Die Drahtzieher der Finanzwelt

Sie nennen sich schlicht Group of Thirty. Ein exklusiver Club aus Bankern und Ökonomen. Mit dabei sind UBS-Präsident Axel Weber und der ehemalige SNB-Präsident Philipp Hildebrand.

Der Club der Mächtigen: Mitglieder der G-30.
Bild: Screenshot

Der Club der Mächtigen: Mitglieder der G-30. Bild: Screenshot

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In diesen Tagen trifft sich die Elite der Weltwirtschaft und der Weltpolitik in Tokio an der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Am Rande dieses Anlasses findet allerdings noch ein anderes, nicht minder wichtiges Treffen statt. Wie die «Handelszeitung» schreibt (Artikel online nicht verfügbar), trifft sich am kommenden Sonntag die verschwiegene Group of Thirty, auch bekannt als G-30.

Es handelt sich dabei um ein privates, internationales Gremium, bestehend aus führenden Personen aus dem Finanzwesen und der Wissenschaft. Unter ihnen sind auch zwei Vertreter der Schweizer Finanzszene zu finden: Philipp Hildebrand, Ex-Präsident der Nationalbank, und der Deutsche Axel Weber, Präsident der UBS. Die beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS unterstützten die Gruppe letztes Jahr finanziell, schreibt die «Handelszeitung».

Seit über 30 Jahren publiziert die Group of Thirty jährlich einen Bericht zu einem Hauptthema. Diesem wird grosser Einfluss auf die Finanzpolitik zugeschrieben. So war es die Gruppe, die vorschlug, strukturierte Produkte nicht zu stark zu regulieren. Sie setzte sich auch dafür ein, dass Banken gemäss Basel II ihre Risiken selber gewichten dürfen. Das Thema des nächsten Berichts, der im Frühjahr 2013 erscheint, ist der Kapitalbeschaffung von Banken gewidmet.

Machtzentrum der Ökonomen

Die G-30 wurde 1978 als private Non-Profit-Institution gegründet. Als Vorsitzender der Gruppe der Dreissig amtet Paul Volcker. Doch geleitet wird die Gruppe von Jacob A. Frenkel, der einst die israelische Zentralbank geführt hat und Vizepräsident des Versicherungskonzerns AIG war. Heute ist er Verwaltungsratspräsident von JP Morgan Chase International, einem Zweig des Bankenriesen JP Morgan Chase. Neue Mitglieder werden nur aufgenommen, wenn jemand aus dem Club ausscheidet. So wird sichergestellt, dass die Mitgliederzahl stets bei 30 bleibt. Philipp Hildebrand, Ex-Präsident der Schweizerischen Nationalbank, wurde 2008 in die G-30 berufen und ist einer von dreizehn Working Group Members. Dem Club gehören die renommierten US-Professoren Kenneth Rogoff, Martin Feldstein und Paul Krugman an. Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank, ist Mitglied, genauso wie der Italiener Mario Draghi, Präsident des Financial Stability Board.

Die Mitglieder sehen sich jeweils während des IWF-Treffens sowie an zwei weiteren Zusammenkünften im Laufe des Jahres. Daneben gibt es inoffizielle Sitzungen, in denen die Mitglieder – Notenbanker und Finanzaufseher verschiedener Staaten – mit Spitzen der Finanzindustrie zusammentreffen. Die Politologin Eleni Tsingou, die eine Dissertation über die Group of Thirty verfasste, nennt die Mitglieder schlicht «die Drahtzieher der Finanzwelt». (lü)

Erstellt: 12.10.2012, 10:25 Uhr

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