Die SBB missbrauchen ihr Monopol

Konsumentenschützer kritisieren zu Recht die Preispolitik des Bahnunternehmens. Doch ausrichten können sie nichts.

Online gekauft heisst weniger flexibel: Billettkontrolle in einem Zug. Foto: Keystone

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Die SBB und der Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) sind dreist, zu behaupten, dass die im SBB-Ticketshop gelösten, gewöhnlichen Streckenbillette das «gleiche Produkt sind wie die am Automaten oder Schalter gelösten».

Sie sind es nicht. Am Automaten und Schalter gelöste Tickets sind unpersönlich und 10 Tage gültig (Retourbillett). Die online gekauften aber sind persönlich und der Kunde muss sich auf die Hin- und Rückfahrttage festlegen. Für beide Arten verlangen die Unternehmen aber den gleichen Preis. Dank ihrem Monopol können sie die Konditionen diktieren.

Im freien Wettbewerb aber müssten sie das weniger flexible Online-Ticket günstiger verkaufen, um Absatz zu generieren. Dies bestätigen Ökonomen. Dies bestätigen implizit auch die SBB mit ihren sogenannten Spar­billetten zur Randzeit.

Der Preisüberwacher gibt sich machtlos. Die SBB und die anderen Anbieter des direkten Verkehrs hätten die «unternehmerische Freiheit, die Preis- und Sortimentspolitik zu bestimmen». Er könne nur eingreifen, wenn die Nettoeinnahmen aus dem Billettverkauf «in einem unange­messen hohen Gewinn» resultieren. Hat er das geprüft? Aus seinen Antworten geht hervor, dass er den Sachverhalt nicht geprüft hat, sondern dass er die «einvernehmliche Regelung», die er mit den SBB und dem VÖV getroffen hat, schützen will – zum Schaden der Kunden.

Auf Unwissenheit können sich weder der Preisüberwacher noch die SBB, noch der VÖV berufen. Seit drei Jahren kämpft die Stiftung für Konsumentenschutz für eine Korrektur. Das Gleiche tut auch die Interessengemeinschaft Pro Bahn. Sie wurden abgewiesen. Fazit: Die obskure Organisation Direkter Verkehr missbraucht das Monopol, der Preisüberwacher tut nichts.

Dies sind schlechte Vorzeichen für die Einführung des Swiss Pass. Die SBB wollen bis 2023 «90 Prozent aller Tickets» über selbst bediente Kanäle, sprich elektronisch, verkaufen. Foutieren sie sich im rentablen Fernverkehr um Wettbewerb, muss das Preisüberwachergesetz verschärft oder aber das Monopol im rentablen Fernverkehr zerschlagen werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2015, 18:50 Uhr

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