizenz der britischen Finanzaufsicht FSA, um Kundengelder zu verwalten, inzwischen bewirtschaften der vierzigjährige Vega und seine vier Angestellten Finanzportfolios, die eine Milliarde Dollar wert sind.

«Mir ist es wichtig, dass die Kunden wissen, was mit ihrem Geld passiert», sagt Vega im Gespräch, «Transparenz wird wieder geschätzt.» Das gelte auch punkto Gebühren. «Ich verlange keine jährlichen Gebühren, sondern nur eine Performancegebühr von bis zu 50 Prozent, je nach Anlageklasse.» Das bedeutet für Vega: Er ist mächtig angespornt, hohe Renditen zu erzielen, darf aber die Risiken nicht aus den Augen verlieren, weil er sonst keinen Penny verdient.

1997 von Tottenham Hotspur verpflichtet

Ein Ex-Fussballprofi als Asset-Manager im schicken Mayfair-Quartier? Das konnten sich nicht alle vorstellen, wie Vega, der 1997 vom Londoner Club Tottenham Hotspur verpflichtet wurde, im Gespräch einräumt. «Als Fussballprofi war ich hier sofort akzeptiert, alle waren offen und sprachen mit mir. Dann aber war ich jemand, der Finanzdienstleistungen anbot, das veränderte die Haltung bei vielen», sagt er. Er musste sich den Respekt, nachdem er ihn auf dem Rasen gewonnen hatte, auf dem Büroteppich neu verdienen.

«Fussball hat es für mich ermöglicht, ein Netzwerk aufzubauen», sagt Vega. Kein Wunder: Als er bei Tottenham spielte, war Alan Sugar, heute Lord Sugar, einer der bestbekannten britischen Unternehmer und Boss in der Reality-TV-Sendung «The Apprentice», Präsident des Clubs. Solche Kontakte wollte er nicht missen, als er nach dem Ende der Fussballkarriere 2003 in die Finanzwelt wechselte. «Ich habe immer von allen Visitenkarten verlangt», sagt er.

Trader, Verkäufer, Fondsmanager

Ganz so überraschend war der Wechsel in die Finanzwelt aber nicht. Vega absolvierte neben seiner Ausbildung beim Zürcher Grasshopper Club mit den Kollegen Ciriaco Sforza und Alain Sutter eine Banklehre bei der Credit Suisse. Dieses Wissen habe ihm – zusammen mit seinen Sprachkenntnissen – geholfen, Mitspielern bei Tottenham Investitionsratschläge zu geben. Entscheidend für die heutige Tätigkeit war aber die «zweite Lehre», wie Vega sie nennt, seine Zeit bei Duet Asset Management – einem Hedge Fund, an dem er zusammen mit zwei weiteren Schweizern beteiligt war. Da hatte er alle Funktionen inne, war Trader, Verkäufer, Fondsmanager. Was allerdings nie zustande kam, war ein Fonds, der in Fussballer hätte investieren sollen. Duet jedenfalls steigerte die Kundenvermögen von 10 Millionen Dollar auf derzeit 2,7 Milliarden Dollar. Keine Spekulation daher, dass Vega – bis er kurz vor der Krise verkaufte – nicht nur viel gelernt, sondern auch den Kapitaleinsatz vervielfacht hat. Es reichte zumindest, um das Hotel Rosalp in Verbier zu übernehmen.

Vega hat sich in London etabliert; ein Grund, aus der Finanzmetropole wegzuziehen, lässt sich nicht ausmachen. Es sei denn, er würde seine kühnsten Expansionspläne umsetzen und Niederlassungen seiner eigenen Firma in Zürich und New York eröffnen. Das klingt zwar etwas ambitiös. Aber wer bisher gegen ihn setzte, hat meist verloren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.06.2012, 20:51 Uhr

«Fussball hat es für mich ermöglicht, ein Netzwerk aufzubauen»: Ramon Vega ist jetzt Vermögensverwalter. (Bild: footballfancast.com)

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