Die Entfesselung der chinesischen Konsumgewalt

Am sogenannten Single-Tag wurde bei der Plattform Alibaba für 9,3 Milliarden US-Dollar eingekauft.

Rekordtransaktionen nach dem Einkaufsmarathon: Alibabas Jack Ma spricht vor einem Bildschirm, der den Umsatz der Einkaufsaktion vom 11. November in Echtzeit zeigt. Foto: Keystone

Rekordtransaktionen nach dem Einkaufsmarathon: Alibabas Jack Ma spricht vor einem Bildschirm, der den Umsatz der Einkaufsaktion vom 11. November in Echtzeit zeigt. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als Mutter von 22 Monate alten Zwillingen sehnt sich Lian Yingfei abends nach dem eigenen Bett. In der Nacht zum vergangenen Dienstag machte die berufstätige Frau aus Shanghai jedoch eine Ausnahme. Der jährliche Einkaufsmarathon des chinesischen IT-Riesens Alibaba am jeweils 11. November lockte sie nach Mitternacht vor den Computer.

Punkt 0.00 Uhr hagelte es über die zwei Alibaba-Handelsplattformen Taobao und Tmall 24 Stunden lang Rabatte bis zu 50 Prozent auf alle erdenklichen Produkte. Weil die besten Angebote erfahrungsgemäss meistens schon nach wenigen Minuten vergriffen sind, ist die Nachfrage unmittelbar nach dem Startschuss des Shoppingrauschs besonders hoch. Am Ende des Tages verzeichnete Alibaba Rekordtransaktionen im Wert von 57,1 Milliarden Yuan oder 9,3 Milliarden Dollar. Das Resultat lag damit rund vier Milliarden Dollar über dem des Vorjahres.

Das Vertrauen in die Aktien des grössten IT-Unternehmens der Welt dürfte damit weiter steigen. Im September war Alibaba in New York an die Börse gegangen und hatte eine beeindruckende Neuemission aufs Parkett gelegt, die dem Unternehmen 25 Milliarden Dollar in die Kasse spülte. Den Erfolg vom Dienstag kommentierte Alibabas Vizechef Joe Tsai so: «Sie erleben die Entfesselung der chinesischen Konsumgewalt.» Die Investoren hören das gerne, verspricht es doch dauerhaftes Wachstum in den kommenden Jahren.

Der Tag der Einsamen

Die wegen ihres Datums in Kurzform als 11/11 bezeichnete Aktion entwickelte sich binnen weniger Jahre von einer guten Idee zu einem gewaltigen Marketing-event. Bei der ersten Auflage 2009 nahmen gerade einmal 27 Händler teil, in diesem Jahr waren es 27'000.

«Ich glaube nicht, dass irgendeine andere Firma in China einen solchen Tag kreieren kann», sagte Tsai. Der Erfolg der diesjährigen Ausrichtung ist auch das Resultat eines geschickten Schachzuges von Alibaba. Bereits seit Mitte Oktober konnten Händler ihre Angebote für die Aktion bewerben und Vorbestellungen annehmen. Die Zahlungen und Auslieferungen wurden dann bis zum Dienstag eingefroren.

Der 11. November wurde einst als Gegenentwurf zum Valentinstag zum inoffiziellen Tag der Singles in der Volksrepublik ausgerufen, weil die Ziffer 1 das Alleinsein symbolisiert. Wegen seines enormen Potenzials hat sich Alibaba die Namensrechte an der Bezeichnung 11/11 vor zwei Jahren gesichert. Alibaba arbeitet auch daran, die Aktion im Ausland populär zu machen. In diesem Jahr konnten erstmals auch Kunden im Rest der Welt von dem Aktionstag über das internationale Portal Aliexpress profitieren. Wegen der Zeitverschiebung endete der Single-Day in den USA erst am Mittwoch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2014, 20:59 Uhr

Artikel zum Thema

Mayers Yahoo macht Milliarden mit Alibaba

Der US-Internetkonzern ist auf Kurs. Konzernchefin Marissa Mayer steht nun aber unter Zugzwang, die Gewinne aus dem Alibaba-Börsengang effizient einzusetzen. Mehr...

Alibaba darf Bank gründen

Der Onlinehändler hat die Erlaubnis erhalten, ins Privatbankengeschäft einzusteigen. Die chinesischen Behörden verfolgen damit eine Strategie. Mehr...

Alibaba-Aktie schiesst um fast 40 Prozent in die Höhe

Mit über zwei Stunden Verspätung ist der Handel mit Alibaba-Aktien an der New Yorker Börse gestartet. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Blogs

Dummheit als Ware

Sweet Home 15 geniale Ideen für die Küche

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Reif für die Insel: Die philippinische Insel Boracay ist wieder für Touristen geöffnet.Sie war wegen massiver Umweltprobleme geschlossen worden. Viele Hotels und Geschäfte sollen ihr Abwasser samt Fäkalien jahrelang ins Meer geleitet haben. Hier ist die vulkanische Formation Williy's Rock' auf der Insel zu sehen. (16. Oktober 2018)
(Bild: EPA/Mark R. Cristino) Mehr...