Die Assura hat trotz Finanzloch neue Kunden gewonnen

Die Billigkasse wächst weiter – so wie die meisten anderen grossen Krankenversicherer. Die Kleinen verlieren, halten aber nichts von Übernahmen.

Egal ob gross oder klein, einfacher wird das Geschäft nicht: Die Versicherungskarten der Schweizer Krankenkassen.

Egal ob gross oder klein, einfacher wird das Geschäft nicht: Die Versicherungskarten der Schweizer Krankenkassen. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Die Verliererin des Jahres ist die Helsana. 50'000 Versicherte haben ihr und ihren Tochtergesellschaften letzten Herbst den Rücken gekehrt. Dies, weil die Helsana ihre Tochterkassen Avanex und Sansan aufgelöst hat. Die Grundversicherten wurden der Helsana selbst und der verbleibenden Tochter Progrès zugeteilt und hätten in einigen Kantonen 2017 deutlich höhere Prämien bezahlen müssen.

Gemessen in absoluten Zahlen heissen die beiden Gewinner Swica und Assura, wie eine Umfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt. Die Swica konnte unter dem Strich 35'000 neue Kunden gewinnen. Die Versicherung führt den Erfolg darauf zurück, dass sie in den letzten Jahren immer vorsichtig kalkuliert hat und deshalb die Prämien nie überproportional erhöhen musste.

Bei der zweiten Gewinnerin Assura liegt der Fall anders: Die Billigkasse aus der Romandie wuchs stark und musste nun die Grundversicherungsprämien überdurchschnittlich erhöhen, sodass sie in den meisten Kantonen und Modellen nicht mehr die günstigste Kasse ist. Trotzdem konnte sie 34'000 neue Kunden gewinnen. Als letzter Krankenversicherer publizierte die Assura gestern ihren Geschäftsbericht. Aus diesem geht hervor, dass die Finanzen 2016 wieder ins Lot gekommen sind. 2015 hatte die Assura in der Grundversicherung einen Verlust von einer Viertelmilliarde Franken erzielt. Nun weist die Assura einen Reingewinn von 27 Millionen Franken aus, wobei dieser auch den Gewinn aus der Zusatzversicherung beinhaltet.

Ein grosser Brocken ist für die Assura nach wie vor die Zahlung in den Risikoausgleichstopf. Weil sie mit ihrer Strategie «Tiefe Prämien, minimaler Kundendienst» viele Junge und Gesunde angezogen hat, ist sie heute als viertgrösste Grundversicherin die grösste Risikoausgleichszahlerin: Letztes Jahr flossen 705 Millionen Franken und damit ein Viertel der Assura-Prämieneinnahmen über den Topf an andere Versicherer.

Gründe für das Wachstum

Bei den Versicherten der KPT kam die überdurchschnittliche Prämienerhöhung hingegen nicht gut an: Die Berner Krankenversicherung ist eine der 3 Verliererinnen unter den 14 grossen Schweizer Kassen. Die dritte ist die EGK, die betont, dank der jüngsten Prämienerhöhung wieder über eine solide Solvenzquote zu verfügen.

Wie kann es sein, dass praktisch alle grossen Kassen gewachsen sind? Dafür gibt es zwei Gründe. Einerseits ist die Wohnbevölkerung während des letzten Jahres um 90'000 gestiegen. Und dar­über hinaus haben die grossen den kleinen Kassen weitere Marktanteile abgejagt. So kommen die rund zwei Dutzend kleinen Versicherer noch auf insgesamt 170'000 Kundinnen und Kunden – das sind gerade noch 2 Prozent der Bevölkerung. Diesen Schrumpfungsprozess beschleunigt hat die Dübendorfer Krankenkasse Kolping, die horrende Verluste schrieb und schliesslich von der Sympany geschluckt wurde. So gingen per 1. Januar rund 17'000 Versicherte an die Sympany über.

Die Kleinen sind zäh

Damit ist der Konzentrationsprozess indes noch nicht zu Ende. Viele grössere Kassen würden liebend gern einen kleinen Konkurrenten schlucken, um selbst zu wachsen. Doch die kleinen, meist lokal verwurzelten Kassen sind zäh – und weil sie als Stiftung, Verein oder Genossenschaft organisiert sind, gibt es auch keinen Aktionär, der Druck machen könnte für eine Fusion. Im Gegenteil: Die Verwaltungsräte und Chefs der kleinen Kassen hängen an ihren Mandaten. Wer sie von einer Fusion überzeugen will, muss einen günstigen Zeitpunkt abwarten, etwa eine anstehende Pensionierung.

Egal ob gross oder klein, einfacher wird das Geschäft nicht. Die Gesundheitskosten steigen gemäss Prognosen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich dieses und nächstes Jahr um je 3,9 Prozent. So werden die meisten Versicherer Ende September weitere Prämienerhöhungen ankünden müssen – und so wiederum als Prügelknaben für das teure Gesundheitssystem herhalten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.06.2017, 21:40 Uhr

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