Der nächste Hayek

Als Kind sass er bei Grossvater Nicolas Hayek auf dem Schoss und studierte mit ihm Bilanzen, später eröffnete er ein Restaurant, heute ist er Chef dreier Uhrenmarken – und Kronprinz des Swatch-Konzerns.

Er stamme nicht aus einer Dynastie, «in welcher einem alles in die Wiege gelegt wird»: Marc Hayek gibt an der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld in Basel ein Interview.

Er stamme nicht aus einer Dynastie, «in welcher einem alles in die Wiege gelegt wird»: Marc Hayek gibt an der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld in Basel ein Interview. Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

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Das ist ein Hayek? Ohne wild wuchernde Augenbrauen, in perfekt sitzendem Anzug, mit Krawatte und nur einer einzigen, dafür 160'000 Franken teuren Uhr am Handgelenk?

Ja, das ist einer: Marc Alexander Hayek, 43 Jahre alt, Sohn von Nayla Hayek, der Verwaltungsratspräsidentin der Bieler Swatch-Gruppe, und Neffe von Konzernchef Nick Hayek. Marc ist Naylas einziges Kind, er kam auf die Welt, als sie 19 Jahre alt war; die Eltern liessen sich bald wieder scheiden. So wuchs er im aargauischen Meisterschwanden bei seinen Grosseltern auf – bei Marianne und Nicolas Hayek.Nun sitzt Marc Hayek im Zimmer Nummer 1 des dreistöckigen Pavillons der Uhrenmarke Breguet in den Hallen der Baselword. Hier, an der grössten Uhrenmesse der Welt, empfängt Hayek eine Woche lang im Akkord Uhrenhändler aus allen Kontinenten. «Die Bestellungen, die an der Messe eingehen, machen die Hälfte unseres Jahresumsatzes aus», sagt Hayek. Er leitet neben Breguet auch zwei andere Luxusmarken der Swatch-Gruppe: Blancpain und Jacquet Droz.Ein seriöses Geschäft, wo man sich weniger Frechheiten erlauben kann als etwa bei der Marke Swatch, über welche sein Onkel Nick Hayek einst zum Konzern kam. Dieser stellt sein Rebellentum gerne demonstrativ zur Schau, hängt eine Piratenfahne an sein Bürofenster in Biel, vertritt unkonventionelle politische Positionen und zündet sich auch gerne während eines Interviews oder einer Pressekonferenz eine Zigarre an. Kein Schweizer Konzernchef ist für die Medien interessanter.

Gummibärchen im Konferenzraum

Neben seinem Onkel wirkt der junge Hayek im Anzug ziemlich korrekt. Doch auch er ist nicht ohne Schalk: Als vergangene Woche an der Jahresmedienkonferenz der Swatch-Gruppe ein Konzernleitungsmitglied technische Details erläuterte, zückte die neben Marc sitzende Nayla einige Säckchen Gummibärchen. Seelenruhig öffneten die beiden eines und begannen, die kleinen Bären vor den Augen der Journalisten zu verspeisen.

Für Marc Hayek hatte sein 16 Jahre älterer Onkel Nick mehr die Rolle eines grossen Bruders. Angesprochen auf das Rebellische seines Onkels, meint Marc, dieser habe sich wohl mehr von seinem Vater abgrenzen wollen als er. «Ich bin anders als mein Onkel. Aber ob ich so viel weniger der Rebell bin als er, da bin ich mir gar nicht so sicher.»Marc Hayek spricht überlegt, aber nicht langsam. Er will möglichst alle Argumente vorbringen, Polemik ist ihm fremd. Als während des Gesprächs ein Mitarbeiter in den Raum kommt und einige Breguet-Modelle mitnimmt, verliert er kurz den Faden und entschuldigt sich dafür.Marc schaute seinem Grossvater Nicolas schon über die Schulter, als dieser noch mit seiner Hayek Engineering als Unternehmensberater tätig war. Privatleben und Berufliches sei bei den Hayeks nie getrennt worden, schreibt Jürg Wegelin in seiner inoffiziellen Hayek-Biografie «Mister Swatch». So schildert es auch der Enkel des 2010 verstorbenen Patriarchen: «Ich sass bei meinem Grossvater auf dem Schoss und schaute ihm zu, wie er Budgets erstellte und Bilanzen las. Ich war fasziniert davon, wie er aus den Zahlen lesen konnte – obwohl ich natürlich noch nichts davon verstand.»

Marc Hayeks Karriere begann schon früh in der Swatch-Gruppe, über die sich sein Grossvater unterdessen die Kontrolle gesichert hatte. Nach einem Semester als Maschineningenieur-Student und einem Betriebswirtschaftsstudium in Kalifornien wurde er mit 21 Jahren Marketing-Assistent bei Swatch, zwei Jahre später wechselte er zu Certina.Dann verliess Hayek aber den Konzern, um in Zürich das Colors zu eröffnen, ein Restaurant mit Fokus auf Wein und Zigarren. «Ich war eine Nummer in einer grossen Firma, deshalb wollte ich auch einmal raus aus dieser Struktur. Mein Grossvater liess mich gehen, aber insgeheim hoffte er, dass ich in der Swatch-Gruppe weitermachen würde.»

Ein verlockendes Stellenangebot

2002 stand bei der neu zur Gruppe gestossenen Luxusmarke Blancpain ein Chefwechsel an. «Da sagte ich mir: Wow, das ist ein Traumjob.» Der Grossvater konnte Marc mit diesem Stellenangebot zurück ins Unternehmen holen. Heute sitzt Marc Hayek auch in der Konzernleitung. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass er – in vielleicht fünf bis zehn Jahren – seinen Onkel als Chef der Swatch-Gruppe ablösen wird. Die Besitzverhältnisse erlauben es den Hayeks, trotz Börsenkotierung so langfristig zu denken und zu handeln.

Wie oft wurde er schon auf die Buddenbrooks angesprochen, auf die untergehende Familiendynastie aus Thomas Manns Epos? Marc Hayek lacht. «Gott sei Dank nicht so oft.» Wirklich? «Ich habe den Werdegang meines Grossvaters sehr nahe miterlebt.» – Der Einwanderer aus dem Libanon, der sich in der Schweiz etwas aufgebaut habe. «Als Unternehmensberater betrachtete er immer sehr stark die Kostenseite. Das entspricht nicht dem Bild einer Dynastie, in welcher einem alles in die Wiege gelegt wird», fügt Hayek an.

Er sei aber dankbar dafür, dass er als Kind immer Unterstützung erhalten habe, was Schule und Ausbildung betreffe. Abgesehen davon habe es bei seinem Grossvater aber immer geheissen: «Wer etwas will, muss dafür arbeiten.» So ging Marc Hayek als Siebenjähriger auf Mäusefang, um seine BMX-Velos zu finanzieren. «Bei der Gemeinde bekamen wir 50 Rappen pro Mäuseschwanz. Ich sollte lernen, dass das Geld nicht einfach vorhanden ist.»

«Ich versuche das jetzt bei meinem fünfjährigen Sohn so zu machen. Aber es ist nicht einfach, denn das Lächeln des eigenen Kindes ist einem alles wert», sagt Hayek, der mit einer Kubanerin verheiratet ist. Darf die Hayek-Dynastie also bereits mit einer vierten Generation rechnen? «Natürlich möchte ich, dass er einmal das Gleiche machen wird wie ich. Aber er soll das tun, was er möchte – auch wenn es etwas anderes ist.»

Erstellt: 28.03.2014, 12:54 Uhr

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