Der Traum vom Strom aus der Wüste ist geplatzt

400 Milliarden Euro sollten ausgegeben werden, um Europa mit sauberem und billigem Strom aus Nordafrika zu versorgen. Fünf Jahre später herrscht bei Desertec Ernüchterung. Schuld ist auch die deutsche Energiewende.

Es bleibt bei der Vision: 15 Prozent des europäischen Strombedarfs sollten in den nordafrikanischen Wüsten erzeugt werden. (Video: Desertec)


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Das Projekt war ehrgeizig: In der Wüste wollte Desertec im grossen Stil Ökostrom für Europa erzeugen. Das blieb jedoch ein Traum. Künftig werde man sich auf Dienstleistungen für die verbleibenden Gesellschafter konzentrieren.

Das teilte die Desertec-Industrie-Initiative (DII) am Dienstag in Rom mit. Von den einst rund 50 Gesellschaftern blieben nur noch drei Unternehmen übrig: Der Stromerzeuger RWE, der saudi-arabische Energiekonzern Acwa Power und der chinesische Netzbetreiber SGCC.

Die Desertec-Initiative wurde vor fünf Jahren mit dem Ziel gestartet, Sonnen- und Windenergie in den nordafrikanischen Wüsten zu erzeugen und ab dem Jahr 2050 rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs zu decken. Die neuen Kraftwerke und Hochspannungstrassen sollten 400 Milliarden Euro kosten.

Heute fliesst Strom aus der EU nach Nordafrika

Aber die offene Finanzierung, die politischen Umbrüche und Bürgerkriege in der Region, der Ausbau der Wind- und Solarenergie in Deutschland und zuletzt der Absprung wichtiger Gesellschafter wie Siemens, Bosch oder Eon liessen die Verwirklichung der Vision immer weiter in die Ferne rücken.

Statt billigen Strom aus der Sahara nach Europa zu leiten, wird heute umgekehrt überschüssiger Strom aus der EU nach Nordafrika exportiert. Der scheidende DII-Chef Paul van Son betrachtet die Arbeit der vergangenen fünf Jahre dennoch nicht als ergebnislos: «Rund 70 Projekte sind inzwischen realisiert oder in der Umsetzung», betonte er.

Das Projektvolumen im laufenden Jahr betrage drei Gigawatt, bis 2020 werde es auf 35 Gigawatt zulegen. Dass die meisten Unterstützer nun ausstiegen, habe verschiedene Gründe. Manchen seien die Kosten zu hoch, andere wie Siemens hätten sich aus der Solarenergie verabschiedet.

ABB prüft Weiterführung der Zusammenarbeit

Seit Beginn an dabei war auch der Schweizer Technologiekonzern ABB. Dieser hält zurzeit noch an der Initiative fest: «ABB prüft die Optionen, ob eine Zusammenarbeit mit der DII weitergeführt werden soll», teilte ABB auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit. Die Repositionierung von Desertec habe dabei keine direkten Folgen für ABB.

DII sei nie eine Plattform für Aufträge gewesen sondern für die Entwicklung von langfristiger technologischer und politischer Lösungsansätze. ABB stellt Halbleiter her, mit deren Hilfe Strom über Tausende Kilometer mit minimalen Verlusten transportiert werden kann. (ldc/sda)

Erstellt: 14.10.2014, 18:46 Uhr

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