Die Rohstoffbranche zahlt in Zug nur 36 Millionen Franken an Steuern

Erstmals gab der Kanton Zug konkrete Zahlen zu seinem Rohstoffhandelsplatz bekannt. In erster Linie generieren die Angestellten der rund 100 Rohstofffirmen Steuereinnahmen.

Wie viel Steuern die Glencore-Gruppe in Zug zahlt, bleibt im Dunkeln: Glencore-Hauptsitz in Baar.

Wie viel Steuern die Glencore-Gruppe in Zug zahlt, bleibt im Dunkeln: Glencore-Hauptsitz in Baar. Bild: Martin Rütschi/Keystone

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Rohstoffe spielen im Kanton Zug bekanntlich eine grosse Rolle. Deshalb erstellen die Zuger Behörden jedes Jahr den umfangreichen Kiesbericht, in dem die aktuellen Eckdaten zur Zuger Kieswirtschaft ausgewertet und mit der bisherigen Entwicklung verglichen werden. So erfährt der interessierte Leser, dass die fünf Zuger Kieswerke 2012 rund 496'000 m3 Kies abgebaut haben. Oder dass aus der Region Rontal-Luzern-Seetal fast doppelt so viel Kies nach Zug importiert, als dorthin exportiert wurde.

Über die anderen, nicht nur interkantonal tätigen Zuger Rohstoffunternehmen sucht man hingegen vergeblich behördliche Statistiken. Das erstaunt, denn immerhin handelt es sich beim Zuger Rohstoffhandelsplatz um einen der grössten der Welt. Als vor einigen Jahren linke Kantonsräte wissen wollten, wie viele Rohstofffirmen es überhaupt in Zug geben würde, beschied ihnen die Regierung: «Es ist aus Gründen der personellen Ressourcen nicht möglich, diese Frage zu beantworten.»

Ende der Zuger Schweigepolitik

Die Zeiten ändern sich. Nicht zuletzt als Folge des internationalen Drucks auf den Bankenplatz geht hierzulande die Sorge um, dass der Rohstoffhandel ebenfalls ins Visier geraten könnte. So stellte der Bundesrat fest, falls in der Schweiz niedergelassene Rohstoffunternehmen in Entwicklungsländern Menschenrechte sowie Sozial- und Umweltstandards verletzen würden, könnte dies ein Reputationsrisiko für die Schweiz darstellen. Und so sieht sich auch Zug gezwungen, Schritt für Schritt von seiner Politik des Schweigens abzukehren.

Einen ersten Vorgeschmack auf mehr Transparenz gab es am Mittwoch. Da nahm der Regierungsrat Stellung zu einer Interpellation der SP. Unter anderem wollten die Genossen wissen, wie hoch die Steuerleistung des Rohstoffhandels im Kanton Zug sei.

In ihrem Antwortschreiben hielt die Regierung zuerst fest, dass im Kanton «aktuell keine einzige Gesellschaft, somit auch keine Gesellschaft aus der Rohstoffbranche Steuerleichterungen geniessen» würde. Das erstaunt angesichts der bereits enorm tiefen, regulären Besteuerung ausländischer Gewinne von Holdings, Domizil- und gemischten Gesellschaften nicht weiter.

Dann wird es konkret: Insgesamt fliessen dem Kanton und den Gemeinden in Form von Gewinn- und Kapitalsteuern juristischer Personen jährlich 200 Millionen Franken Kantons- und 160 Millionen Gemeindesteuern zu. Davon entfallen 10 Prozent oder 36 Millionen Franken auf die Rohstoffbranche.

Zusätzlich bezahlen Zuger Firmen jährlich etwa 1 Milliarde Franken direkte Bundessteuern. Davon entfallen 200 Millionen Franken auf den Rohstoffsektor. Da die Kantone 17 Prozent der Bundessteuern behalten dürfen, macht das 34 Millionen Franken.

Die Angestellten der Rohstoffbranche zahlen schliesslich jährlich insgesamt 121,5 Millionen Franken kantonale und kommunale Einkommenssteuern. Aus den Bundessteuern kommen wiederum 12,7 Millionen Franken dazu.

Zum Platzhirsch Glencore Xstrata konnte die Regierung «aufgrund des gesetzlichen Amts- und Steuergeheimnisses» keine Auskunft geben. Damit bleibt die Frage unbeantwortet, ob die Glencore-Gruppe nicht nur auf Bundesebene, sondern auch im Kanton Zug keine Gewinnsteuern bezahlt hatte.

Schliesslich wollte die Zuger SP in ihrer Interpellation natürlich wissen, wie viele Firmen der Rohstoffhandelsplatz umfasst. Gegenüber dem Onlineportal Zentralplus.ch sagte der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel (FDP) am Mittwoch: «Ich weiss nicht, wie viele Firmen im Rohstoffsektor im Kanton tätig sind.» Das sei auch nicht entscheidend. Viel wichtiger sei die Zahl der Arbeitsplätze. Und auch diese kann der Kanton nur grob schätzen. Aufgrund der Auswertung der Zuger Betriebszählung aus dem Jahr 2008 geht man davon aus, dass die Rohstoffbranche knapp 4 Prozent aller Vollzeitäquivalente der Zuger Wirtschaft ausmacht. Immerhin gibt es einen Hinweis vom Branchenverband: Die Zug Commodity Association (ZCA) schätzt die Zahl der Zuger Rohstofffirmen auf etwa 100.

Erstellt: 20.09.2013, 08:35 Uhr

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