Die Grossbanken müssen bald wieder Gewinnsteuern zahlen

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise müssen UBS und CS keine Gewinnsteuern bezahlen – zum Leidwesen der Stadt Zürich. Für eine der beiden Banken ist es mit dieser Praxis wohl bald vorbei.

Der Verlustvortrag gilt nicht mehr lange: CS-Büros in Zürich.

Der Verlustvortrag gilt nicht mehr lange: CS-Büros in Zürich. Bild: Keystone

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Hat eine Firma in einem Jahr rote Zahlen geschrieben, kann sie diese während maximal sieben Jahren in der Steuerrechnung von den Gewinnen abziehen. Gerade bei Schwergewichten wie den beiden Grossbanken schlägt sich das aufs Budget des Firmenstandorts bitter nieder.

Die völlig rechtmässige Praxis der Verlustvorträge lässt denn auch regelmässig viel Druckerschwärze fliessen und manche Steuerpflichtigen die Faust im Sack machen. Allerdings befreit der Verlustvortrag lediglich von der Gewinnsteuer. Er kann geltend gemacht werden, bis die Verluste ausgeglichen sind und maximal während sieben Jahren.

Profitieren vom Verlustvortrag

Die Regelung, frühere Verluste als Verlustvorträge von der Gewinnsteuer abziehen zu dürfen, besteht bereits seit mehr als 50 Jahren, erklärte der Genfer Steuerexperte und Professor Xavier Oberson gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Absicht des Gesetzgebers ist klar: Unternehmen sollen sich nach Verlusten erholen dürfen.

Und die Schweiz ist bei der Steuerbefreiung mittels Verlustvortrag nicht einmal besonders grosszügig. Gemäss Oberson dürfen Unternehmen in den USA ihre Verluste zwanzig Jahre lang abziehen, in Grossbritannien sogar unbefristet.

Die Regelung gilt für alle Unternehmen. Für Aufsehen sorgte sie aber namentlich bei den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse. UBS, die Nummer eins, zahlt seit ihren astronomischen Verlusten in der Finanzkrise von 2008 wegen des Verlustvortrags keine Gewinnsteuern – zum Leidwesen der Finanzvorsteher der Stadt Zürich.

Kassenwarte brauchen noch Geduld

Auch wenn seither mit Ausnahme eines heftigen Rückschlags 2012 die UBS-Gewinne wieder sprudeln, ändert sich daran so schnell nichts. 2013 schrieb die Bank einen Gewinn von 3,17 Milliarden Franken, 2012 aber einen Verlust von 2,48 Milliarden. Damals schlugen Restrukturierungskosten und die Regelung des Libor-Skandals zu Buche.

So müssen die Kassenwarte der öffentlichen Hand weiter auf den Zustupf der Grossbank warten, allen voran die Stadt Zürich. 2011 rechnete der damalige Finanzvorsteher Martin Vollenwyder, bis 2013 wieder Gewinnsteuer von der UBS einziehen zu können.

Der Verlust 2012 zerschlug diesen Hoffnungsschimmer aber jäh. Bis die UBS wieder Gewinnsteuer abliefere, dauere es etwas länger, beschied ihr Sprecher Jean-Raphäel Fontannaz der sda.

Tatsächlich weist die UBS im Geschäftsbericht 2013 einen Verlustvortrag von 28,9 Milliarden Franken aus, 6,1 Milliarden davon in der Schweiz. Wie die Beträge verrechnet werden, hänge davon ab, wo sie anfielen, und auch vom Gewinnniveau, sagte Fontannaz.

Der Löwenanteil des Verlustvortrags fällt mit 19,1 Milliarden Franken in den USA an, wo die UBS stark im Investmentbanking tätig ist. 2,8 Milliarden Franken entfallen auf Grossbritannien.

Wichtiger Steuerfaktor

Auch wenn die Bank keine Gewinnsteuer abliefert, bleibt sie doch eine wichtige Steuerzahlerin in der Schweiz, merkte Fontannaz an. Kapitalsteuern, Grundstücksteuern und was steuermässig sonst so anfällt, muss sie nämlich zahlen.

Zählt man die Steuern der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu, sprudelte zwischen 2010 und 2012 jährlich etwa eine Milliarde an den hiesigen Fiskus, rechnete der Sprecher vor.

Weniger von der Finanzkrise durchgerüttelt wurde die zweite Grossbank im Land, die Credit Suisse. Ihre Verluste lagen signifikant tiefer. So kündigte der Stadtzürcher Finanzvorsteher Daniel Leupi letzten Herbst bei der Budgetpräsentation auch an, eine der Grossbanken werde 2014 wieder Gewinnsteuer abliefern – welche liess er offen. Dass es die UBS nicht sein wird, scheint fast sicher.

So schnallt unterdessen die Stadt den Gürtel enger und rechnet bis mindestens 2017 mit hohen Defiziten, allerdings nicht nur wegen der UBS. (fko/sda)

Erstellt: 23.04.2014, 14:32 Uhr

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