Der Meister der PR-Pannen

Neben dem steten Ölfluss versucht BP auch, den Redefluss seines Konzernchefs zu stoppen: Statt zu beruhigen heizt Tony Hayward tollpatschig die Wut in den USA zusätzlich an. Wie lange noch?

Hilflos in der Krise: Tony Hayward posiert für eine Kamera...

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Der Mann ist das Gesicht der Krise. Was Tony Hayward, Konzernchef des Ölgiganten BP, dieser Tage von sich gibt, macht sofort die Runde um die Welt – leider, leider, wie sich viele Aktionäre des Unternehmen sagen werden, dessen Kurs seit der Plattform-Katastrophe 35 Prozent an Wert verlor. Als sei es nicht schlimm genug, dass alle Versuche, das Ölleck dicht zu machen, bislang gescheitert sind, sorgt der oberste BP-Angestellte mit seinen Äusserungen für böses Blut.

Erst in dieser Woche musste er sich öffentlich bei den Familien der 11 tödlich verunglückten Plattform-Arbeiter entschuldigen – wegen einer wenig einfühlsamen Äusserung. Nachdem er sein Bedauern über den Tod der Arbeiter beteuert hatte, sagte er vor einer laufenden Kamera über seinen aktuellen Job als Krisenmanager: «Wissen Sie. Ich hätte gerne mein Leben zurück.»

«Ein sehr grosser Ozean»

Zum Unmut der amerikanischen Regierung und Bevölkerung hatte Hayward zuvor mehrmals versucht, das Ausmass der Katastrophe herunterzuspielen – mit allzu platten Argumenten: Der Ölteppich werde keine grossen Probleme verursachen, denn der Golf von Mexiko sei «ein sehr grosser Ozean». Die Auswirkungen auf die Umwelt, so zitierten Zeitungen den Topmanager weiter, dürften deshalb wahrscheinlich «sehr, sehr gering» ausfallen.

Mittlerweile droht das Öl laut Simulationen amerikanischer Wissenschaftler, auch die Atlantikküste der USA zu verseuchen. Seit der Explosion und dem Untergang der Bohrinsel am 20. April sind mindestens 75 Millionen Liter Öl ausgeflossen, und den aktuellen Szenarien zufolge könnte die Brühe innerhalb weniger Wochen auch Florida erreichen – zum Entsetzen der dort ansässigen Tourismusindustrie.

Und zum Entsetzen der Aktionäre von BP. Vor kurzem hat die amerikanische Regierung dem Konzern die erste Rechnung über 69 Millionen Dollar zugestellt, um Kosten für die Bekämpfung der Ölpest zu decken. Dies ist freilich erst der Anfang. Laut einem Bericht der «New York Times» rechnen Fachleute damit, dass BP insgesamt fünf Milliarden Euro wird bezahlen müssen – nur für die Reinigung von Meer und Küsten.

«Wir werden es erledigen»

Angesichts dieser Verhältnisse erscheinen die plumpen Abwiegelungsversuche des Konzernchefs der Öffentlichkeit im Nachhinein fast zynisch – doch aus der Schusslinie geht Hayward deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil: In einem TV-Spot versprach er mit treuem Dackelblick, das Unternehmen werde keinen Aufwand scheuen, um die Folgen der Katastrophe zu beseitigen. «Wir werden es erledigen», versprach er scheinbar aus der Tiefe seines Herzen, «wir werden es richtig machen.»

In einem Interview, das gleichentags in der «Financial Times» publiziert wurde, sagte er dagegen mit Blick auf die Bewältigung der Katastrophe: «Ohne Zweifel ist es wahr, dass wir nicht die Werkzeuge haben, die man in seiner Werkzeugkiste würde haben wollen.» Bei anderen Gelegenheiten versuchte er wiederum, unerschütterliche Zuversicht zu vermitteln – umso unerbittlicher, so schien es, je weiter sich die Wirklichkeit von seinen Versprechen entfernte.

Ein Aufruf zur Entlassung

Kein Wunder also, dass bereits an seinem Stuhl gesägt wird – an allen Beinen gleichzeitig. Charlie Melancon beispielsweise, ein Kongressabgeordneter aus Louisiana, hat bereits eine Kampagne gestartet, mitsamt der Petition an den BP-Verwaltungsrat, Hayway umgehend zu feuern. Und immer mehr Finanzanalysten prophezeien laut der «New York Times», dass Hayward wird gehen müssen, noch bevor die Krise ausgestanden ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.06.2010, 16:18 Uhr

... und spricht vor Journalisten im Krisenzentrum von BP.

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