Die Frankenschock-Karte

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36 Firmen haben Massnahmen angekündigt, die Hälfte davon betrifft längere Arbeitszeiten: Karte der gesammelten Meldungen. Visualisierung: Marc Fehr.


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Wieder müssen Angestellte wegen der Frankenstärke eine Arbeitszeitverlängerung hinnehmen. Die rund 500 Angestellten der Gebäudehüllenproduzentin Eternit Schweiz an den Standorten Niederurnen GL und Payerne VD müssen künftig 45 statt 42 Stunden pro Woche arbeiten. Die Angestellten des Kabelherstellers Huber+Suhner müssen ebenfalls ab 1. März 43 statt 40 Stunden arbeiten.

Gleichzeitig verzichten Verwaltungsrat und Konzernspitze auf 10 Prozent der Saläre, der Rest des Kaders auf 5 Prozent. Diese Massnahmen gegen die Frankenstärke gelten vorerst für ein Jahr. Im Januar hatte das Unternehmen noch mitgeteilt, die Frankenaufwertung sei eine «grosse Herausforderung». Huber+Suhner verfügte daraufhin einen Personalstopp und eine Nullrunde bei den Löhnen 2015.

Arbeitszeitverlängerung als häufigste Massnahme

Die beiden Firmen sind die Unternehmen Nummer 35 und 36, die gemäss der Zählung von Tagesanzeiger.ch/Newsnet seit der Aufgabe des Mindestkurses durch die SNB zu Massnahmen gegriffen haben, welche die Arbeitsbedingungen des Personals verschlechtern. In 18 Fällen wurden dabei die Arbeitszeiten erhöht. 10 Firmen kündigten Entlassungen an und begründeten diese mit dem erstarkten Franken. Bei 11 Unternehmen wurden die Löhne gekürzt, 7 Unternehmen verfügten einen Einstellungsstopp, und 2 Firmen beantragten Kurzarbeit.

Am 15. Januar hatte die Schweizerische Nationalbank den Euromindestkurs aufgehoben. Vor allem exportorientierte Industrieunternehmen haben nun Probleme, weil ihre Produkte im Euroraum plötzlich teurer geworden sind. Erst am Dienstag hatten der Maschinenfahrzeughersteller Stadler Rail und der Haushaltsgerätehersteller V-Zug eine Verlängerung der Arbeitszeit angekündigt.

Kurzarbeit wird kaum beantragt

Die gleiche Massnahme hatten vor ihnen bereits andere Unternehmen wie der Schaffhauser Industriekonzern Georg Fischer, das Uzwiler Technologieunternehmen Bühler und der Lysser Metallverarbeiter Feintool ergriffen. Der Basler Zahnimplantatehersteller Straumann hatte Anfang Februar für Aufsehen gesorgt, als er neben einem Lohnverzicht ankündigte, Löhne für Grenzgänger in Euro zahlen zu wollen. Inzwischen hat man sich bei Straumann auf einen Bonusverzicht geeinigt.

Kurzarbeit ist vorläufig noch kein grosses Thema. Zwar haben erste Firmen Gesuche für Kurzarbeit wegen des hohen Frankens eingereicht; solange aber die Auftragslage bei den Unternehmen gut ist, dürften das Ausnahmen bleiben. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hatte am 27. Januar angekündigt, Kurzarbeit aufgrund von Devisenschwankungen zu ermöglichen. Damit soll verhindert werden, dass Unternehmen Stellen streichen, weil sie nicht mehr genügend Arbeit haben.

Artikel angereichert mit Material der Agentur SDA. Sind Ihnen weitere Firmen bekannt, die als Reaktion auf die Frankenaufwertung Massnahmen zuungunsten des Personals ergriffen haben? Melden Sie diese an wirtschaft@tagesanzeiger.ch. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 25.02.2015, 17:53 Uhr)

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