Die Credit Suisse erfährt in den USA Schonung

Dank einer Ausnahmebewilligung darf die Grossbank weiter für die wichtigen Pensionskassen tätig bleiben – trotz strafrechtlicher Verurteilung. Mitgeholfen hat möglicherweise auch grosszügiges Spenden.

Kooperation mit den US-Behörden, lautet die Devise: Die Credit-Suisse-Filiale in Manhattan. Bild: Keystone

Kooperation mit den US-Behörden, lautet die Devise: Die Credit-Suisse-Filiale in Manhattan. Bild: Keystone

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Die Credit Suisse (CS) hat in den USA einen grossen Rückschlag abwenden können. Die Schweizer Grossbank darf trotz strafrechtlicher Verurteilung weiterhin für die wichtige Kundschaft der amerikanischen Pensionskassen tätig bleiben. Nach ihrer 2,8-Milliarden-Dollar-Strafe im Frühling 2014, bei der sich die CS einer Straftat schuldig bekennen musste, stand das auf der Kippe. Einzig dank einer zwölfmonatigen Sonderbewilligung durften die Schweizer vorerst weiterhin die Pensionskassen mit ihren Investmentbank-Dienstleistungen und der Vermögensberatung betreuen. Nun meldet die «Financial Times», dass das US-Arbeitsministerium nach rund zwölf Monaten Prüfzeit zum Schluss gekommen ist, der CS wieder eine längere Bewilligung zu gewähren. Diese ist gültig für die nächsten fünf Jahre. Schon zuvor waren solche Bewilligungen jeweils für mehrere Jahre gewährt worden. Eine CS-Sprecherin wollte sich nicht zum Entscheid der US-Behörde äussern.

Die Verschonung der CS von einem Ausschluss vom Pensionskassenmarkt werfe erneut die Frage auf, warum systemrelevante Banken «über US-Gesetzen» stehen würden, meint ein Vertreter von Better Markets in der «Financial Times», eine US-Organisation, die das Wallstreet-Bankensystem mit Blick auf weniger Risiken für den Steuerzahler reformieren will. Damit würde die Credit Suisse nicht, wie vom Gesetz vorgesehen, bestraft, sondern geschützt.

Laut der «Financial Times» hätte ein negativer Entscheid des Arbeitsdepartements in Washington schwerwiegende Konsequenzen für die Credit Suisse gehabt. Die finanzstarken Pensionskassen hätten ihre Vermögen nicht mehr von den Schweizern verwalten lassen dürfen, sondern hätten diese Konkurrenten anvertrauen müssen.

Den Aufpasser bei Laune halten

Die Investoren nahmen die Nachricht positiv auf. Die CS-Aktie legte heute Vormittag an der Schweizer Börse deutlich mehr zu als die UBS und die Julius Bär.

Möglicherweise haben weitreichende Kooperationen der CS-Führung seit der Verurteilung vor anderthalb Jahren den Entscheid der US-Behörde günstig beeinflusst. So sticht ins Auge, wie sehr die Verantwortlichen nichts unversucht lassen, den von den USA ins Haus gesetzten Aufpasser bei Laune zu halten.

Dieser heisst Neil Barofsky und ist ein amerikanischer Sonderanwalt, der zusammen mit seinen Leuten seine Zelte am CS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz und eines im New Yorker Ableger der CS aufgeschlagen hat und von dort aus Zugang zum CS-E-Mail-System und vielen weiteren zentralen Informationen hat. Im Juli schaltete Barofsky unter dem Namen «Integrity Line» sogar eine Webseite auf, welche Whistleblower sucht, um weitere Taten der CS aufzuspüren.

CS-Chefjurist Romeo Cerutti, bat die Mitarbeiter gleichzeitig, mit dem US-Aufpasser zusammenzuarbeiten. Dessen Untersuchungen hätten mögliches «Fehlverhalten» und die «Beteiligung einzelner Personen an diesem Fehlverhalten» zum Ziel.

Wohlwollendes Verhalten der Mannschaft sei für die CS von entscheidender Bedeutung. «Der Erfolg der Überprüfung hängt von allen Ebenen der Bank, einschliesslich des Senior-Managements, ab, und wir bitten Sie um Ihre volle Unterstützung, damit die konstruktive und kooperative Beziehung, die wir zum Monitor aufgebaut haben, Bestand hat», bat Chefjurist Cerutti in einem Mail sämtliche CS-Banker.

19 Millionen Dollar für US-Parteien gespendet

Zur jetzt erfolgten Verschonung der CS vor einem drastischen Beschneiden ihres Geschäfts in den USA könnten auch die vielen Spenden von Mitarbeitern und Managern für die amerikanischen Parteien beigetragen haben. Gemäss Open Secrets, einer unabhängigen US-Polit-Organisation, spendeten CS-Angestellte den wichtigen Parteien und ihren Vertretern insgesamt fast 19 Millionen Dollar. Davon gingen 8 Millionen an die Demokraten und 11 Millionen an die Republikaner.

Die CS liegt damit an 85. Stelle und hinter der UBS. Die seit ihrem Kauf von Paine Webber im Jahr 2000 führende US-Vermögensverwaltungsbank und Nummer 1 der Schweiz gab bisher für Politfinanzierungen 24 Millionen Dollar aus, mit deutlicher Bevorzugung der Republikaner. Am meisten unter den Finanzhäusern hat Goldman Sachs mit 52 Millionen gespendet, wovon die Demokraten etwas mehr erhielten als die Republikaner. Etwas hinter der bekannten Investmentbank liegen die Universalbanken Citigroup und die JP Morgan Chase mit je 35 Millionen Dollar.

Seit 2002 auf der Liste der grössten Spender

Die CS schaffte es in den Wahljahren der letzten zwölf Jahre, seit die Statistik geführt wird, nicht unter die 50 grössten Spender des US-Politsystems. Die UBS war letztmals 2008 unter den Top 50, zu einem Zeitpunkt also, als sie noch von ihrer Substanz zehren konnte, bevor sie dann vom Subprime-Strudel mitgerissen wurde.

Dass die CS trotzdem über alle Politzyklen seit 2002 auf der Liste der 100 grössten Spender steht, zeigt, dass die Bank respektive ihr amerikanisches Führungspersonal regelmässig und grosszügig den beiden grossen Parteien finanziellen Zustupf leisteten. In der Krise, die seit dem Steuergeständnis von Mai 2014 herrscht, könnten sich solche zuverlässigen «Services» bezahlt machen.

Erstellt: 02.10.2015, 15:59 Uhr

Klarstellung

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung des «Tages-Anzeigers» über die Credit Suisse vom 2. Oktober 2015 veröffentlicht die Redaktion folgende Klarstellung.

Der «Tages-Anzeiger» hat am 2. Oktober 2015 auf der Website www.tagesanzeiger.ch einen Artikel unter dem Titel «Die CS steht in den USA über dem Gesetz» veröffentlicht.
Der «Tages-Anzeiger» erklärt, dass er seine Äusserungen bedauert, sollte er über die Credit Suisse unvollständig, unklar oder nicht korrekt berichtet haben, oder sollte er vom Leser falsch verstanden worden sein. Es war nicht die Absicht des «Tages-Anzeigers», den Eindruck zu erwecken, die Credit Suisse sei eine kriminelle Organisation. Auch war es nicht seine Absicht, den Eindruck zu erwecken,


  • die Credit Suisse sei korrupt,

  • die Credit Suisse versuche mithilfe von Spenden unzulässigerweise Einfluss auf die Bewilligungserteilung amerikanischer Behörden zu nehmen.



Die Redaktion

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