Hintergrund

Der Rettungsanker für kleine Hotels?

Hohe Fixkosten, tiefe Einnahmen: Viele kleine Hotels haben Mühe, rentabel zu sein. So haben sich einige von ihnen zusammengeschlossen. Eine Hotelchefin aus dem Lötschental erzählt von ihren Erfahrungen.

Eines der zahlreichen kleineren Schweizer Hotels: Das Hotel Löwen in Escholzmatt im Entlebuch. (Archivbild)

Eines der zahlreichen kleineren Schweizer Hotels: Das Hotel Löwen in Escholzmatt im Entlebuch. (Archivbild) Bild: Keystone

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Rund 2000 Schweizer Hotels sind nicht marktfähig. Um Kosten zu senken, müssten die grösstenteils kleinen Hotels jedoch nicht physisch grösser werden, so Christian Laesser, Professor am Research Center for Tourism and Transport der Universität St. Gallen (wir berichteten). «Wichtig ist, dass mehrere Betriebe die Wertschöpfungskette miteinander teilen, um Fixkosten zu sparen.»

So geschieht es beispielsweise im Walliser Lötschental, wo sich 2011 vier kleine Hotels und ein Resort mit 60 Ferienwohnungen zusammenschlossen. Sie fungieren als Lötschentaler Tourismus AG und treten unter der Marke «Die Lötschentaler» auf. «Später können auch das Resort sowie Sportgeschäfte und Skischulen dazustossen. Auch weitere Hotels sind denkbar», erklärt Esther Bellwald, Geschäftsführerin des Hotels Nest- und Bietschhorn, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Offenheit zwischen Hoteliers

Die Teilbetriebe der Gruppe machen nun in verschiedenen Bereichen gemeinsame Sache: So können sie bei kollektiven Versicherungsabschlüssen Prämiengelder einsparen, die sie anderweitig verwenden können. Auch ein monatliches Finanz-Reporting wird zusammen gemacht. «Dazu gehört komplette Offenheit untereinander. Das schafft Vertrauen», so Bellwald. «Ausserdem haben wir uns auf ein gemeinsames Hotelreservationssystem festgelegt und betreiben zusammen das Marketing, zu dem auch eine Website gehört.» Synergien nutzen die Hotels auch im Gastrobereich. So können Halbpensions-Gäste nach freier Wahl in den Restaurants der Partnerhotels essen gehen. Das sei ein Vorteil, wenn man ein bestimmtes Menü nicht anbiete oder das Restaurant einmal geschlossen sei, erklärt Bellwald.

Die Kooperation lohnt sich laut der Hotelchefin, die Betriebe profitierten auf jeden Fall davon. Allerdings relativiert sie: «Es ist nicht so, dass uns die Touristen jetzt in Scharen überrennen. Wir kämpfen nach wie vor um jeden Gast.» Zu sagen, dass nur dank der Zusammenarbeit das eine oder andere Partnerhotel überlebt habe, würde aber zu weit führen. Jeder Betrieb habe bereits zu Beginn eine gewisse wirtschaftliche Stabilität mitgebracht. Auch Marcus Frey von der Beratungsfirma CFB Network AG, der die Kooperation coacht, betont: «Damit ein Betrieb mit anderen zusammenspannen kann, sollte er möglichst nicht sanierungsbedürftig sein – oder wenn, dann zumindest sanierungswürdig.» Eine Zusammenarbeit sei aber kein Rettungsanker für nicht überlebensfähige Hotels, sondern nur einer von mehreren Lösungsansätzen, um gesünder zu werden.

Gute Stimmung untereinander

Das Zusammenspannen ist nämlich nicht gratis, sondern erfordert auch Investitionen der Beteiligten. 80'000 bis 120'000 Franken betragen die eigenen Projektkosten pro Hotel für die ersten drei Jahre. Die Gruppe erhält zusätzlich Beiträge von Bund und Kanton. Ob sich die Investitionen lohnen, kann Bellwald noch nicht beurteilen. Bezogen auf die ersten drei Jahre liesse sich noch nicht viel dazu sagen. Laut Frey dauert es drei bis fünf Jahre, bis sich eine Positionierung auf dem Markt niederschlägt.

