Der Schweizer, der für Facebook das nächste grosse Ding finden soll

Bei Facebook ist David Marcus der Chef des Nachrichtendienstes Messenger. Jetzt schildert er in einem Interview, wie er mit einer neuen Funktion die Internetsuche revolutionieren will.

Ohne Uni-Abschluss erfolgreich im Silicon Valley: Der Genfer David Marcus ist bei Facebook für den Messenger verantwortlich.

Ohne Uni-Abschluss erfolgreich im Silicon Valley: Der Genfer David Marcus ist bei Facebook für den Messenger verantwortlich. Bild: David Paul Morris/Bloomberg via Getty Images

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Es sei eine Chance, die sich nur einmal im Leben bietet, war sich David Marcus sicher, als er letztes Jahr das Angebot erhielt, die Messenger-Sparte von Facebook zu leiten. Dort sieht der Genfer die Chance, an einem der wichtigsten Projekte des Internetriesen zu arbeiten.

Darauf deutete nichts hin, als Facebook-Chef Mark Zuckerberg ihn letztes Jahr zum Essen einladen wollte. Beim Dinner schlug Zuckerberg dem Schweizer vor, die nicht besonders erfolgreiche Messenger-Sparte von Facebook zu übernehmen. Für Marcus eigentlich ein Rückschritt. Denn der Genfer leitete davor den erfolgreichen Zahlungsdienst Paypal und war dort Chef von 15'000 Mitarbeitern. Die Messenger-Sparte ist dagegen winzig. Das Produkt galt als Flop, und in der Abteilung arbeiteten gerade einmal 200 Mitarbeiter. Dennoch nahm er Zuckerbergs Angebot sofort an, so Marcus in der heutigen FT.

Der Messenger ist unter seiner Leitung deutlich gewachsen. Früher als eine simple Whatsapp-Kopie belächelt, hat er heute eine grosse Nutzerbasis. In den letzten Monaten ist die Nutzerzahl von 300 Millionen auf 700 Millionen gestiegen. Marcus verlangt viel von seinen Mitarbeitern. Haben sie einen Job gut gemacht, schickt er ihnen ein Ninja-Emoji. Dafür hatte er zuletzt einigen Anlass. Der Funktionsumfang des Messenger wird laufend ausgebaut.

M soll die neue Wunder-App sein

Im August wurde ein virtueller Assistent mit dem Namen M lanciert, der menschliche und künstliche Intelligenz kombiniert. Mit der App soll es einfacher werden, Hilfe zu erhalten, wenn das Auto eine Panne hat oder wenn es darum geht eine Kinderkrippe im Quartier zu finden. Die App soll aber nicht nur Informationen suchen, sondern selbst Aktionen auslösen. Sie findet nicht nur ein passendes Restaurant in der Nähe, sondern bucht dort auch gleich einen Tisch.

Marcus glaubt, dass digitale Assistenten noch «sehr, sehr» lange auf menschliche Intelligenz zurückgreifen müssen. Sein neues Angebot M soll mehr bieten als Apples Siri, Google Now oder Microsoft Cortana. «Sprachgesteuerte Assistenten sind nicht besonders praktisch», sagt Marcus der FT. Für M gelte das nicht. Einige Hundert Testnutzer sammeln derzeit in den USA erste Erfahrungen mit dem digitalen Assistenten. Siri und Co. haben einen Vorteil, denn sie sind skalierbar. Der Aufwand für Apple und Co. wird nicht grösser, wenn mehr Menschen die App benutzen.

Für M gilt das noch nicht. «M ist sehr nützlich, aber nicht sehr skalierbar», gibt Marcus zu. Silicon-Valley-Kenner bescheinigen M dennoch, das Potenzial zu haben, um «das nächste grosse Ding» zu sein. M könne die Internetsuche revolutionieren, sagen sie. Bevor es so weit ist, geht es für Marcus zunächst darum, den Facebook-Messenger voranzubringen. Die Aufgabe ist nicht einfach.

Keine Fusion zwischen Whatsapp und Messenger

Denn Marcus hat den schärfsten Konkurrenten im eigenen Konzern. Den beliebten Nachrichtendienst Whatsapp hat Facebook letztes Jahr für 22 Milliarden Dollar gekauft. Viele Nutzer sorgen sich, dass Whatsapp und Messenger dereinst von Facebook zusammengelegt werden. Danach sieht es nicht aus. Beide Apps sollen unabhängig weiterbetrieben werden. Messenger-Chef Marcus und die Whatsapp-Verantwortlichen Jan Koum und Brian Acton treffen sich zwar regelmässig zu einem Businesslunch, besonders konstruktiv scheinen die Gespräche aber nicht zu sein. «Hoffentlich finden wir etwas, das als ein mögliches Geschäftsmodell für beide funktioniert», sagt Marcus der FT.

«Chef sein wird massiv überschätzt»

Marcus erklärte der «Bilanz» im Februar wieso er Paypal verliess: «Chef einer grossen Firma zu sein, wird massiv überschätzt.» Marcus hat andere Ziele – er will jeden Tag glücklich zur Arbeit gehen. Das kann der begeisterte Hobbyrennfahrer und Weinliebhaber offenbar bei der Facebook-Tochter Messenger. Marcus' Werdegang ist für einen Start-up-Unternehmer nicht ungewöhnlich. Der heute 42-jährige studierte an der Uni Genf. Einen Abschluss schaffte er aber nicht.

Das war für seine spätere Karriere gar nicht nötig. Marcus wurde Unternehmer. Erst gründete er in der Westschweiz zwei Firmen für Telecomdienstleistungen, mit der dritten Firma zog er ins kalifornische Silicon Valley. Spätestens mit seinem Bezahldienst Zong etablierte er sich in der dortigen Gründerszene. Die Firma wurde 2011 von Ebay für 240 Millionen Dollar übernommen. Danach leitete er die einstige Ebay-Tochter Paypal – bis zu dem Tag, als er Zuckerbergs Angebot folgte.

Erstellt: 26.10.2015, 13:54 Uhr

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