Die 190’000’000’000-Dollar-Rechnung

Der britische Rohstoffkonzern Acacia liegt im Streit mit der Regierung von Tansania. Der Staat greift nun zu einer drastischen Massnahme.

Die tansanische Regierung will viel Geld vom Minenkonzern Acacia: Eine Goldmine im ostafrikanischen Staat.

Die tansanische Regierung will viel Geld vom Minenkonzern Acacia: Eine Goldmine im ostafrikanischen Staat. Bild: Trevor Snap (Bloomberg, Getty)

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Es ist die wahrscheinlich höchste Steuerrechnung der Welt. 40 Milliarden Dollar verlangt Tansania vom britischen Minenkonzern Acacia. Doch damit nicht genug: hinzu kommen noch Zinsen und Strafgebühren über 150 Milliarden Dollar. Das macht insgesamt rund 190 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen mitteilt.

Die Regierung wirft Acacia vor illegal im Land tätig zu sein und dass das Unternehmen seit über zehn Jahren fällige Steuern umgehe. Der Betrag entspricht mehr als dem Vierfachen der gesamten Wirtschaftsleistung des ostafrikanischen Landes.

Die Summe könnte vielleicht Apple stemmen. Der iPhone-Hersteller sitzt auf einem Cash-Berg von weit über 250 Milliarden Dollar. Für Acacia sprengt sie aber jeden Rahmen. Die Firma hat im letzten Geschäftsjahr gerade einmal einen Umsatz von 1 Milliarde Dollar erzielt. An der Börse kam die überraschende Nachricht denn auch schlecht an. Die Acacia-Aktien verloren in den letzten Tagen über 40 Prozent ihres Börsenwerts.

Acacia wehrt sich

Acacia wehrt sich vehement gegen die Forderung der tansanischen Regierung. Die Firma habe immer alle Einnahmen offengelegt, heisst es in einer Stellungnahme. Sie hat daher angekündigt, sich mit allen juristischen Mitteln dagegen zu wehren.

Acacia ist ein Minenkonzern, der ausschliesslich in Tansania nach Gold und Kupfer schürft. Im ostafrikanischen Staat ist die Firma seit 20 Jahren tätig und betreibt dort drei Minen. Direkt und indirekt sollen mehr als 35’000 Arbeitsplätze an den Förderstellen hängen. Damit ist Acacia, laut eigenen Angaben, der grösste Investor und Arbeitgeber im Land.

Das Hauptquartier liegt aber nicht in Ostafrika, sondern in London. Acacia hat zudem einen prominenten Eigner. Rund zwei Drittel der Firmenanteile des Rohstoffkonzerns werden von Barrick Gold gehalten. Das kanadische Unternehmen ist der gösste Goldförderer der Welt.

Langer Zwist mit der Regierung

Der Streit von Acacia mit der Regierung von Tansania hat nicht erst mit der horrenden Steuerrechnung begonnen. Er dauert schon länger an. Im März hat der Staat ein Exportverbot für die Erzeugnisse von Acacia verhängt. Durch den Exportbann entfallen dem Rohstoffkonzern tägliche Einnahmen von rund 1 Million Dollar. Das Unternehmen droht damit, die Bulyanhulu-Mine, die grösste Förderstätte von Aacacia, so lange stillzulegen, bis der Streit gelöst ist. Das wäre auch ein herber Schlag für die Wirtschaft des Landes.

Die Summe von 190 Milliarden Dollar ist gewaltig. Zum Vergleich: Die 50 grössten Banken aus den USA und Europa haben laut einer Studie des US-Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) seit der Finanzkrise Bussen im Umfang von mehr als 320 Milliarden Dollar bezahlt. Den teuersten Strafzettel erhielt die Bank of America. Das US-Geldhaus kassierte eine Strafe über rund 16 Milliarden Dollar für seine Verwicklung in die US-Immobilienkrise.

Todesfälle in den Minen

Es ist auch nicht der einzige Rechtsstreit, in den Acacia verwickelt ist. In den Minen des Unternehmens ist es in den letzten Jahren zu mehreren Todesfällen gekommen. Laut dem britischen «Telegraph» vertritt eine Anwaltskanzlei die Familien von zehn Opfern. Sie werfen Acacia vor, den betroffenen Familien kaum Unterstützung zukommen zu lassen.

Acacia wurde schon früher von Menschenrechtsorganisationen dafür kritisiert, nicht ausreichend für die Sicherheit auf dem Minengelände zu sorgen. Das Unternehmen weist darauf hin, dass es in den letzten Jahren viel investiert habe, um die Situation zu verbessern, berichtet der «Telegraph».

Erstellt: 25.07.2017, 15:48 Uhr

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