Die EU deckelt die Boni der Banker

Banken in der Europäischen Union dürfen ihren Mitarbeitern künftig höchstens ein Jahresgehalt als Bonus auszahlen. Darauf einigten sich in Brüssel das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten.

«Boni für Banker in der EU werden gedeckelt»: Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt. (Archivbild)

«Boni für Banker in der EU werden gedeckelt»: Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Europäische Union begrenzt ab dem kommenden Jahr die Bonus-Zahlungen für Bank-Manager. «Zum ersten Mal werden in der EU und weltweit die Bonus-Zahlungen für Banker gedeckelt», sagte der Unterhändler des Europaparlaments, Othmar Karas, in Brüssel nach einer Einigung mit den EU-Staaten.

Die rund 8200 europäischen Banken müssen zudem höhere Kapitalpuffer anlegen. Der nächtlichen Einigung waren zehnmonatige zähe Verhandlungen zwischen dem EU-Parlament und den Mitgliedstaaten vorausgegangen. Der nun gefundene Kompromiss sieht vor, dass der Jahres-Bonus das Festgehalt eines Bank-Managers in der Regel nicht mehr überschreiten darf. Stimmt aber die grosse Mehrheit der Anteilseigner einer Bank auf der Hauptversammlung öffentlich dafür, kann der Jahres-Bonus höchstens doppelt so hoch sein wie das Festgehalt.

Die Boni gelten Kritikern als ein Grund dafür, dass Bank-Manager auf der Jagd nach möglichst hohen Sonderzahlungen auf kurzfristige Erfolge setzten und somit auch grosse Risiken eingingen.

«Das ist ein grosser Erfolg»

Die Verknüpfung der Vergütungsbestimmungen für Banker mit der nun ebenfalls auf den Weg gebrachten Richtlinie zum Eigenkapital der Banken hatte das EU-Parlament gefordert. Besonders Grossbritannien, das Nachteile für den Finanzplatz London fürchtet, wehrte sich in den Verhandlungen gegen eine zu starke Begrenzung der Bonuszahlungen.

«Das ist ein grosser Erfolg für das Europäische Parlament», beurteilte Karas den Beschluss. Einzelheiten müssen jedoch noch geklärt werden, auch eine endgültige Zustimmung der EU-Länder steht noch aus. Das Thema soll bei einem Treffen der EU-Finanzminister am Dienstag auf der Tagesordnung stehen.

«Ab 2014 mehr Geld beiseite legen»

Die künftige Regelung soll sich auf alle rund 8200 Banken in der EU ebenso beziehen wie auf die in EU-Staaten tätigen Finanzhäuser aus anderen Staaten. Nach Einschätzung des an den Gesprächen beteiligten SPD-Finanzexperten im Europaparlament, Udo Bullmann, sind von den neuen Bonus-Regelungen beispielsweise rund 500 Manager der Deutschen Bank betroffen. «Das ist eine Revolution in einem Sektor, der keine Regeln mehr kannte», erklärte Bullmann.

Banken sollen sich künftig zudem durch höhere Kapitalpuffer besser gegen Erschütterungen der Finanzbranche wappnen, damit die Staaten angeschlagene Geldhäuser nicht wie in der Finanzkrise mit Milliardenbeträgen aus Steuergeldern stützen müssen. «Ab 2014 müssen die europäischen Banken mehr Geld beiseite legen, um stabiler zu sein und sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren; das ist die Finanzierung der Realwirtschaft, also kleiner und mittlerer Unternehmen sowie von Arbeitsplätzen», sagte Karas. Die Banken sollen demnach künftig 30 Tage lang in der Lage sein, alle ihre Verpflichtungen zu erfüllen. «Das Geld muss flüssiger und beweglicher sein.»

Mit den Kapitalvorschriften setzt die EU die sogenannten Basel-III-Regeln um, wenn auch mit einem Jahr Verspätung. Die international verpflichtenden Basel-III-Regeln wurden vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, einem Zusammenschluss von Notenbanken und Finanzaufsichtsbehörden, im September 2010 beschlossen. Aufgrund der komplizierten Verhandlungen verzögert sich die Umsetzung aber nicht nur in der EU, sondern etwa auch in den USA. (chk/sda/AFP)

Erstellt: 28.02.2013, 04:21 Uhr

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