«Der nächste logische Schritt»

Glencore plus Xstrata: Dies ergibt den weltweit grössten Rohstoffkonzern. Doch Mick Davis, designierter Chef des Unternehmens, will höher hinaus.

Schweizer Unternehmen mischen im globalen Rohstoffmonopoly mit: Kohleförderung in der australischen Mine Mount Thorley.

Schweizer Unternehmen mischen im globalen Rohstoffmonopoly mit: Kohleförderung in der australischen Mine Mount Thorley. Bild: Reuters

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Dass das Zeitalter der Fusionen vorbei sei, war im Rohstoffsektor in den letzten Jahren die gängige Ansicht. Nach Rio Tintos Übernahme von Alcan im Jahr 2007 war 2008 die Übernahme der Rio Tinto Group durch den australisch-britischen Rohstoffkonzern BHP Billiton gescheitert. 2009 versuchte auch Xstrata vergeblich, mit dem Minenkonzern Anglo American zu fusionieren. In einer Phase tiefer Rohstoffpreise schienen die Pfründen im Rohstoffsektor verteilt – derweil die Finanzbranche krisenbedingt nicht eben mit Mitteln für weitere Übernahmeabenteuer zur Hand war.

Doch fundamentale Zusammenhänge ändern sich nicht: Je höher die Marktanteile, je breiter die Diversifizierung und desto vorteilhafter können sich Rohstoffkonzerne im Weltmarkt positionieren. Die Zuger Konzerne Glencore und Xstrata haben dies realisiert und nun den Zusammenschluss angekündigt.

Dadurch könnte ein Gebilde entstehen, das Julius-Bär-Chefstratege Christian Gattiker als «Schwergewicht» bezeichnet: Gemessen am zusammengezählten Umsatz in Rohstoffabbau und -handel wird Glencore Xstrata International plc die unangefochtene Nummer Eins der Welt. Gemessen am Gewinn – 2011 erzielten die beiden Konzerne zusammen über 16 Milliarden US-Dollar – steigt das neue Unternehmen zur weltweiten Nummer drei im Rohstoffsektor auf.

Der Traum der CEOs

Für die Chefs von Glencore und Xstrata soll dies jedoch erst der Anfang sein – denn noch sind Konkurrenten vie Vale, BHP Billiton oder Rio Tinto im reinen Bergbau umsatzmässig grösser im Geschäft. Als «nächsten logischen Schritt» bezeichnet der designierte CEO und bisherige Xstrata-Chef Mick Davis im offiziellen Communiqué deshalb die Fusion. Branchenkennern zufolge strebt Davis nach Höherem: Zusammen mit Studienfreund und Glencore-Chef Ivan Glasenberg, der Davis künftig als Vize-CEO zur Seite stehen wird, will er den fusionierten Konzern auch im Bergbau zur weltweiten Nummer eins machen.

Als «Unikat» im Rohstoffsektor, wie ZKB-Analyst Daniel Benz den neuen Konzern ansieht, hätte Glencore Xstrata zumindest ein paar Vorteile auf seiner Seite. Dank der Fusion mit Xstrata dürfte das Handelsunternehmen Glencore den Status als sichere Anlage für institutionelle Investoren behalten und somit weiterhin über gute Finanzierungskonditionen verfügen. Durch die Übernahme der Xstrata-Minen verschafft sich Glencore zudem eine grössere Versorgungssicherheit – ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber der Konkurrenz, gerade in turbulenten Börsenzeiten.

Wiedervereinigung der Geschiedenen

Die anstehende Fusion ist auch die Wiedervereinigung zweier ungleicher Führungskräfte. Glencore-Chef Ivan Glasenberg und sein Gegenpart bei Xstrata, Mick Davis, kennen sich seit Studienzeiten. Glasenberg, seit 1984 bei Glencore an Bord, stieg 2002 zum CEO beim Unternehmen auf. Als Hauptaktionär liess er sich seine Beteiligung durch den Börsengang 2011 vergolden; Glasenbergs geschätztes Vermögen liegt bei über acht Milliarden Dollar. Dem Vernehmen nach soll er auf die Fusion gedrängt haben – derweil sein Konterpart Davis den Job als CEO zur Bedingung für die Fusion gemacht haben soll.

Davis, 2001 von Billiton zu Xstrata gestossen, pushte das Unternehmen in den letzten zehn Jahren zum globalen Minenkonzern hoch. Xstrata wuchs zwischen 2001 und 2011 von einem 500-Millionen-Zwerg zum Unternehmen mit einem Marktwert von knapp 60 Milliarden heran. Der als «Freibeuter» charakterisierte Davis reihte Übernahmen aneinander, Xstrata wuchs zu einer Firma mit über 70'000 Angestellten an. 2001, zwei Jahre nachdem die ehemalige Gesellschaft Südelektra zur Xstrata wurde, waren es noch 2500 gewesen. Davis' Vermögen blieb derweil vergleichsweise bescheiden. Berichten zufolge soll es rund 40 Millionen Dollar betragen.

Expandieren – aber wo?

Um die grossen Bergbaukonzerne BHP Billiton, Vale und Rio Tinto zu überholen, wird Davis sich allerdings einiges einfallen lassen müssen. ZKB-Analyst Benz zufolge sind weitere Übernahmen von Minen aus aller Welt denkbar – aber auch andere Standbeine wie der Argrarbereich könnten zum vereinigten Handels- und Bergbauunternehmen passen. Potenzial nach oben gibt es jedenfalls noch bei den Rohstoffen Kupfer und Nickel, hier rangiert die fusionierte Zuger Firma global an vierter Stelle. Bereits heute wäre der Konzern weltweit der grösste Förderer von Kraftwerkskohle und Zink.

Chefstratege Christian Gattiker schätzt die Chancen von Glencore Xstrata, dereinst zur Nummer eins im Bergbau zu werden, etwas skeptischer ein. Gut möglich, dass Wettbewerbsbehörden weiteren Grossfusionen gegenüber künftig kritischer eingestellt sein werden, meint Gattiker. Doch für den designierten Unternehmenschef Rick Davis scheint auch dieses Kapitel noch nicht ganz abgeschlossen: Wie ein Analyst jüngst gegenüber der «Basler Zeitung» sagte, sei das Thema Anglo-American in der Chefetage des Zuger Bergbaukonzerns noch nicht vom Tisch.

Erstellt: 07.02.2012, 14:52 Uhr

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Die kumulierte Marktmacht des fusionierten Rohstoffkonzerns öffne Missbräuchen Tür und Tor: Dies schreibt die Erklärung von Bern (EVB) in einer Medienmitteilung, in der sie auf die Risiken des Zusammenschlusses von Glencore und Xstrata hinweist.

Nach Ansicht der EVB muss sich der als Börsenliebling und Nachhaltigkeitsprimus in der Branche bekannte Konzern Xtrata Sorgen machen, dass sein Image durch die Fusion mit Glencore nicht beeinträchtigt wird. Glencore stand wegen Geldwäscherei, Korruption, Steuervermeidung und Menschenrechtsverletzungen in der Kritik.

Xtrata sei demgegenüber kein Vorzeigekonzern, zeige aber immerin Anstrengungen in Sachen Nachhaltigkeit, schreibt die Erklärung von Bern. Die Organisation appelliert an die Aktionäre von Xstrata, die Wahrung von Nachhaltigkeitsstandards auch in einem fusionierten Konzern sicherzustellen.

Gehört zu den Top 3 der Bergbaukonzernen: Mine von BHP Billiton in Westaustralien. (Bild: Keystone )

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