Die Bankfiliale als Auslaufmodell?

Die Hälfte der Bankfilialen wird laut einer Studie verschwinden. Tagesanzeiger.ch/Newsnet fragte die Leser, was sie von ihrer Bank erwarten – und hat überraschende Antworten erhalten.

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«Wie oft betreten Sie eine Bankfiliale und wie beurteilen sie den Service der Schweizer Banken?», wollten wir von Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Nutzern wissen. 3194 Newsnet-Leser und -Leserinnen haben sich an der Umfrage beteiligt.

Im Hinblick auf das Onlinebanking und den Besuch von Filialen dürfte die Newsnet-Leserschaft dem Bankkunden der Zukunft sehr nahekommen: 66 Prozent erledigen ein- oder mehrmals pro Woche Bankgeschäfte übers Internet, weitere 22 Prozent einmal im Monat. Nur 13 Prozent nutzen Onlinebanking «selten oder nie». Entsprechend gehen 58 Prozent der Leser «selten oder nie» in ihre Bankfiliale, 52 Prozent kämen mit einer Ausdünnung des Filialnetzes gut zurecht.

Banken gestalten ihr Filialnetz um

Fragt man Schweizer Banken nach ihren Plänen, das Filialnetz zu verkleinern, will von derartigen Absichten niemand etwas wissen. Im Vordergrund steht der Umbau bestehender Filialen zur Anpassung an die neuen Bedürfnisse der Kundschaft. Die UBS ist gerade dabei, alle 300 Geschäftsstellen neu zu gestalten. Anstelle von Schaltergeschäften liege der Schwerpunkt heute und in Zukunft bei der persönlichen Beratung, erklärt UBS-Sprecher Andreas Kern.

Auch Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank wollen ihre Filialnetze beibehalten, künftig aber stärker auf den freundlichen Empfang und die individuelle Beratung setzen. In der CS-Filiale in der Zürcher Uraniastrasse wird der Kunde von einem «floor manager» begrüsst, der seine Bedürfnisse abklärt und ihn dann zum richtigen Berater begleitet. Bis 2015 sollen alle Filialen der Credit Suisse in der Schweiz umgebaut sein.

Am wichtigsten sind gute Konditionen

Auch die ZKB zeigt mit ihrer neuen Filiale in Kloten, wie sie sich die Bank der Zukunft vorstellt. In hellen, offenen Räumen werden die Kunden empfangen und dann im persönlichen Beratungsgespräch über Anlageprodukte, Hypotheken oder Kreditkonditionen informiert. Bei 34 Prozent der Newsnet-Leser setzen die Banken damit auf das richtige Pferd: Ihnen ist die persönliche Beratung bei ihrer Bank am wichtigsten.

Auf sehr geringes Interesse stossen jedoch Angebote zur Geldvermehrung: Nur für drei Prozent der Umfrageteilnehmer sind interessante Anlageprodukte das wichtigste Kriterium zur Beurteilung ihrer Bank. Ganz oben auf der Wunschliste der Newsnet-Leser stehen dagegen gute Konditionen. Für 48 Prozent der Befragten sind die Kosten von Kontoführung und Transaktionen wichtiger als alles andere.

Mängel beim Onlinebanking

Angesichts der intensiven Nutzung des Onlinebankings erstaunt es nicht, dass 33 Prozent der Umfrageteilnehmer sich benutzerfreundlichere und mobilere Software wünschen. Für 20 Prozent könnte das Onlinebanking praktischer gestaltet werden, 13 Prozent hätten zudem gerne Anwendungen für ihr iPhone oder Smartphone. 15 Prozent könnten auf Bankfilialen völlig verzichten, da ihre Bedürfnisse mit dem Onlinebanking abgedeckt sind.

Über alle Bereiche hinweg betrachtet, beantworten 46 Prozent der Leser die Frage «Bieten Schweizer Banken einen guten Service?» mit «Ja, absolut». Für 45 Prozent könnte der Service besser sein und nur neun Prozent sind mit dem Service «überhaupt nicht» zufrieden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.07.2012, 15:17 Uhr

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