Als weiteren grossen Vorteil der Kooperation sieht Bellwald den Zusammenhalt untereinander: «Die Stimmung unter uns ist sehr gut. Alle haben die gleichen Probleme und Fragen, die wir zusammen besprechen und lösen können.» Unter dem gemeinsamen Dach könnten die Partnerbetriebe auch stärker gegenüber den Bergbahnen auftreten und Billettmengen zu attraktiveren Konditionen einkaufen, so Bellwald. Gleichzeitig kämen die grösseren Verkaufsmengen auch den Bergbahnen zugute.

«Keine Schönwetter-Kooperation»

Bei allen Vorteilen gibt es jedoch auch den einen oder anderen Nachteil einer Hotelkooperation: «Man kann Ideen nicht immer so schnell umsetzen, wie wenn man selber entscheiden würde.» Es liege in der Natur der Sache, dass die Prioritäten der Partner manchmal anders seien. Ein Stück Eigenständigkeit mussten die Betriebe auch abgeben, als sie sich von ihren eigenen Logos verabschiedeten zugunsten eines Gesamtlogos der Gruppe.

Bei einigen Betrieben im Lötschental war die Skepsis laut Bellwald denn auch zu gross, als dass sie sich für eine Zusammenarbeit hätten erwärmen können. «Es herrschte eine gewisse Sorge um die Eigenständigkeit, und nicht alle waren gewillt, so offen miteinander zu sein, zum Beispiel betreffend Finanzen.» Frey ergänzt: «Es geht nicht um eine Schönwetter-Kooperation. Man muss auch bei schlechtem Wetter zusammen funktionieren.»

Toggenburger Hotels waren doch nicht bereit

Auf den Zusammenschluss kamen die Lötschentaler Hotels wegen eines ähnlichen Hotelprojekts namens Matterhorn Valley Hotels in Grächen, das ebenfalls von Marcus Frey gecoacht wurde. Diese Kooperation – mit dabei sind auch Bergbahnen und Sportgeschäfte – besteht seit 2006, und die Bilanz ist positiv: Laut Frey stiegen die durchschnittliche Auslastung und Wertschöpfung der Hotels überdurchschnittlich gegenüber den anderen Hotels in der Region. Auf der Kostenseite konnten, wie auch im Lötschental, unter anderem gut ein Drittel der Versicherungsprämien sowie 6 bis 8 Prozent der Wareneinkaufskosten eingespart werden. Der verbesserte Know-how-Transfer sorgte zudem für mehr Professionalität in den Betrieben.

Beinahe kam es auch zu einer Kooperation bei neun Hotels im Toggenburg, deren Vorarbeiten von Frey begleitet wurden. Im letzten Moment zeigte sich, dass einige Betriebe doch nicht zu diesem Schritt bereit waren. Der Prozess wurde vorerst gestoppt, Frey ist nicht mehr involviert. Er erhielt jedoch kürzlich Anfragen von zwei weiteren Destinationen. «Es herrscht bei vielen Hotels offenbar ein Bedürfnis, gemeinsame Sache zu machen.»

Erstellt: 05.07.2013, 18:33 Uhr

Mehr Hotelübernachtungen im Mai

Die Zahl der Übernachtungen in Schweizer Hotels nahm im Mai um 39'000 oder 1,5 Prozent zu. Insgesamt verzeichnete die Hotellerie 2,6 Millionen Logiernächte. Die Gäste aus dem Ausland sorgten für 1,5 Millionen Übernachtungen (+3,3 Prozent), die restlichen gingen auf das Konto der inländischen Gäste (–1 Prozent).

Die Besucher aus Europa waren für einen Anstieg von 27'000 Übernachtungen verantwortlich (+3,1 Prozent). Das Vereinigte Königreich sorgte mit 9800 zusätzlichen Logiernächten für die deutlichste absolute Steigerung (+9,7 Prozent). Es folgen Russland mit einer Zunahme von 9200 Logiernächten (+23 Prozent), Portugal mit einem Wachstum von 2500 Einheiten (+27 Prozent) und Deutschland mit einer Steigerung von 2200 Logiernächten (+0,7 Prozent). Das markanteste Minus kommt aus den Niederlanden (2600 Einheiten weniger bzw. –6 Prozent).

Die Gäste aus Asien waren für zusätzliche 14'000 Logiernächte verantwortlich (+4,2 Prozent). Steigerungen gab es auch bei Gästen aus dem amerikanischen Kontinent (plus 6000 Übernachtungen bzw. 3 Prozent) sowie aus Afrika (plus 830 Logiernächte bzw. 3,1 Prozent) und Ozeanien (plus 540 bzw. 1,9 Prozent).

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