Analyse

Die Missverhältnisse bei der UBS

10,7 Millionen Franken für Sergio Ermotti, 6,1 Millionen Franken für Axel Weber: Die UBS will lohnmässig mit der Wallstreet mithalten. Bei den Gewinnzahlen spielt man aber in einer anderen Liga.


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Man wolle die Vergütung «normalisieren», hielt die UBS anlässlich ihrer Bekanntgabe der Gewinnzahlen im Februar fest. Die Erhöhung des Bonuspools um fast ein Drittel rief bereits damals Irritationen hervor. Heute zeigt sich, was diese Normalisierung für die Topkader der Bank bedeutet. Bankchef Sergio Ermottis Gesamtlohn fürs Jahr 2013 steigt von 8,9 auf 10,7 Millionen Franken, Präsident Axel Webers Gehalt legt von 3,6 auf 6,1 Millionen Franken zu (wobei er im Vorjahr nur von Mai bis Dezember in Diensten der UBS war). Investmentbanker Andrea Orcel verdient neu 11,4 Millionen Franken, sein vormaliger Lohn ist nicht bekannt.

Nicht alle Grossbanken haben die Toplöhne bereits kommuniziert. Wie viel CS-Chef Brady Dougan 2013 verdiente, wird erst im April bekannt. Die bisherigen Veröffentlichungen zeigen aber eine deutliche Tendenz: Bei praktisch allen Grossbanken sind die Cheflöhne im vergangenen Jahr markant gestiegen. Den grössten Sprung realisierte Jamie Dimon von J. P. Morgan. Er erhielt statt 10,5 neu umgerechnet 17,9 Millionen Franken. Im zweistelligen Millionenbereich liegen auch die Löhne von Lloyd Blankfein (Goldman Sachs), Michael Corbat (Citigroup) und Brian Moynihan (Bank of America).

Europäer zahlen kleinere Toplöhne

Chefs von europäischen Banken wie Stuart Gulliver (HSBC) oder Jean-Laurent Bonnafé (BNP Paribas) nahmen mit kleineren Beträgen vorlieb. Aus der Aufstellung wird klar: Wenn die UBS von einer Normalisierung spricht, dann orientiert sie sich nicht an den Verhältnissen des alten Kontinents, sondern an den Gegebenheiten an der Wallstreet. In den dortigen Teppichetagen wurde 2013 kräftig zugelangt. Beobachter hatten im Vorfeld mit Erhöhungen in der Region von 5 Prozent gerechnet. Verzeichnet wurden schliesslich Lohnsteigerungen von 20 Prozent bis 70 Prozent im Fall von Jamie Dimon. Dies, obwohl die Bank im abgelaufenen Jahr juristische Extrakosten über 23 Milliarden Dollar verbuchte. UBS-Chef Ermotti erhielt 2013 eine Lohnerhöhung von 20 Prozent.

Eine Möglichkeit, wie Banken dem Unmut der Öffentlichkeit über Bankenskandale entgegentreten können, zeigte der Barclays-Chef Antony Jenkins dieses Jahr. Er verzichtete 2013 erneut auf seinen Bonus, der ihm fast 4 Millionen Franken hätte einbringen können. Am Hungertuch nagen muss Jenkins trotzdem nicht. Sein Grundsalär liegt bei 1,6 Millionen Franken, maximal das Vierfache davon erhält er zusätzlich in Aktien. Auch Barclays hat den gesamten Bonuspool vergrössert. Laut Jenkins sei die Bank dazu gezwungen, nachdem zuletzt die Abgangsrate von Managern im US-Investmentbanking von 5 auf 10 Prozent hochgeschnellt war.

Doppelter Lohn, halber Gewinn

Barclays verzeichnete im abgelaufenen Jahr einen Gewinneinbruch. Vor Steuern verdient die Bank aber umgerechnet immer noch 7,7 Milliarden Franken. Die UBS erzielte 2013 unter dem Strich 3,2 Milliarden Franken (Gewinnsteuern muss die Bank auch 2014 noch nicht bezahlen). Bei einem doppelten Lohn der Bankchefs macht die UBS also halb so viel Gewinn wie Barclays. Ein ähnliches Missverhältnis liefert der Vergleich zur Bank of America. Sie erzielte 2013 bei einem gleich hohen CEO-Lohn einen dreimal so hohen Gewinn wie die UBS. Ähnlich sind die Relationen auch bei der Citigroup, deren Profit rund viermal so gross war wie jener der Schweizer Bank.

Der Vergleich von Unternehmensgewinn und Cheflohn drängt sich auch bei Julius Bär auf. Dort musste CEO Boris Collardi im vergangenen Jahr eine leichte Lohneinbusse in Kauf nehmen. Sein Salär lag bei 5,9 Millionen Franken. Doppelt so viel verdiente der Chef der britischen Grossbank HSBC – seine Bank schrieb rund hundertmal mehr Gewinn als die Schweizer Vermögensverwalterin. Man darf gespannt sein auf den Vergütungsbericht der Credit Suisse, die im vergangenen Jahr mit 3,1 Milliarden Franken etwa gleich viel Gewinn wie die UBS erzielte. Was versteht die zweitgrösste Schweizer Bank unter einer «Normalisierung» der Verhältnisse?

Erstellt: 14.03.2014, 12:22 Uhr

Kann lohnmässig mit den Wallstreet-Banken mithalten: Sergio Ermotti. (Bild: Keystone )

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