Der steinreiche König der Sprachen

Bertil Hult, der schwedische Gründer der EF-Sprachschulen, lebt in der Schweiz. Er pflegt einen luxuriösen Lebensstil und gute Beziehungen zur schwedischen Königsfamilie.

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Ein echter Lebemann ist er. Bertil Hult, der in Luzern wohnhafte Gründer und Inhaber der Sprachschulgruppe EF, liess seine engsten Freunde im Februar nach Shanghai einfliegen, um mit ihnen seinen 70. Geburtstag zu feiern. Drei Tage dauerte das Fest. Die Gästeliste las sich wie das Who is Who der schwedischen Prominenz: König Carl XVI. mit Gattin Silvia, die Konzernchefs von Ericsson, SEB und SAS – insgesamt kamen 300 Gäste.

Bertil Hult ist mit einem geschätzten Vermögen von 15 Mrd. sKr. (2,1 Mrd. Fr.) einer der reichsten Schweden. Doch im Gegensatz zu vielen seiner vermögenden Landsleute wie Ikea-Gründer Ingvar Kamprad und Hans Rausing (Alfa Laval) liebt Hult den sichtbaren Reichtum. Wenn Kamprad mit der U-Bahn zur Eröffnung eines neuen Ikea-Möbelhauses fährt, fliegt Hult mit seiner Dassault Falcon 7 X, einem 360-Mio.-sKr.-Jet, um sich ein Bild von einer seiner rund 400 Sprachschulen in über 50 Ländern zu machen.

Eine Tellerwäscherkarriere

Dabei hat der stets sympathisch wirkende, aber von Mitarbeitern auch als knallhart beschriebene Hult klein angefangen. Als T-Shirt-Verkäufer merkte er schnell, dass das nicht seine Welt ist. Im Alter von 24 Jahren gründete er die Europeiska Ferie-Skolan und organisierte Sprachreisen nach England. Die Idee schlug ein, und Hult formte das kleine Unternehmen zu einem Imperium. Heute beschäftigt EF über 30 000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt.

Ähnlich wie der Möbelriese Ikea ist der EF-Konzern ein verschachteltes Konstrukt aus Stiftungen, Tochterunternehmen und Holdinggesellschaften in Holland, der Schweiz und den USA. Geschäftsergebnisse? Die werden nicht veröffentlicht. Aber man schreibe schwarze Zahlen, betonte Hult in einem seiner seltenen Interviews. Ausser einem engen Zirkel von Familienmitgliedern, Führungskräften und Revisoren kennt niemand die finanziellen Parameter. Der Umsatz wird in der schwedischen Wirtschaftspresse auf rund 40 Mrd. sKr. geschätzt. Gewinn? Unbekannt.

Bereits vor zwanzig Jahren hat EF in China eine Tochtergesellschaft gegründet. Mit Hult International Business School bietet das Familienunternehmen inzwischen auch MBA-Ausbildungen an. Vor einigen Jahren startete Bertil Hults Sohn Philip das Internet-Projekt Englishtown. Mittlerweile hat er die Leitung des ganzen Konzerns übernommen, dessen Hauptsitz im Gebäude des Grand Hotel National in Luzern ist. Sein Vater, der dort eine Wohnung hat, lenkt aus dem Hintergrund weiter mit.

Ein Sprachenkönig mit Leseschwäche

Ansonsten widmet sich der 70-Jährige meist seinen Hobbys, Golf und dem Segelsport. Bertil Hult liess sich für 350 Millionen sKr. die 52 Meter lange Segeljacht «Erica XII» bauen. Zusammen mit seiner Frau Lisbeth verbringt er dort regelmässig einige Wochen. Auch die vier Söhne und die engsten Freunde wie das schwedische Königspaar kommen dann und wann an Bord.

Mit Carl Gustav XVI. verbindet Hult nicht nur die Liebe zu ausschweifenden Festen, sondern auch die Dyslexie, eine Rechtschreibe- und Leseschwäche. Der ungekrönte König der sprachlichen Fortbildung hat übrigens nach der Matura zwar ein Studium begonnen, es aber nie abgeschlossen. Seinem Erfolg war das nicht hinderlich. (Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 26.04.2011, 16:32 Uhr

Die Schwedische Kronprinzessin verbrachte die Flitterwochen auf seiner Jacht: Bertil Hult, Millionär und Gründer der EF-Sprachschulen. (Bild: PD)

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