Der Neue neben Heinz Karrer

Als Nachfolger von Pascal Gentinetta übernimmt Jean-Marc Hensch die Spitze von Economiesuisse. Wer ist der Mann, der das schwere Erbe beim Dachverband der Wirtschaft antritt?

Hat schon Erfahrung in der Verbandsarbeit: Jean-Marc Hensch (hier bei einer Rede für den Branchenverband Swico).

Hat schon Erfahrung in der Verbandsarbeit: Jean-Marc Hensch (hier bei einer Rede für den Branchenverband Swico). Bild: Swico-Homepage

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Am Montag wird Jean-Marc Hensch aller Voraussicht nach zum neuen Direktor des Wirtschaftsverbands Economiesuisse gekürt. Er übernimmt ab März die Nachfolge von Pascal Gentinetta, der den kriselnden Verband im Sommer verlassen musste.

Der 54-jährige Hensch ist Jurist und diplomierter PR-Berater. Begonnen hat er seine Karriere jedoch in der Politik als Geschäftsführer und Parteisekretär der FDP der Stadt Zürich. Kurze Zeit später wechselte er ins PR-Fach und wurde Mitinhaber einer PR-Agentur in Zürich. Im Jahr 2000 ging Hensch zu Farner PR, wo er Partner und Mitglied der Geschäftsleitung war.

Drei Jahre später verliess er Farner und kehrte damit der PR-Branche den Rücken. Er wechselte in die Verbandswelt und wurde Direktor des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie. «Nach zwei Jahrzehnten in der PR wurde es mir in der Branche etwas eng, da man Businessprobleme immer nur aus dem eingeschränkten Blickwinkel der Kommunikation betrachten konnte», sagte er in einem Porträt der Fachzeitschrift «IT-Reseller». Seine letzte Station war der Verband für die digitale Schweiz Swico, bei dem er im Mai 2012 die Geschäftsführung übernahm.

Dienstleister und Modernisierer

Weggefährten von Hensch bezeichnen ihn als PR-Profi und starken Kommunikator. Zu seinen Stärken zählten seine sprachlichen Fähigkeiten. Hensch ist bilingue, spricht aber auch hervorragend Englisch und Italienisch. Seine Mutter ist Französin und war Übersetzerin, sein Vater Sprachlehrer.

Henschs Erfahrungen als PR-Berater und als Direktor von zwei Wirtschaftsverbänden seien eine gute Voraussetzung für den Job als Economiesuisse-Direktor. Er werde sich jedoch nicht in den Vordergrund drängen, schäzen ihn mehrere Personen ein, die ihn kennen. Hensch suche nicht das Scheinwerferlicht. Er dürfte sich als Dienstleister und Modernisierer sehen, sagt ein Weggefährte. Die starke Figur werde künftig jedoch Präsident Heinz Karrer sein. Er werde die Positionen nach aussen vertreten, während Hensch im Hintergrund aktiv sei.

Damit wird sich die Rollenverteilung bei Economiesuisse wieder deutlich verschieben. Zuvor war Pascal Gentinetta als Direktor die prägende Figur beim Verband, während der als kommunikativ schwach geltende Präsident Rudolf Wehrli im Hintergrund agierte. Unter der Ägide von Wehrli und Gentinetta fuhr der Verband mit der deutlichen Zustimmung zur Abzockerinitiative eine schwere Niederlage ein, die letztlich mit ein Grund für den Abgang der beiden war.

Verständlicher kommunizieren

Economiesuisse habe jemanden mit viel Erfahrung im Verbandswesen gesucht, der das Spiel zwischen Mitgliedern und Verbandsspitze gut kenne, sagt Vizepräsident Hans Hess. Hensch müsse nun mithelfen, die im Sommer ausgearbeitete Strategie umzusetzen. Dazu gehöre etwa der stärkere Einbezug der Mitglieder in die Entscheidungsfindung. Der Verband müsse künftig einen weniger abgehobenen Kommunikationsstil pflegen und so mit einer verständlichen Sprache gegenüber wichtigen Anspruchsgruppen in Gesellschaft und Politik auftreten.

Hensch ist verheiratet und lebt in Zürich. Mit der Stadt ist er eng verbunden. Er ist Präsident des Quartiervereins Enge und beim Verein Jugendwohnnetz engagiert, der Wohnungen und WG-Zimmer an junge Erwachsene vermietet. Zudem ist er Verwaltungsrat des Kongresshauses Zürich.

Erstellt: 15.11.2013, 14:34 Uhr

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