Die Postfinance darf jetzt eine Bank sein

Die Postfinance besitzt bis heute keine Banklizenz. Die Finma macht nun aber den Weg für ein «richtiges» Finanzinstitut frei.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat der Postfinance die lang ersehnte Bankbewilligung erteilt – zumindest fast: Zuerst muss das Finanzinstitut der Schweizerischen Post nachweisen, dass es eine Reihe von Bedingungen erfüllt.

Die Postfinance gehört zwar längst zu den Grössen der Schweizer Bankbranche. Gemessen an der Bilanzsumme steht sie auf der sechsten Position. Eine Bank war die Postfinance dennoch nie. Dies wird sich aber bald ändern.

Noch fehlen der Finma Nachweise, dass die Bedingungen für den Erhalt der Bankenlizenz tatsächlich gegeben sind. Die Finma spricht von organisatorischen, finanziellen und personellen Aspekten ohne konkreter zu werden. Auf Anfrage wollen weder Postfinance noch Finma näher darauf eingehen.

Dabei geht es aber um Risiken, die sich ergeben, weil einerseits der Bund als Eigentümer auftritt. Und andererseits wirft die enge Verknüpfung mit der Schweizerischen Post besondere Fragestellungen auf. Die vorgesehenen Strukturen der Organisation, die Kapitalisierung sowie die personelle Besetzung der künftigen Bank Postfinance seien eine gute Basis, lässt die Finma jedoch verlauten.

Diesen Aspekten sei im Bewilligungsprozess mit spezifischen Anforderungen zur Corporate Governance und zu den Beziehungen zum Postkonzern Rechnung getragen, heisst es vonseiten der Finma. Auch der Geldwäschereiprävention sei ein hoher Stellenwert eingeräumt worden.

«Erfreuliche Nachricht»

Überraschend kommt der Entscheid der Finma nicht. Seit zweieinhalb Jahren läuft der Bewilligungsprozess. «Wir haben eine Erteilung der Bankbewilligung zwar erwartet, nichtsdestotrotz ist die Nachricht sehr erfreulich für uns», kommentierte Postfinance-Mediensprecher Marc Andrey den Entscheid. Es sei dringend nötig, dass ein Finanzinstitut mit der Grösse der Postfinance von der Finma beaufsichtigt werde.

Das Finanzinstitut geht davon aus, dass es die geforderten Bedingungen bis zum zweiten Quartal 2013 erfüllen kann und die Umwandlung in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft - nach dem dafür notwendigen Entscheid des Bundesrates - vonstatten geht.

Schweizer Spezialfall

Mit der Erteilung der Bankbewilligung kann die Postfinance als Bank und Wertschriftenhändlerin tätig sein. Bis anhin war die Postfinance Finanzdienstleisterin ohne Banklizenz, weil sie dem Postgesetz unterstand. Dies war nur dank einer gesetzlichen Ausnahmeregelung möglich.

Das neue Post- und Postorganisationsgesetz sieht vor, dass die Postfinance als privatrechtliche Aktiengesellschaft ausgelagert werden kann, womit die Ausnahmeregelung entfällt und das Institut eine Bankbewilligung benötigt. Weiterhin untersagt ist der Postfinance indes das selbständige Anbieten von Krediten und Hypotheken.

Für die Postfinance ändert sich mit Erhalt der Bankbewilligung ausser der Aufsicht nichts. Das Geschäftsmodell mit den Kernpunkten Zahlen und Sparen für Kleinkunden bleibe das gleiche, sagt Firmensprecher Andrey. Ändern wird sich das Ergebnis des Unternehmens. Ab 2013 ist die Postfinance steuerpflichtig. Das wird den Gewinn negativ beeinflussen.

2011 verdiente das Institut unter dem Strich 591 Millionen Franken. Das Geschäftsjahr 2012 dürfte ähnlich gut ausfallen, wie Postfinance-Chef Hansruedi Köng anlässlich der Neun-Monat-Zahlen Ende Oktober ausführte. (bru/sda)

Erstellt: 07.12.2012, 11:00 Uhr

Kredite und Hypotheken dürfen weiterhin nicht angeboten werden: Postfinance-Schalter in Zürich. (Bild: Keystone )

Artikel zum Thema

Massiver Preisaufschlag ärgert Postfinance-Kunden

Hintergrund Wer nicht 7500 Franken bei Postfinance hat, den kostet die Kontoführung neu 60 Franken im Jahr. Wer sein Domizil im Ausland hat, zahlt sogar doppelt oder dreimal so viel. Und selbst E-Banking wird teurer. Mehr...

Neue Vorwürfe gegen die Basler Kantonalbank

Erneut Negativschlagzeilen für die BKB: Ein ehemaliges Direktionsmitglied beschuldigt die Führungsetage unter anderem, «Beihilfe zur Kapitalflucht» gutzuheissen. Nun ermittelt die Finma. Mehr...

Sergio Ermottis Kontrollprogramm

Hintergrund Stärkere Risikokontrollen und intensive Schulungsprogramme: Nach dem Rüffel der Finma will der UBS-Chef einen Kulturwandel herbeiführen. Die vorgeschlagenen Massnahmen klingen gut. Sind sie es auch? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Stadtblog Plötzlich sind nur noch zwei Kinder da

Die Welt in Bildern

Explosive Abrüstung: An der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea werden die Bewachungsposten abgebaut. (15. November 2018)
(Bild: Jung Yeon-je/Getty Images) Mehr...