Der ungeliebte dritte Platz

Die Entlassungswelle bei Microsoft zeigt, welche Probleme den Softwareriesen in der Mobiltelefonsparte plagen. Das Unternehmen versucht nun ein Comeback mit günstigen Geräten.

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Die Stellenkürzungen in der Nokia abgekauften Mobilfunksparte sprechen Bände: Microsoft tut sich schwer im Smartphone-Markt. Dabei liessen die erfrischend anders aufgebaute Plattform und die solide Hardware aus finnischer Produktion einiges hoffen. Windows Phone begründete beim Start sogar einen Trend mit der flach gestalteten Kacheloberfläche, mit der Windows Phone 2010 debütierte. Die Konkurrenz näherte sich hier an: Ein klareres, schnörkelfreies Design setzte sich Stück für Stück auf den anderen Plattformen durch. Abgesehen davon sieht es aber aktuell nicht rosig aus im Handygeschäft. Microsofts COO Kevin Turner brachte das Dilemma vergangene Woche auf den Punkt:

Baustelle App-Angebot

Der verglichen mit den Konkurrenten Apple und Google späte Start ins Smartphonegeschäft macht Microsoft nach wie vor zu schaffen. Windows Phone hat es trotz viel Marketingaufwand verpasst, grössere Käuferschichten anzusprechen, und liegt mit 2,7 Prozent Marktanteil (im ersten Quartal, gemäss IDC) deutlich hinter iOS (15,2 Prozent) und Android (81,1 Prozent). Und Microsoft kämpft dabei mit einem Henne-und-Ei-Problem: Das App-Angebot von Windows Phone liegt zahlenmässig zurück, was Kunden zu anderen Produkten greifen lässt. Apps zu programmieren wird wiederum für Entwickler nur attraktiv, wenn der Kundenstamm ausreichend gross ist.

Microsoft gab die Übernahme von Nokias Mobilfunksparte im September 2013 bekannt. Branchen-Beobachter sahen diese schon damals skeptisch. Der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer verteidigte die Entscheidung damit, künftig die Stückzahlen stärker nach oben treiben zu können – um damit die Windows-Plattform auch für App-Entwickler attraktiver zu machen. Dass seither die Marktanteile in wichtigen Ländern wie den USA, Deutschland oder China sanken oder stagnierten, liess bereits vor Monaten Zweifel an diesem Kurs aufkommen. Der jetzige Stellenabbau könnte dieses Problem weiter verschärfen. Microsoft muss nun demonstrieren, welche Zukunft es für seine mobile Sparte sieht und wie man Entwickler bei der Stange halten will.

Günstige Telefone als Hoffnung

Wenn es eine Zukunft für Telefone aus der von Nokia übernommenen Handysparte gibt, liegt diese dennoch bei Microsofts Windows Phone, das sagte Handysparten-Chef Stephen Elop gestern deutlich. Klar machen dies auch die schrumpfenden Verkaufszahlen der Feature Phones, also Nicht-Smartphones. Nokia hatte mit diesen dereinst den Markt dominiert und noch 2012 300 Millionen davon verkauft. Dieser Bereich war einst ein glänzendes Geschäft, auch wegen Nokias beeindruckender Fähigkeit, mit 20-Franken-Telefonen wie dem Nokia 105 noch gutes Geld zu verdienen. Angesichts von Smartphones zu Kampfpreisen von 100 Dollar, unter anderem mit dem Android-Betriebssystem, sinkt dieser Stern aber schon länger. Stephen Elop geht nun in die Geschichte ein als der Manager, während dessen Amtsdauer über 50'000 Stellen bei Nokia abgebaut wurden.

Der Konzern hatte mit seiner im Frühjahr vorgestellten X-Sparte auf die neue Billigkonkurrenz reagieren wollen. Microsoft macht jedoch diese zaghaften Schritte hin zu Android wieder rückgängig: Die Nokia-X-Reihe wird laut Stephen Elop künftig auf Windows laufen. Damit legt Microsoft einen Fokus auf preisgünstige Modelle. Das verwundert nicht: Wachstumsmärkte und Schwellenländer haben einen gewaltigen Bedarf nach Smartphones. Die Zukunft von Windows Phone wird sich hier entscheiden.

Erstellt: 18.07.2014, 10:18 Uhr

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