«Der Wechselkurs zum Euro wird sich bei 1.15 bis 1.20 einpendeln»

Die SNB-Intervention ist laut Experten aus lokaler Sicht kurzfristig hilfreich. Auf den Weltmärkten ist das nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Analysten gehen aber von einer Erholung an den Börsen aus.

Das Vorgehen der Schweizer Nationalbank wurde an den Märkten genau beobachtet: Analysten an der Börse in Frankfurt.

Das Vorgehen der Schweizer Nationalbank wurde an den Märkten genau beobachtet: Analysten an der Börse in Frankfurt. Bild: Keystone

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Die Weltmärkte bleiben von der Intervention der Schweizer Nationalbank (SNB) weitgehend unbeeindruckt und sind weiter rot eingefärbt. Nur der Schweizer Börsenindex SMI hat in den ersten Morgenstunden um mehr als 60 Basispunkte zugelegt. Die Intervention war offenbar überfällig, auch Analysten sind sich einig, dass der Franken zu teuer ist: «Der Franken ist deutlich überteuert und der Kurs fundamental nicht zu rechtfertigen. Der Wechselkurs zum Euro dürfte sich wieder in Richtung 1.15 bis 1.20 bewegen», sagt UBS-Aktienanalyst Markus Irngartinger.

Skepsis über SNB-Intervention

Zur SNB-Intervention werden aber auch Gegenstimmen laut: «Dass die SNB versucht, etwas gegen die Frankenstärke zu unternehmen, ist zwar verständlich, langfristig bin ich aber skeptisch, ob das Wirkung hat. Das hat man in der Vergangenheit bereits gesehen», sagt Monika Rosen, Chefanalystin in der Vermögensveranlagung der Unicredit in Österreich. Die Chefanalystin sagt aber auch, dass die SNB wegen der unter dem starken Franken leidenden Exportwirtschaft unter Handlungsdruck steht. Rosen sieht von anderer Seite kurzfristig ein gewichtigeres Problem für den Franken: «Sollte es eine Intervention der Japaner geben, weil der Yen zulegt, wird der Franken wieder steigen, weil die Investoren nach der Intervention der Bank of Japan in den starken Franken fliehen werden.»

Einstweilen bleibt Gold weiterhin ein sicherer Hafen für verunsicherte Anleger. «Wer schon in Gold investiert hat, sollte es halten, bei einem Neueinstieg sollte man aber vorsichtig sein, weil der Goldpreis bereits sehr hoch notiert», sagt UBS-Analyst Irngartinger.

Gründe für eine Verunsicherung gibt es weiterhin genügend. Die Einigung im US-Schuldenstreit sorgt nur kurzfristig für Entspannung, und der konjunkturelle Druck in den USA wird immer deutlicher. «Der US-Arbeitsmarkt ist eine der wesentlichen Schwachstellen für die Konjunktur», sagt Rosen. Obwohl die Unternehmensergebnisse wiederum nicht schlecht seien. «Klar ist, dass derzeit eine starke Risikoaversion an den Märkten vorherrscht.» Sprich: Aktien bleiben wenig attraktiv.

Zahlreiche Störfaktoren

An den Kapitalmärkten gibt es darüber hinaus eine Reihe von Störfaktoren: Das sind eine nach wie vor geringe Liquidität und eine geringe Zahl an Marktplayern. Eine weitere Bedrohung für die US-Wirtschaft kommt vom Öl: «Die Gefahr besteht, dass der Ölpreis wegen Naturkatastrophen und Wirbelstürmen wieder hochgeht», so Rosen. Das sei deshalb problematisch, weil das teurere Öl die Inflation anheizt. Besonders im letzten Drittel dieses Jahres sei die Inflation in den USA gefährlich, weil zu dieser Zeit mit dem Weihnachtsgeschäft der Konsum im Fokus steht.

Aktienmärkte werden sich erholen

Mittelfristig gehen Analysten aber von einer Beruhigung der Märkte aus. «Risikoreichere Anlagen werden wieder zulegen», sagt Rosen. «Wachstumsfantasien» kommen vorwiegend aus den aufstrebenden Märkten Asiens, wo die Nachfrage nach wie vor sehr gut ist. Doch am Ende des Tages werde es auf die Gegenüberstellung der USA und Europas hinauslaufen: «Europa wird weiter mit Schuldenproblemen beschäftigt sein. Und die USA haben eine bessere Wachstumsdynamik als Europa, eine expansivere Notenbank als die EZB und bessere Gewinnsituationen der Unternehmen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.08.2011, 11:31 Uhr

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