Die Frau, die den Smart wieder flott machen soll

Der Daimler-Konzern will den Smart neu lancieren. Chefin der Automarke, die von Nicolas Hayek mitbegründet wurde, wird Annette Winkler. Wer ist sie?

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Annette Winkler ist ein grosser Fan von klassischer Musik, sie spielt gut und gern Klavier. Als junge Frau dachte Winkler einmal daran, eine Konzertagentur zu gründen. Doch es kam anders für die Tochter einer alteingesessenen Unternehmerfamilie aus Wiesbaden. Winkler, die in Frankfurt Betriebswirtschaft studiert hatte, übernahm im Alter von 27 Jahren die Bauunternehmung ihres Vaters. In wenigen Jahren führte die Jungunternehmerin den Familienbetrieb zum Erfolg. 1995 startete sie ihre zweite Karriere beim Automobil-Grosskonzern Daimler in Stuttgart.

Im Familienunternehmen hatte Winkler eine Unternehmensphilosophie entwickelt, die auf ein verstärktes Wir-Gefühl im Unternehmen zielte und als Wiesbadener Konzept breite Aufmerksamkeit fand. Damit meinte sie ein starkes Einbinden der Mitarbeiter, offene Kommunikation und hierarchiefreies Arbeiten. Charakteristisch für ihren Führungsstil war ein «management by walking around». Regelmässig fuhr die Chefin auf die Baustellen, befragte ihre Mitarbeiter und hatte stets ein offenes Ohr für alle Vorschläge und Probleme. «Bei uns beurteilen die Maurer die Führungskräfte», berichtete sie nicht ohne Stolz aus der Praxis ihres Familienunternehmens.

Karriere mit einem Misserfolg

1992 wählte sie die Jury der Champagner-Firma Veuve Cliquot zur «Unternehmerin des Jahres». «Ich habe mein Leben immer als Chance gesehen, etwas zu gestalten», sagte die Erfolgsfrau, die nebenbei auch als Professorin für Unternehmensplanung und Personalmanagement in Wiesbaden tätig war. Drei Jahre später wechselte Winkler in den Daimler-Konzern. Sie hinterliess einen Familienbetrieb, der zwar in zehn Jahren den Umsatz von 4 auf 60 Millionen Mark gesteigert hatte, aber aufgrund einer ruinösen Entwicklung in der Baubranche in arge Schwierigkeiten geraten war. 1996 musste der Familienbetrieb Konkurs anmelden. Das war der einzige Misserfolg in einer ansonsten steilen Karriere der Frau, die mit einem Rechtsanwalt verheiratet ist und gerne lange Reisen unternimmt.

Beim Daimler-Konzern übernahm sie Mitte der Neunziger Jahre die Leitung der Öffentlichkeitsarbeit von Mercedes-Benz. Zwei Jahre später musste sie sich aber wegen der Zusammenlegung von Mercedes-Benz und Daimler nach neuen Aufgaben umsehen. Unter anderem wurde ihr die Leitung von DaimlerChrysler Belgien/Luxemburg anvertraut. Seit fünf Jahren ist sie Leiterin Global Business Management & Wholesale Europe bei Mercedes-Benz. Und jetzt folgt der nächste Karriereschritt: Im September übernimmt die 50-Jährige die Leitung der Automarke Smart. Damit stellt der Daimler-Konzern seine Marke Smart wieder unter eine eigene Leitung.

Schrumpfender Absatz von Smart

Die Marke Smart war 1998 aus der Taufe gehoben worden. Einer der Väter war der kürzlich verstorbene Unternehmer und Swatch-Chef Nicolas Hayek. Der Stadtflitzer ist nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik, der Absatz schrumpft seit zwei Jahren und wird in diesem Jahr auf rund 100'000 Fahrzeuge sinken, der Smart hält sich nur knapp in den schwarzen Zahlen. Nachdem im Frühjahr eine Zusammenarbeit mit Renault und Nissan Motor vereinbart worden ist, soll gemeinsam mit den Franzosen ab 2014 ein neuer Smart- und Renault-Zweisitzer auf den Markt gebracht werden. Zudem sollen Vertrieb, Produktion und Entwicklung der Marke in einer Hand gebündelt werden.

Zu ihrem neuen Job will sich Winkler noch nicht öffentlich äussern. Sie wird dies erst nach 100 Tagen im Amt tun. Die Vorgabe des Daimler-Konzerns ist aber klar: Winkler soll die Kleinwagenmarke wieder auf Erfolgskurs zu bringen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.07.2010, 14:54 Uhr

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