«Die Konkurrenz wird wohl weiterhin schlafen»

Ralf Beyeler, Comparis-Telecomexperte, erklärt, was die Abschaffung der Roaminggebühren der Swisscom für die Branche bedeutet und warum diese Gebühren generell so hoch sind.

Telefonate aus dem EU-Raum werden bei der Swisscom günstiger: Ein Kunde des Swisscom-Shops in Bern schaut sich neue Angebote an. (13. November 2012)

Telefonate aus dem EU-Raum werden bei der Swisscom günstiger: Ein Kunde des Swisscom-Shops in Bern schaut sich neue Angebote an. (13. November 2012) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Herr Beyeler, die Swisscom hat heute bekannt gegeben, dass sie die Roaminggebühren ab dem 13. April für Telefongespräche aus dem EU-Raum abschaffen wird. Welche Auswirkungen hat dieser Entscheid auf die Branche?

Ich glaube nicht, dass dieser Entscheid grosse Auswirkungen auf die Angebote der Konkurrenz haben wird. Die Konkurrenz wird wohl weiterhin schlafen; den wenigen informierten Kunden, die sich durch den ganzen Tarifdschungel durchgekämpft haben, wird weiterhin ein Sonderangebot verkauft, während die allermeisten Kunden, die ahnungslos ins Ausland fahren, weiterhin abgezockt werden.

Der Entscheid wird also keinen Dominoeffekt in der Branche haben, der die Konkurrenz der Swisscom unter Zugzwang stellt?

Nein, ich denke nicht. Denn Tarifsenkungen der Swisscom haben in der Vergangenheit auch keine Reaktionen bei der Konkurrenz ausgelöst. Ein Anruf aus Spanien kostet bei Orange heute immer noch gleich viel wie 2002, obwohl die Swisscom seither die Roaminggebühren mehr als halbiert hatte.

Wie kann es sich die Konkurrenz leisten, hier nicht nachzuziehen?

Das Geschäftsmodell, ahnungslose Kunden mit Roaminggebühren abzuzocken, ist wohl einfach zu lukrativ.

Wie können sich Kunden vor einem Auslandsaufenthalt denn am besten über die verschiedenen Angebote informieren, um nicht abgezockt zu werden?

Bei uns auf Comparis.ch gibt es verschiedene Listen mit den unterschiedlichen Angeboten, die einem einen guten Überblick verschaffen. Man kann sich aber auch direkt bei seinem Anbieter informieren, welches Sonderangebot sich für die jeweilige Reise am besten eignet.

Den hohen Roaminggebühren stehen ja praktisch keine Kosten gegenüber. Wie konnten die Gebühren bisher überhaupt gerechtfertigt werden?

Das Problem bei den Roaminggebühren ist, dass jeder Telecomanbieter sowohl Zulieferer wie auch Abnehmer des Roamingdienstes ist. Dadurch ist der Druck, günstige Tarife einzuführen, nicht sehr hoch. Dem Kunden kann man einfach erklären, dass die Roaminggebühren hoch seien, da der ausländische Anbieter so hohe Gebühren verrechne. Gleichzeitig können aber auch inländische Anbieter wie die Swisscom einem deutschen Anbieter hohe Roaminggebühren verrechnen, wenn dessen Kunde in der Schweiz telefoniert. Somit haben viele Anbieter ein Interesse daran, die Roaminggebühren generell hoch zu halten.

Weshalb hat die Swisscom die Roaminggebühren nun trotzdem gesenkt?

Die Swisscom war bisher nicht in einer besonders guten Lage. Denn durch den sehr hohen Marktanteil der Swisscom benutzten wohl mehr Schweizer Kunden Roamingdienste im Ausland als umgekehrt. Womit die Swisscom in ihrer Roamingbilanz wohl draufzahlen musste. Es könnte also sein, dass die Swisscom kürzlich einen Durchbruch in den Tarifverhandlungen mit den ausländischen Anbietern errungen hat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.02.2015, 20:39 Uhr

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